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The Jesus and Mary Chain «Popmusik ist wie ein Cheeseburger in einem Fastfood-Restaurant»

Dank Songs wie «Just Like Honey» und Alben wie «Psychocandy» haben The Jesus And Mary Chain ihren Platz im Musikolymp sicher. Seit ein paar Jahren ist die schottische Band wieder unterwegs – und spielt nächsten Montag live in Fribourg. «Sounds!» hat Sänger Jim Reid zum Telefoninterview getroffen.

Von allen streitenden Geschwisterpaaren in der Musikgeschichte gehören sie zu den Top 2: Jim und William Reid von The Jesus and Mary Chain, Link öffnet in einem neuen Fenster.

The Jesus and Mary Chain live

The Jesus and Mary Chain spielen am Pfingstmontag, dem 21. Mai 2018, ihr einziges Konzert in der Schweiz: Im fri-son, Link öffnet in einem neuen Fenster in Fribourg.

Tickets für diese Show gibt's im «Sounds!» auf SRF 3 am Donnerstagabend (17.5.) ab 22 Uhr.

Musikalisch gross geworden sind die schottischen Indie-Rocker in den 80er-Jahren, das Heu auf der gleichen Bühne hatten sie allerdings nie. Nach der Auflösung der Band Ende der 90er-Jahre herrschte ein ganzes Jahrzehnt Funkstille zwischen den beiden Brüdern. Seit 2007 spielen The Jesus and Mary Chain aber wieder in unregelmässiger Regelmässigkeit Konzerte.

Letztes Jahr gab's dann sogar endlich wieder einmal ein neues Album: «Damage and Joy» hiess das siebte Studioalbum der schottischen Band. Höchste Zeit für uns, Jim Reid anzurufen und ihn nach seiner aktuellen Gemütslage zu befragen:

«Damage and Joy, Link öffnet in einem neuen Fenster» war Ihr erstes Studioalbum nach einer 19-jährigen Veröffentlichungspause. Wie blicken Sie heute, ein Jahr später, auf diese Comeback-Platte zurück?

Jim Reid: Wir haben uns vor dem Album zum Ziel gesetzt, eine Platte zu machen, die unverkennbar nach The Jesus and Mary Chain, Link öffnet in einem neuen Fenster klingt. Wenn wir nun Konzerte spielen und die Songs von «Damage and Joy» in unser Set einbauen, passen die meiner Meinung nach ziemlich gut zu den alten Songs. Das Publikum scheint die Songs ebenfalls zu mögen. Man kann also sagen, dass wir einen ziemlich guten Job gemacht haben.

Wir wussten im Vorfeld nicht, ob sich überhaupt noch jemand für uns interessieren würde.

Aber es war schon eine ziemlich seltsame Sache, nach einer so langen Pause wieder zurückzukehren. Das Musikbusiness hat sich total verändert. Wir wussten im Vorfeld nicht, ob sich überhaupt noch jemand für uns interessieren würde.

Was hat sich verändert?

Jene Art von Musik, die vor 20 Jahren geschätzt wurde – nennen wir sie «Rockmusik mit Kanten», Punk Rock und so weiter… also das komplette Gegenteil vom ganzen Schrott, der auf «BBC Radio 1» in England gespielt wird –, ist mittlerweile völlig in den Untergrund gedrückt worden.

Wenn man schaut, welche Musik momentan so angesagt ist… Ich muss ehrlich sagen, ich verstehe die Leute einfach nicht. Ich kann mich für Musik wie jene von One Direction oder Harry Styles überhaupt nicht begeistern. Ich weiss auch nicht, wieso das Menschen überhaupt hören wollen.

Könnten daran auch die zahlreichen Streamingplattformen «schuld» sein, dank denen wir Musik praktisch überall und jederzeit konsumieren können?

Ich glaube definitiv, dass das mit Musikstreaming zusammenhängt. Dadurch ist eine Art Entwertung passiert. Und zwar nicht nur von Musik, sondern von allem. Alles ist zur Wegwerfware geworden.

Nehmen wir mal das Beispiel Kleider: Du gehst in einen Kleiderladen und kaufst dir dort eine Hose für fünf fucking Pfund. Dann trägst du sie zweimal und wirfst sie weg. Genau so gehen Leute mittlerweile auch mit Musik um. Du bekommst sie hinterhergeworfen.

Ich habe das Gefühl, dass ein Song mittlerweile eine Lebensdauer von etwa zwei Wochen hat.

Nehmen wir mal «(I Can't Get No) Satisfaction, Link öffnet in einem neuen Fenster» von den Rolling Stones als Beispiel: Als ich diesen Song zum ersten Mal gehört habe, wusste ich sofort, dass mich dieser Song für den Rest meines Lebens begleiten wird. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass das heutzutage noch immer passiert.

Ich habe das Gefühl, dass ein Song mittlerweile eine Lebensdauer von etwa zwei Wochen hat, bis die Leute zum nächsten Stück Müll wechseln.

Was müsste passieren, dass sich das wieder ändert?

Ich weiss nicht, ob sich das je wieder einmal ändern wird. Es müsste eine neue musikalische Revolution passieren. Es müsste eine neue Band geben, die etwas tut, das noch nie jemand zuvor gemacht hat. Das könnte die Leute vielleicht aufrütteln.

Es ist Abfall, der für die Masse produziert wird.

Bis dann wird Popmusik nie etwas anderes sein als ein Cheeseburger in einem Fastfood-Restaurant. Es ist Abfall, der für die Masse produziert wird.

Setzt Sie das an den eigenen Konzerten unter Druck?

Wahrscheinlich erwarten Konzertbesucher heutzutage etwas anderes, als wir ihnen bieten können. Mehr Action, mehr Interaktion, mehr Unterhaltung.

Aber wir können nur das tun, was wir sind. The Jesus and Mary Chain waren immer «nur» Musik, nie Mainstream-Entertainment.

Und Ihre alten Hits hängen Ihnen noch nicht aus dem Hals?

Ich weiss, das klingt seltsam – und man glaubt mir nie, wenn ich das sage – aber ich mag es, unsere alten Hits zu spielen! Wenn diese Songs nach 30 Jahren immer noch Menschen berühren können, dann ist das doch wunderbar!

Leute fragen mich immer, ob es mir nicht zum Hals heraushängt, jedes Mal «Just Like Honey» zu spielen…

Ausserdem stimmt mich optimistisch, dass noch immer junge Menschen an unsere Konzerte kommen. Das heisst also, dass es noch immer junge Leute gibt, die sich nicht mit dem Schrott, der im Radio gespielt wird, zufrieden geben.

Sie haben die Hoffnung also noch nicht ganz aufgegeben?

Ich bin selbst Vater von jungen Kindern und es macht mich wirklich wahnsinnig, dass sie immer Radio hören wollen (lacht). Ich versuche ja immer, ihnen The Velvet Underground und Sex Pistols vorzuspielen... Aber dann beschweren sie sich und sagen, dass ich wieder das Radio anstellen soll.

The Jesus and Mary Chain
Legende: Jim Reid mit Bruder William Official

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