«Direttissima Schweiz» im Sommer 1983

Im Sommer 1983 durchquerte eine Gruppe von Alpinisten die Schweiz auf geradem Weg von West nach Ost. «Direttissima Schweiz – Abenteuer auf dem Kilometer 160» hiess das denkwürdige Ereignis. Dank täglicher Radiosendungen wurden zahlreiche Unbeteiligte in den Bann des Marsches gezogen.

Impressionen von 1983 von der «Direttissima Schweiz».

Vier Alpinisten haben den Weg quer durch die Schweiz unter ihre Füsse genommen: Bergfotograf Markus Liechti, Lehrer und Naturfreund Daniel Bähler, Bergführer Kurt Saurer und Kältetechniker Toni Steiner (war nur auf einer Etappe mit dabei).

Porträtbilder in schwarzweiss von Toni Steiner, Daniel Bähler, Kurt Saurer und Markus Liechti.

Bildlegende: Toni Steiner, Daniel Bähler, Kurt Saurer, Markus Liechti. zvg

Startpunkt im Westen war der Grenzstein 183 beim Lac de Joux, das Ziel im Osten der Cima piccola di Tarres auf dem Stilfserjoch. Die Luftlinie zwischen Start und Ziel beträgt 333 Kilometer, die effektive Weglänge 402 Kilometer. Während 23 Tagen überwanden die vier Bergsteiger rund 41‘000 Höhenmeter.

West-Ost statt Nord-Süd

«Die Idee zur ‚Direttissima Schweiz‘ kam eigentlich per Post», schreibt Markus Liechti später in seinem Buch zum Abenteuer. In der Zeitschrift des Schweizer Alpen Clubs (SAC) habe er einen Bericht darüber gelesen, wie die Jugendorganisation der Sektion Winterthur die Schweiz zu Fuss von Nord nach Süd durchquert habe. Diese Leistung habe ihn beeindruckt.

Die längste Linie quer durch die Schweiz

Ein paar Tage später streiften seine Augen auf der Schweizerkarte ein paar andere gerade Linien und er erkannte, wie vielfältig eine solche Wanderung sein könnte: Verschiedene Landschaften, unterschiedliche Siedlungsformen, Flachland, Hochgebirge und alles andere dazwischen. Da sei es um ihn geschehen gewesen und das Direttissima-Fieber habe ihn schleichend und ganz hinterlistig befallen. Er verbrachte Stunden damit, irgendwelche Linien auf der Karte zu verfolgen bis ihm eine eines Tages ins Auge stach: Die längste Linie in der Schweiz! Das Projekt «Direttissima Schweiz» nahm Gestalt an und Markus Liechti konnte drei weitere Bergkameraden dafür begeistern.

Das Unterfangen versprach vielseitige Abwechslung, soviel war klar. Für die Teilnehmer würde es ein grossartiges , einmaliges Erlebnis werden. Aber mit Sicherheit wären auch nicht direkt Beteiligte an diesem Abenteuer interessiert. Dieser Gedanke bewegte Markus Liechti dazu, im Radio-Studio Bern vorzusprechen.

«Direttissima Schweiz» wird zum Radio-Sommerprojekt

Aus der ursprünglichen Idee, ein paar Beiträge zur «Direttissima Schweiz» im «Rendez-vous am Mittag» zu senden, entwickelte sich mit der Zeit ein journalistisches Grossprojekt. Das Ganze sollte als Sommeraktion gestaltet werden, mit vielen Rahmensendungen und täglicher Berichterstattung im «Morgen-Journal», «Rendez-vous am Mittag» und im «Tandem» sowie im «Vorwiegend heiter» am Sonntag und im «Sport». Dabei sollte auch die einheimische Bevölkerung zu Wort kommen. Im Radio-Studio Bern nahmen sich Roland Jeanneret und Peter Marthaler des Projekts an, unterstützt durch die Techniker, die die Übertragungen von unterwegs irgendwie ermöglichen mussten.

Während im Radio-Studio Bern alle Details der Sommeraktion besprochen wurden und die Planung immer konkretere Formen annahm, beschäftigten sich die Bergleute intensiv mit dem bevorstehenden Abenteuer: Route an gewissen Stellen inspizieren, Ausrüstung zusammenstellen, unterwegs Depots anlegen, Proviant einteilen und vieles, vieles mehr.

Schwarz-Weiss Foto von Markus Liechti und Kurt Saurer, die von ein paar Buben aufmerksam beobachtet werden.

Bildlegende: Markus Liechti und Kurt Saurer: Immer weiter, weiter, weiter, auch wenn man umfallen und das Ganze vergessen möchte. zvg

Jetzt gehts los!

Dann, am 3. Juli 1983, um 06.00 Uhr war es soweit: Am Grenzstein 183 starteten die Alpinisten unter dem Motto «Direttissima Schweiz – Abenteuer auf dem Kilometer 160» zur Wanderung quer durch die Schweiz, von West nach Ost. 23 Tage später wurden sie in Val Müstair am Ziel feierlich willkommen geheissen.

Die Deutschweizer Bevölkerung «läuft» mit

Dank der Sommeraktion vom Radio-Studio Bern war das Publikum zu Hause oder im Büro hautnah dabei als die vier Alpinisten die Schweiz durchquerten. Das Echo auf die täglichen Sendungen zur «Direttissima Schweiz» war phänomenal, Tausende von Hörerbriefen mit wohlwollenden Worten und guten Wünschen trafen im Studio ein. Die Nachfrage nach Kartenauszügen und Höhenprofilen war derart gross, dass man im Eigendruck weitere Höhenprofile zur Abgabe herstellte. Dass «etwas Verrücktes» im eigenen Land stattfindet, hat den Nerv des Radiopublikums offenbar voll getroffen.

«Direttissima» im Sinerzyt

Roland Jeanneret und zwei andere Mitarbeiter der Radio-Equipe bereiten sich aufs nächste Interview vor.

Roland Jeanneret während der «Direttissima» 1983. zvg

Roland Jeanneret erinnert sich an die Sommeraktion «Direttissima Schweiz – Abenteuer auf dem Kilometer 160». Jeden Dienstag teilt er ein paar seiner Erinnerungen im «Sinerzyt» um 09.40 Uhr auf SRF Musikwelle.

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