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Radio SRF Musikwelle Die quirlige Solojodlerin von Zürich-Höngg

Wenn man von einem Höngger-Original sprechen kann, dann gewiss von Luise Beerli. Sie kennt das Quartier noch von der Zeit her, als sich hier Fuchs und Hase gute Nacht sagten. Als Jodlerin schenkte sie ihrem Stadtteil eine eigene Hymne und hat auch mit 75 noch immer den Kopf voller Pläne.

Freundlich lächelnde Dame.
Legende: Als Höngger-Original fühlt sich Luise Beerli wohl. SRF

Ein typisches Stadtkind ist sie nicht, auch wenn sie in Zürich-Höngg aufwuchs. Luise Beerlis Eltern führten hier einen Bauernhof, obschon man sich das in der dicht besiedelten Gegend heutzutage kaum mehr vorstellen kann. Anstatt mit Puppen zu spielen, zog es Luise Beerli vor, mit dem elterlichen Traktor herumzukurven – daher auch ihr Übername «Traktor-Beerli».

Als Höngger Original hat sie ihrem geliebten Quartier gleich selber ein Denkmal gesetzt. Ihr Jodellied «In Höngg isch öppis los» kann man durchaus als Stadtkreishymne bezeichnen. Sie besingt darin eine Dorfidylle, die so mittlerweile wohl überholt ist. «Stimmt so nicht ganz», meint Beerli dazu,«Wir haben zum Beispiel noch das Wümmetfest!» Ihre Eltern waren es, die in den 1960er-Jahren zeitgleich mit dem Bau der ETH einige Mietshäuser errichteten. Diese verwaltet Beerli mittlerweile und betreut gleichzeitig den Garten.

Gesangstalent der Tiefgarage

Ihre Liebe zum Jodeln entdeckte sie Mitte 20 – genauer gesagt wurde sie entdeckt, und zwar in der Urania-Tiefgarage. Dort arbeitete sie, parkte Autos der Dauermieter und wurde durch die fantastische Akustik jeweils zum Singen animiert – natürlich ohne Hintergedanken. Ihr Talent blieb allerdings nicht unbemerkt. Als sie eines Tages, wie so oft, nach Dienstschluss ins Unterhaltungslokal «Du Théâtre» neben dem Operhaus ging, bot sie der dortige Chef ganz unvorbereitet auf, doch ein Ständchen zu bringen. Insgeheim hatte er sie nämlich schon öfters in der Tiefgarage singen hören. Von da an nahm alles seinen Lauf. Später war Beerli 15 Jahre lang Solojodlerin der Kapelle Bär.

Ruheloses Rentnerleben

Bei Alex Eugster nahm sie Gesangsunterricht. Er schrieb ihr zu Ehren zusammen mit Charles Lewinsky sogar den Titel «Rentnerleben» und nahm es mit Beerli im Duett auf. Am 25. Februar 2017 konnte die aufgestellte Zürcherin ihren 75. Geburtstag feiern und quillt vor lauter Lebensenergie regelrecht über. Stillstand gibt es nicht für Beerli und so schaut sie schon voller Spannung in die Zukunft. So tritt sie nach wie vor in kleineren Konzerten in Altersheimen oder bei Gesellschaften auf. Besonders freut sie sich aber auf April 2018, wo sie dank Einladung der Zunft Höngg am Zürcher Sechseleuten teilnehmen darf.