Harry Belafonte: «Schwarze Kunst war immer verschlüsselt»

«Daaay-Ooo» singt Harry Belafonte am Anfang des Calypso-Hits «Banana Boat Song». Mit einem fröhlichen «Daaay-Ooo» stimmt jeder mit ein, wenn dieses Lied erklingt. Dass hinter jamaikanischen Volksliedern wie diesem manchmal auch ein leiser Aufschrei gegen Sklaverei steckt, ist kaum jemandem bewusst.

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«Sing Your Song»: Harry Belafonte über seine Filmbiografie

4:42 min, vom 13.3.2011

Alle Songs seien politisch, sagte Harry Belafonte einst in einem Interview. Das gilt auch für «Banana Boat Song». Das Lied verhalf dem amerikanischen Entertainer Mitte der 1950er-Jahre zum Durchbruch und wurde ein Jahrzehnt später zur Hymne der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung.

Verschlüsselte Kunst

Der im New Yorker Stadtteil Harlem geborene Harry Belafonte lebte als Kind ein paar Jahre bei Verwandten auf Jamaica. Dort beobachtete er, wie schwarze karibische Arbeiter Boote mit Bananen beluden und dabei jamaikanische Volkslieder wie «Banana Boat Song» sangen.

In diesen meist heiter anmutenden Liedern steckt nicht selten ein subtiler Aufschrei gegen Sklaverei. «So haben meine Vorfahren eben ihren Protest verpackt. Schwarze Kunst war immer verschlüsselt», so Belafonte.

Die «Banana Boat Song»-Melodie weckt Ferienträume. so dass man beinahe überhört, dass hier ein Plantagenarbeiter auch von harter, unterbezahlter, gefährlicher Arbeit singt.

  • Daylight come and me wan' go home
    Nach einer anstrengenden Nachtschicht wünscht er sich bei Tagesanbruch nichts sehnlicher als endlich nach Hause gehen zu dürfen.
  • Work all night on a drink of rum
    Sein Tageslohn reicht gerade mal für einen Schluck Rum.
  • A beautiful bunch o' ripe banana hide the deadly black tarantula
    In der schönsten Bananenstaude verbirgt sich womöglich eine tödlich-schwarze Tarantel.
Belafonte als junger Mann: Auf einer schwarz-weiss Fotographie hält Belafonte tanzend die Hände vor dem Körper.

Bildlegende: Der US-amerikanische Sänger Harry Belafonte auf einem Archivbild im Februar 1957. Keystone

Für Gerechtigkeit in der Welt

Schwarze seien glücklich und fröhlich in ihrer Armut: Dieses Mitte des letzten Jahrhunderts unter Weissen vorherrschende Klischee wollte Belafonte korrigieren.

«Banana Boat Song» ist ein kleines Beispiel unter vielen grossen für das lebenslange Bestreben des 90-Jährigen die Wahrheit aufzuzeigen. «Jeder Tag soll irgend etwas dazu beitragen, die Ungerechtigkeit in der Welt zu bekämpfen», habe seine Mutter ihm geraten.

Deshalb stellte Harry Belafonte sein Wirken stets in den Dienst der Gerechtigkeit, sei es als Schauspieler, Sänger, politischer Aktivist oder durch soziales Engagement. An der Seite von Martin Luther King Jr. kämpfte er für schwarze Bürgerrechte in den USA, mit Nelson Mandela gegen die Apartheid in Südafrika und als UNICEF-Botschafter für Kinder auf Haiti und im Sudan.

«We Are The World»

Eine der medienwirksamsten Aktionen Belafontes war 1988 das Benefizprojekt «We Are The World». Der Song wurde von Michael Jackson und Lionel Richie geschrieben und von Quincy Jones produziert.

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Ausschnitt «We Are The World»

1:41 min, vom 31.1.2013

Er brachte Stars wie Stevie Wonder, Tina Turner, Paul Simon, Bruce Springsteen oder Bob Dylan gemeinsam ins Studio und ging auf der ganzen Welt zeitgleich auf Sendung. Das Projekt generierte Millionen von Dollar für die Opfer der Dürrekatastrophe in Äthiopien.

Zum 90. eine ganze Bibliothek

Am 1. März 2017 feiert der stets fröhliche und ungebrochen kämpferische Harry Belafonte den 90. Geburtstag. Das grösste Geschenk kommt von seiner Heimatstadt New York: In Harlem wird eine ganze Stadtteil-Bibliothek künftig seinen Namen tragen.

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