Erinnerungen an die Expo 64

Am 30. April 1964 öffnete die Expo 64 in Lausanne ihre Tore. Mit Perlen aus dem Fernseh- und Radioarchiv sowie persönlichen Erlebnissen erinnert sich SRF Musikwelle an die fünfte Schweizerische Landesausstellung.

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Auftakt zur Expo 64

6:18 min, vom 8.5.1964

Ein Besuch der Schweizerischen Landesausstellung Expo 64 in Lausanne war ein Erlebnis, an das sich viele bis heute noch gerne erinnern. SRF Musikwelle-Moderator Jörg Stoller schreibt in seinem persönlichen Erlebnisbericht:

Porträt von Jörg Stoller im blau-weiss gestreiften Hemd.

Bildlegende: Für Jörg Stoller stand 1964 der Besuch der Schweizerischen Landesausstellung auf dem Schulreise-Programm. SRF

«Ich ging damals noch in die Schule und das Schulreise-Ziel war klar: Expo 64 in Lausanne. Schon die Reise mit der Bahn aus dem Bernbiet Richtung Genfersee war ein Abenteuer. Das Rucksäckli mit dem Proviant wurde schon im Zug ein erstes Mal geöffnet: Cervelat, Brot, Studentenfutter und ein Apfel. Mmmhh, fein! Angekommen auf dem Expo-Gelände in Lausanne, erste beeindruckende Gebäude. Den stachligen Pavillon <Wehrhafte Schweiz> besuchten wir als Erstes. Bei der Filmvorführung wurde mir allerdings fast schwindelig, so viele Bilder stürmten auf mich ein.

Dann das Unterseeboot <Mésoscaphe> von Jacques Piccard. Leider durften wir damit nicht fahren, das wäre zu teuer gewesen. Beeindruckend auch die Eisenplastik <Heureka> von Jean Tinguely oder die Fahnen-Pyramide mit den Schweizer Gemeindewappen. Die Suche nach dem Wappen unseres Wohnortes Belp dauerte lange. Schliesslich ein weiterer Höhepunkt: Den Rest aus dem Rucksäckli auspacken und mampfen... auf der überlangen Sitzbank vor dem <Wehrhafte-Schweiz> Pavillon.»

Erlebnisberichte

Schwarz-Weiss Fotografie mit zwei Buben, die neben den Füssen des Riesen Gulliver stehen.

Bildlegende: Heiri Mächler aus Rüti ZH hat uns diese historische Aufnahme von der Expo 64 geschickt. zvg

Hörerinnen und Hörer von SRF Musikwelle berichten zum 50. Jahrestag der Expo 64 laufend von ihren Erlebnissen an der Schweizerischen Landesausstellung 1964 in Lausanne. Alle zu veröffentlichen, würde den Rahmen sprengen. Deshalb gibt es hier eine Auswahl von Erlebnisberichten, die mit Sicherheit wiederum eigene persönliche Erinnerungen wecken.

B. B. aus Stalden
Ich erinnere mich noch genau an den Wettbewerb der unter den Schülern der Oberstufe der ganzen Schweiz ausgeschrieben wurde. Thema: etwas Typisches aus dem eigenen Kanton darzustellen. Mit zwei Kollegen entschieden wir uns für das Thema «An Heiligen Wassern». Mit grossem Eifer modellierten wir eine Gebirgslandschaft mit Suonen, Kännel, Ganglatten usw. Als wir vernahmen, dass unser Modell für die Expo ausgewählt wurde, waren wir mächtig stolz. Der Preis von je Fr. 100.- in Form eines Gutscheines der örtlichen Buchhandlung steht noch heute auf dem Büchergestell.

U. G. aus Stettfurt
Ich war im 3. Lehrjahr bei Sulzer und hatte das Glück, dass wir mit dem Gewerbeschullehrer die Expo besuchen durften. Als Maschinenzeichner-Lehrling war ich fasziniert von der Gasturbine, die dort ausgestellt war. Ich war überwältigt vom Monorail und dem ganzen Treiben dieser Ausstellung. Als Briefmarkensammler blieben mir die Sonderbriefmarken zur Expo noch in bester Erinnerung. Kaum zu glauben, dass dies bereits 50 Jahre her ist.

T. Z. aus Gerlafingen
Ich ging mit meinen Eltern und einer Bekannten an die Expo 64. Vor dem Eingang öffnete sich plötzlich ein Fenster seitlich von uns und zwei Herren fragten uns auf französisch, ob sie von so hübschen «jeunes filles» (23-jährig) ein Foto machen dürfen. Ganz klar, denn wir waren eh guter Laune und amüsierten uns darüber. Welch ein Start ins Vergnügen. Die Expo selber war sehr eindrücklich und es gab viel zu bestaunen, besonders Heureka war ein lautes Unikum.

A. O. aus Ecublens
Am Baslertag durfte ich mit 100 Tambouren nach Lausanne fahren. Ich war damals 17 Jahre alt und trank noch keinen Alkohol. Im Zug zurück nach Basel gabs aber nur Bier, ich verdurstete fast! Hab aber bis heute alles nachgeholt.

E. K. aus Thurgau
Wir fuhren mit dem Auto von Zürich nach Lausanne an die Expo. Ich war 6,5 Jahre alt, meine Geschwister 11 und 13. Ich musste an der Expo in das «Kinderparadies», wurde in braune Latzhosen gesteckt und meinte, dass meine Familie mich nie mehr mitnehmen wird. Ich hatte soooo Angst, dass ich immer da bleiben müsste... und alle redeten französisch mit mir. Ich spüre diese kindliche Not noch immer. Zum Glück holte mich meine Familie nach ihrem Messebesuch wieder ab.

S. Z. aus Luzern
Ich absolvierte damals als 15-Jährige in Lausanne das Welschlandjahr und verbrachte jede Woche meinen freien Nachmittag im Gelände der Expo. Die unvergesslichste Erinnerung ist für mich der Tag, an dem der Kanton Luzern Gastkanton an der Expo war, ich am Strassenrand den wunderschönen Umzug bestaunte und viele bekannte Gesichter erkannte. Am meisten freute ich mich über das Wiedersehen mit meinem ersten Schulschatz, der in der Bürgermusik Luzern am Umzug mitmarschierte.

E. R. aus Weggis
Ich durfte 1964 anlässlich des Tages der Landwirtschaft in Tracht, mit Hund und Milchkarren an einem grossen Umzug teilnehmen! Ich war damals 14-jährig, und der Anlass war deshalb äusserst spannend. Ich erinnere mich auch heute noch gerne daran zurück!

G. H. aus Widen
Wir wohnten damals in Ghana und hatten als Auslandschweizer eine Einladung zum Besuch der Expo erhalten. Wir waren gerade im «home leave» und benutzten die Gelegenheit zu einem Besuch. Es waren die folgenden drei Themen die uns besonders beeindruckten:

  1. Thema «Problem Wasserverschmutzung» und den damit verbundenen dringenden Appell zum Ergreifen nützlicher und nachhaltiger Massnahmen.
  2. Thema Familie: Hier wurde eindrücklich gezeigt wie die «moderne» Familie keinen Zeit mehr für Gemeinsamkeiten, Ideenverwirklichung und Gespräche mehr hat. Jeder ging seinen eigenen Weg. Besonders beeindruckend war im Film zu sehen wie eine Familien einen Sonntag-Autoausflug machte und dabei jeder seinen eigenen Gedanken nachging. Mit dem mitfahrenden Kind wie auch zwischen den Eltern wurde kein Wort ausgetauscht. Absolute tote Hose.... (Haben wir leider auch heute).
  3. Der Armeefilm: Der schweizerische Botschafter in Lagos, Nigeria, wohin wir transferiert worden waren, beschaffte dieses martialische Filmdokument für eine 1. August Feier im Garten seiner Residenz. Der laute Schiesslärm im Film liess nigerianische Sicherheitskräfte und Polizei einen bewaffneten Überfall auf Botschafterresidenz vermuten und so rückten sie mit einem entsprechenden Polizeiaufgebot an. Nur mit Mühe konnte sie der Botschafter von der Harmlosigkeit der 1. August-Feier überzeugen und zum Abzug bewegen.

M. F. aus Reiden
An was ich mich am meisten erinnere ist die Fahrt an die Expo. Ich arbeitete als junge Frau in der Ringier Zofingen. Die ganze Belegschaft konnte damals mit Extrazügen an die Expo fahren. Die Fahrt versüsste uns die Firmamusik, und das war damals der noch unbekannte Beni Rehmann mit seinen gleichgesinnten Freunden. Das ist bis heute meine beste Erinnerung, die ganzen Jahrzehnte hindurch.

A. H. aus Riehen
Wir durften als Zehnjährige eine Schulreise vom damals kleinen solothurnischen Bauern- und Kleingewerblerdorf Egerkingen nach Lausanne an die Expo machen. Für mich war schon die lange Zugreise mit dem Schnellzug dorthin ein erstes tolles Erlebnis gewesen. Mir ist der Riese Gulliver vor allem in Erinnerung geblieben. Denn kaum waren wir auf dem Expo-Areal, fehlte ein Mitschüler! Nach kurzer Suche des Lehrers fand er ihn; er stand staunend vor dem Riesen Gulliver. Ab diesem Moment mussten wir uns während dem ganzen Rundgang die Hand geben, was vor allem uns Buben nicht so Spass machte.

E. W. aus Wald
Ich habe eine lustige Erinnerung an die Expo. Ich war damals als 17-Jährige in Freiburg in einen Haushalt-Lehrjahr, da besuchte mich meine ältere Schwester aus dem Toggenburg. Wir ginge zusammen an die Expo, als wir am Genferse ein grosses Schiff sahen fragte meine Schwester: «Kommt das Schiff aus Amerika?». Ich musste damals so lachen, dass ich das nie vergessen werde.

«Einstein»-Spezial

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