Drei Vogelherzen schlagen für Sent

Man könnte meinen, es handle sich bei der Unterengadiner Gemeinde um ein Vogelreservat. Andauernd begegnet man in Sent den Begriffen prassels (Spatzen), randulins (Schwalben) und sturnels (Stare). Drei Vogelarten, welche die verschiedenen Bewohner, die das Dorf beleben, treffend umschreiben.

Als vor einigen hundert Jahren die Armut viele Schweizer ins Ausland trieb, wanderten viele Senter nach Italien aus. Dort fanden die meisten Arbeit als Zuckerbäcker, blieben Sent im Herzen aber immer treu. Oft kehrten diese randulins wie die Schwalben während einiger Monate wieder in ihre Heimat zurück und bauten hier gar prunkvolle Häuser mit italienischem Flair.

Antikes Bild einer Strassenszene in Genua mit Konditorei

Bildlegende: Bündner Konditorei Bazzel-Crastan in Genua: neben Gelati und Espresso gab es Schweizer Patisserie und Schokolade. zvg

Senter randulins finden sich heute vor allem in Triest, Genua, Florenz und sehr viele in La Spezia.

Ida Zislers Grosseltern waren ebenfalls Zuckerbäcker in La Spezia. Ihre Mutter lernte in Zürich einen jungen Unterengadiner kennen. In der Seele der heute 77-Jährigen schlummern demnach eine italienische, eine rätoromanische und eine deutschschweizer Seele.

Vor bald 20 Jahren entschied sie sich nach Sent zu ziehen und wurde zur sesshaften prassel (Spatz). Für die eigentlichen Einheimischen wiederum ist sie eher eine zugezogene sturnel (Star).

Das Dorf lebt erst dank all seinen Bewohnern

Man merkt es nur schon am Beispiel von Ida Zisler – eine Einteilung ist nicht so einfach. Sie selber will sich denn auch gar nicht wirklich festlegen. Viele Senter werden es ihr gleichtun.

Ida Zisler gründete 2008 einen Verein der sich speziell um die Belange der randulins kümmert. Fakt ist, dass die Gemeinde auf alle drei Typen angewiesen ist. Die Sesshaften beleben das Dorf direkt, die Ferienhausbesitzer halten die Infrastruktur im Gang und die heimatverbundenen Wiederkehrer setzen sich dafür ein, dass die Tradition aufrechterhalten wird.