Stadtwanderer Benedikt Loderer erklärt die Agglo

Warum ist das Auto schuld, dass es die Agglomeration gibt? SRF 3 geht der Frage auf den Grund, genauso wie dem Befund von Architekturkritiker Benedikt Loderer: «Ostermundigen ist überall.»

Der Architekturkritiker Benedikt Loderer ist ein scharfer Hund. Will heissen: Seit Jahr und Tag stellt er mit viel rethorischem Furor die baulichen Sünden der Schweiz in den Senkel. Gefälligkeitszeugnisse sind seine Sache nicht.

Wie gut trifft es sich da, dass wir ein solches auch nicht bestellt haben. Benedikt Loderer soll uns vielmehr unverblümt bei einem Spaziergang durch Ostermundigen die Agglomeration erklären. Die Zone, in der der Grossteil der Einwohner der Schweiz wohnt. Der Siedlungsbrei-Gürtel, in dem Doppelhaushälften spriessen, Garten-Trampoline zur Grundausstattung gehören und an jeder Ecke der Wegweiser in die Hauptstadt zu sehen ist.

Auto, TV und Waschmaschine

Loderers Befund ist klar: Ostermundigen ist keine Ausnahme. Ostermundigen ist die Regel. So wie in Ostermundigen sieht es auch in Schlieren aus, oder an den Rändern von Carouge und Zug. Die Agglomeration hat Überhand genommen. Die grossen Städte gehören ebenfalls zur Agglomeration. «Die Kernstadt Bern ist - wie Ostermundigen - einfach ein Quartier der Grossagglomeration Bern», sagt Loderer.

Und wer ist schuld an der Agglomeration? Respektive - positive ausgedrückt - wem verdanken wir es, dass der Traum vom eigenen Häuschen Realität wurde? Loderers Antwort: Es ist das Auto. «Die Agglomeration und das Auto gehören zusammen wie Pech und Schwefel.» Startschuss für die Agglo waren die 1950er Jahre, als die Schweizer Haushalte Auto, Fernseher und Waschmaschine anschafften.

«Einfach eine Strasse mit Häusern dran»

Seither ist eines passiert: die Agglomerationen sind gewachsen. Und gewachsen. Und gewachsen. Dabei konnte es passieren, dass ein eigentlicher Ortschaftskern fehlt. Loderer bemerkt dazu trocken: «Ostermundigen war früher einfach eine Strasse mit Häusern dran. Und heute ist Ostermundigen im Prinzip dasselbe.»

Bleibt noch die Frage, ob in eine Ortschaft wie Ostermundigen ein über 100 Meter hohes Hochhaus gehört. Das geplante Hochhaus polarisiert. Wer Ostermundigen als Dorf sieht, ist gegen das Hochhaus. Für die Hochhaus-Befürworter ist klar, dass sie nirgends anders wohnen als in der Agglo.