Agnes Räbsamen – die «Glöcknerin» von Mosnang

Vorne beim Altar in der winzigen Antoniuskapelle steht Agnes Räbsamen. Versunken im Gebet zieht sie an einem dünnen Strick und läutet so die kleine Glocke. Das macht sie jeden Tag, immer um 11.00 Uhr. Schon ihre Mutter und Grossmutter haben sich diesem täglichen Ritual hingegeben.

Vom Klang der kleinen Glocke angezogen will Fränzi Haller mehr über die jahrzehntealte Tradition erfahren. Durch die hügelige Landschaft fährt sie zum Haus von Agnes Räbsamen. Die kleine weisshaarige Frau führt ihren Besuch in die Stube, ein kleines heimeliges Zimmer mit grünem Kachelofen. Ehemann Ferdinand Räbsamen ist auch schon da, er begleitet die beiden Frauen zur Antoniuskapelle.

Ein Versprechen führt zum Bau der Kapelle

Die Kapelle wurde vor 130 Jahren von einem Alois Fust gebaut. Mit dem Bau löste er ein Versprechen ein. Während Reparaturarbeiten an einem Kamin fiel er vom Dach und blieb völlig unverletzt. Heilfroh versprach er eine Kapelle zu bauen. Sie ist dem Heiligen Antonius gewidmet, der für das Wiederauffinden verlorener Gegenstände angerufen wird. Die Kapelle gehört nun schon lange der Familie von Agnes Räbsamen. Ihr Mann hat sie vor kurzem eigenhändig renoviert.

Ein inniges Ritual

Im Innern der Kapelle wird Fränzi Haller zur stillen Beobachterin. Agnes Räbsamen geht nach vorne zum Altar und zieht an einem dünnen Strick. Sie spricht ein Gebet während die kleine Glocke bimmelt. «Die Menschen auf dem Feld hören das Glöcklein heutzutage kaum mehr, weil sie mit Maschinen arbeiten», sagt sie mit leichtem Bedauern. Früher sei es schon vorgekommen, dass man beim Glockenklang für ein kurzes Gebet stillgestanden sei.

Ist Agnes Räbsamen einmal verhindert, übernimmt ihre Schwiegertochter das Glockenläuten. Natürlich könnte man das Glockenspiel auch elektrisch betreiben. Doch für die gläubige Frau kommt das nicht in Frage. «Dann wird nur noch geläutet und nicht mehr gebetet», meint sie und zieht für heute ein letztes Mal am Glockenstrick.

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