Ella Fitzgerald: Bebop-Meisterin und Scat-Königin

Die Kritiker waren sich einig: Keine Sängerin in der Geschichte des Jazz hat die Stimme so virtuos behandelt wie Ella Fitzgerald. Sie begeisterte ihr Publikum mit ihrer klangvollen Drei-Oktaven-Stimme und dem breiten Repertoire – von Swing, Bebop und Blues bis hin zu den Songs der Popmusik.

Eine dunkelhäutige Frau mit hochgesteckter Frisur.

Bildlegende: Ella Fitzgerald im November 1946 im Alter von 29 Jahren. Wikipedia / William P. Gottlied

Musik und Tanz bestimmten schon früh das Leben von Ella Fitzgerald, die in ärmlichen Verhältnissen aufwuchs. Nachdem sie als Tänzerin an einem Talentwettbewerb wegen Lampenfiebers versagte, wandte sie sich voll und ganz der Musik zu.

«  Lass dich nicht von dem abbringen, was du unbedingt tun willst. Wenn Liebe und Inspiration vorhanden sind, kann es nicht schief gehen. »

Ella Fitzgerald

Als Sängerin im Orchester von Chick Webb feierte sie als 21-Jährige mit dem Kinderlied «A-Tisket, A-Tasket» ihren ersten Nummer 1-Hit. Ihr Scat-Gesang – gestalterische Improvisation mit Silben, Lauten und Wortfetzen – wurden schnell zu ihrem Markenzeichen.

Höhepunkte im Hinblick auf Musikalität, Gesangstechnik und Improvisationskunst waren in den 1940er-Jahren Ella Fitzgeralds Bebop-Aufnahmen «Lady be good», «Flying home» oder «How high the moon». Ein Jahrzehnt später wurde die Sängerin vor allem als Balladen- und Liedinterpretin geschätzt.

Schwarz-Weiss-Fotografie von Sänger und Sängerin während eines Konzerts.

Bildlegende: Louis Armstrong und Ella Fitzgerald 1971 bei einem Konzert in New York City. Keystone

«First Lady of Jazz» und Altmeister

Ella Fitzgerald musizierte mit allen Meistern des Jazz: Louis Armstrong, Count Basie, Duke Ellington, Benny Goodman, Oscar Peterson oder Tommy Flanagan. Sie machte alle Wandlungen des Jazz mit und unternahm auch gerne Ausflüge in die Welt der Popmusik und des Musicals.

Ihre zahlreichen «Great American Songbook»-Einspielungen von Komponisten wie George und Ira Gershwin, Harald Arlen, Cole Porter oder Duke Ellington setzen bis heute Massstäbe.

Unerschöpfliche Leidenschaft

Obwohl gesundheitlich angeschlagen, unternahm Ella Fitzgerald bis drei Jahre vor ihrem Tod noch Konzertreisen im In- und Ausland. Am 15. Juni 1996 starb sie im Alter von 78 Jahren in Beverly Hills. Zwei Tage später brachte die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» in einem Nachruf ihr Wirken, Schaffen sowie ihr Charisma auf den Punkt:

«Ella Fitzgerald versprühte bei ihren Auftritten eine gerade entfesselte Musizierlust. Die rasanten Tempi, der ansteckende Swing, die sichere Intonation, die Equilibristik der Intervallsprünge, das phantastische Improvisationsvermögen, der Witz der spontanen Reaktionen – die Konzerte waren Festakte des Lebensbejahung, bewusst angerichtet auch, denn Ella wollte immer und unbedingt dem Publikum gefallen und es keineswegs erziehen.»

«Pure Love»

Zum 100. Geburtstag von Ella Fitzgerald zeigte das Schweizer Fernsehen letzten Sonntag den Film «Pure Love – die Stimme von Ella Fitzgerald». Er versucht das Geheimnis zu enträtseln, wie die «First Lady of Jazz» mit ihrer Stimme über Jahrzehnte die Menschen so tief berühren konnte.

Video «Pure Love - Die Stimme von Ella Fitzgerald» abspielen

Pure Love - Die Stimme von Ella Fitzgerald

53 min, aus Sternstunde Musik vom 23.4.2017

Nebst zahlreichem Archivmaterial kommen Sängerinnen wie Dianne Reeves oder Dee Dee Bridgewater, die Schlagzeugerin Terri Lyne Carrington, die Geigerin Regina Carter oder der berühmte Jazzkritiker Will Friedwald zu Wort.

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