Hilfsmittel zum besseren Hören und Verstehen

Hören Sie das Zwitschern der Vögel? Können sie Gesprächen in lärmiger Umgebung folgen? Falls nicht, gehören Sie zu dem Drittel älterer Menschen, die nicht mehr gut hören. Ein Hörtest am Telefon gibt Auskunft, wie es tatsächlich um Ihr Hörvermögen steht.

Ohr eines alten Menschen, der ein Hörgerät trägt.

Bildlegende: An Hörgeräte als nützliche Helfer muss man sich erst gewöhnen. Colourbox

Trotz schwächerem Hörvermögen fällt vielen Menschen der Gang zum Arzt schwer. Deshalb bietet Pro Audito Schweiz, der Dachverband für Menschen mit Hörproblemen, einen telefonischen Hörtest an.

Eine männliche Computerstimme nimmt ihren Anruf entgegen und verlangt ein paar Angaben, die über die Nummerntaste eingegeben werden. Danach führt eine weibliche Computerstimme Schritt für Schritt durch den Test.

Gut hören trotz Nebengeräuschen

Pro Durchgang werden drei Ziffern genannt, unterlegt mit mehr oder weniger starken Hintergrundgeräuschen. Die Aufgabe besteht nun darin, die Ziffern mit den Nummerntasten zu bestätigen. Danach wird der Test umgehend ausgewertet. Je nachdem wie das Resultat ausfällt, folgt eine Empfehlung für einen Arztbesuch.

«Der Test ist verlässlich», sagt Claudia Bisagno vom Pro Audito Schweiz. «Natürlich können wir das Ergebnis nicht so differenziert auswerten wie ein Ohrenarzt oder Akustiker, aber nötigenfalls können wir zumindest empfehlen, das Gehör vertieft abklären zu lassen.»

Besser hören = mehr Lebensqualität

Erfahrungsgemäss warten Menschen trotz Hörverlust zu lange, bis sie sich mit der Möglichkeit eines Hörgeräts auseinandersetzen. Je länger man damit aber zuwartet, desto unangenehmer ist später das Tragen einer Hörhilfe. Denn das Gehirn verlernt, Geräusche richtig zu verarbeiten.

Der Verzicht auf eine Hörhilfe kann ausserdem fatale Folgen haben. Da der schlecht Hörende nur noch Bruchteile von Gesprächen und Diskussionen mitbekommt, zieht er sich immer mehr zurück. Es droht die Gefahr der sozialen Isolation. Ausserdem wird mit dem Hörverlust auch das natürliche Alarmsystem geschwächt, das uns vor Gefahren wie zum Beispiel herannahenden Fahrzeugen warnt.

Geduld ist gefragt auf dem Weg zum besseren Hören

Ein Hörgerät löst nicht alle Probleme, es ist als Unterstützung zu verstehen. Ersetzen kann es das hochsensible Wunderwerk Gehör nicht vollumfänglich. Genauso wie früher wird man nicht hören können, aber immerhin wesentlich besser als ohne Hörgerät.

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Hörgeräte – was können die kleinen Geräte, wann machen sie Sinn?

18 min, aus Puls vom 9.11.2015

Wer eine Hörhilfe nutzen will, braucht zu Beginn viel Geduld mit sich und dem Gerät. Der Kaufprozess kann länger dauern als erwartet, bis man nach mehreren Versuchen das optimale Gerät für sich gefunden hat.

Geräusche und Töne wieder entdecken und neu akzeptieren

Danach muss man sich zuerst wieder an all die Geräusche gewöhnen, die sich mit dem Hörverlust aus dem Alltag verabschiedet haben. Das Einräumen einer Geschirrspülmaschine oder das Rascheln einer Zeitung kann einem übermässig laut und störend vorkommen. Doch die anfängliche Leidenszeit lohnt sich, denn sie macht den Weg frei für eine neue und doch so vertraute Lebensqualität.

Trainings für besseres Verstehen

Das Gehör lässt sich trainieren. Falls noch keine Schwerhörigkeit vorliegt, hilft beispielsweise das Lesen von Hörbüchern. Ist das Gehör stärker beeinträchtigt, bietet eine grosse Palette unterschiedlicher Apps Trainingsmöglichkeiten. Hier hat man allerdings die Qual der Wahl und ist bei den Übungen auf sich alleine gestellt.

Wer sich Unterstützung und ein auf sich und das eigene Hörvermögen abgestecktes Programm wünscht, erhält beim Akustiker Hilfe durch gezielte Hörtrainings. Noch einen Schritt weiter gehen sogenannte Verständigungstrainings. Man ist Teil einer Gruppe und hat die Möglichkeit persönliche Erfahrungen auszutauschen. Ausgebildete Lehrpersonen zeigen auf, wie das Gehörte besser verstanden werden kann. Die Kursteilnehmenden lernen zum Beispiel, wie man von den Lippen abliest. Ausserdem wird das Gehirn geschult, damit es aus lückenhaft Verstandenem das Richtige kombinieren kann.

Ein Piktogramm mit einem Ohr als Symbol.

Bildlegende: Das T weist auf eine induktive Höranlage hin (Infrarot = IR, Funk = FM). zvg

Die T-Spule in Hörsystemen

Ein Segen für Menschen mit Hörproblemen ist die sogenannte Telefon-Spule. Die T-Spule ist ein kleiner feiner Draht, der ins Hörgerät eingebaut wird. Er ermöglicht den direkten Empfang von einer Audioquelle wie Telefon oder Höranlage. Dabei fallen die oft störenden Nebengeräusche weg.

Seitengespräche, Husten, Geräusche von Geräteventilatoren oder Verkehrslärm wirken sich enorm störend auf die Verständlichkeit von Sprache aus.

Das intakte Gehör kann erstaunlich viele Störgeräusche wegfiltern. Das geschädigte Gehör ist dazu nicht mehr fähig. Induktive Höranlagen sorgen dafür, dass der Schall des Sprechers direkt in die Hörsysteme übertragen wird und die Störgeräusche aussen vor lässt.

Drei gängige Technologien bei Höranlagen

Induktive Höranlagen
Induktive Höranlagen übertragen das Sprachsignal über ein Magnetfeld in Sprechfrequenz. Im Hörgerät ist eine Empfangsspule (die sog. Telefon- oder Induktionsspule) eingebaut, die das Magnetsignal aufnimmt. Diese Übertragungsart funktioniert auch beim Telefonieren mit dazu geeigneten Telefonapparaten.
Infrarot-AnlagenInfrarot-Anlagen übertragen das Sprachsignal über unsichtbares Licht im Infrarotbereich. Hörgerätetragende benötigen spezielle Empfangsgeräte, damit sie ohne Kopfhörer hören können.
FM-Anlagen (Funk)Höranlagen dieser Technologie übertragen das Sprachsignal über Funk. Hörgerätetragende benötigen einen im Hörgerät ein- oder angebauten Funkempfänger oder spezielle Empfangsgeräte, um ohne Kopfhörer hören zu können.

Verzeichnis der Höranlagen in der Schweiz

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