Bernhard Hollenstein stickt Motive für die Welt

Sein Beruf ist vom Aussterben bedroht. Daher ist Bernhard Hollenstein aus Mosnang einer der letzten Handsticker der Schweiz. Vielleicht ist sein Können gerade deshalb nach wie vor so gefragt. Noch heute erhält der 79-jährige Toggenburger Aufträge, die zum Teil sogar aus Übersee stammen.

Die Aufträge erreichen ihn bisweilen sogar aus dem fernen Amerika und natürlich von heimischen Trachtenvereinen und Jodlerklubs, die sich schöne Motive für ihre Trachten wünschen. Es ist nicht so, dass Hollenstein noch arbeiten müsste. Vielmehr bereitet ihm die Arbeit nach wie vor grosse Freude.

Es knattert und rattert, wenn man das alte mit Schindeln über und über bedeckte Haus in Mosnang betritt. Seit 300 Jahren steht es schon hier und ist seit einigen Generationen im Besitz der Familie Hollenstein.

Bernhard Hollenstein sitzt gerade wieder einmal an seiner Handstickmaschine und kreiert wunderschöne Blumenmotive. Hier ist auch die Ursache der Geräuschkulisse zu finden, die das ganze Haus erfüllt. Gross ablenken sollte man Hollenstein derweil nicht.

«  Ein Stich daneben, und alles muss wieder aufgetrennt werden. »

Bernhard Hollenstein

Schon als kleiner Bub schaute er seinem Vater bei der Arbeit über die Schulter. Auch dieser war bereits ein begehrter Toggenburger Sticker. Bernhard Hollensteins Talent als Sticker wurde schon mit14 Jahren entdeckt und gefördert.

Der Handsticker zeigt schwarzen Samtstoff, der mit vielen farbigen Blumen bestickt ist.

Bildlegende: Bernhard Hollenstein mit einer seiner kunstvollen Arbeiten. SRF/Alexandra Felder

Sein Weg führte ihn danach nach Sankt Gallen, wo er 40 Jahre lang als Disponent in einer Stickerei arbeitete. Als diese schliessen musste, kehrte Hollenstein nach Mosnang zurück und machte sich selbstständig.

Das Ostschweizer Stickerei-Mekka

Hollenstein erinnert sich daran, dass früher in der Ostschweiz 20‘000 Stickmaschinen im Einsatz waren. Allein in Mosnang standen deren 200 Maschinen. Mittlerweile ist er noch der einzige Mosnanger, der dieses Kunsthandwerk beherrscht. Gleich zwei Stickmaschinen sind in seinem Besitz

Computer-Konkurrenz

Was Handsticker dereinst in mühevoller Kleinarbeit erschufen, erledigen heute Computer. Bernhard Hollenstein gibt zu, dass auch die moderne Stickmethode wunderschöne Ergebnisse liefert. Was Computer allerdings nicht bewerkstelligen können, ist der persönliche Charakter, den ein Handsticker in sein Werk mit einfliessen lässt. Gerade das macht den mittlerweile 79-Jährigen auch im In- und Ausland so begehrt.

Hollenstein sitzt an seiner grossen Maschine und stickt ein Blumenmotiv.

Bildlegende: Die grosse Stickmaschine ist über 6 m lang und über 2 Tonnen schwer. SRF

Auch heute noch sitzt er täglich bis zu acht Stunden an der Stickmaschine.

Dass sein Berufszweig sehr wahrscheinlich aussterben wird, ist Hollenstein klar. Sein grosser Wunsch ist es jedoch, dass seine Nachkommen zumindest die Erinnerung an das Kunsthandwerk aufrecht erhalten werden. Hierfür hat er eigens ein kleines Museum im Dachstock seines schmucken Hauses errichtet.

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