«Lebensgeschichte» Irma Honsberger

Die Wohnungen waren zweckmässig eingerichtet. Die Waschküche befand sich draussen vor der Tür. Fliessend warmes Wasser wäre Luxus gewesen in der Gugelmann-Siedlung in Bern-Felsenau der Dreissiger-Jahre. Aber Irma Honsberger verknüpft gerade mit dieser Zeit schöne Erinnerungen an ihre Kindheit.

Wenn Irma Hornsberger davon erzählt, wie sie mit ihren Gschpändli auf dem Hof Murmeln oder mit dem Bäbi spielte, dann strahlen ihre Augen noch heute. Sie erlebte die Gugelmann-Siedlung zu ihren Blütezeiten, als die Spinnerei Felsenau noch in Betrieb war.

Wenn abends die Kinder im Spiel vertieft waren, musste Irma immer als Erste nach Hause. Ihr Vater war Nachtwächter und die Mutter bestand darauf, dass die beiden sich wenigsten vor seinem Dienstantritt noch sehen können.

Ausgezeichnete schulische Leistungen

Irmas Mutter wiederum war gesundheitlich angeschlagen und musste umsorgt werden – eine Aufgabe, die für Irma nicht nur einfach war. Dennoch, Irma Honsberger war zuversichtlich und zeigte gute Leistungen in der Schule. Sie war so gut, dass sie einmal den Osiris-Preis erhielt. Diese Auszeichnung wird Schülerinnen und Schülern der obersten Realklassen (9. Schuljahr) der Stadt Bern verliehen, die sich während der Schulzeit durch ihr Verhalten, ihren Bildungswillen und ihre Leistungen besonders ausgezeichnet haben.

Arbeit im Reformhaus

Irma Hornsberger ist eine stille und eher zurückhaltende Person. Eine Charaktereigenschaft, die schon ihr ganzes Leben prägte. Am liebsten hätte sie nach ihrer Primarschulzeit einen Beruf ergriffen, bei dem man möglichst selbständig arbeiten kann. Trotzdem nahm sie – ein wenig widerwillig – eine Lehrstelle in einer Drogerie an.

In Zürich arbeitete sie in einem Reformhaus und konnte daraufhin kurze Zeit als Telefondame einer Armaturenfabrik in Biel arbeiten. Nach drei Jahren musste sie krankheitshalber zurücktreten, obschon ihr diese Arbeit sehr gut gefiel.

Mittlerweile verbringt Irma Hornsberger ihren Lebensabend im Altersheim Lyss-Busswil. Freude bereiten ihr vor allem die Besuche ihrer zwei Nichten.

Spinnerei Felsenau

Spinnerei Felsenau

  • 1864 Produktionsaufnahme Spinnerei Felsenau
  • 1866-1868 Gründung Arbeitersiedlung Felsenau
  • 1975 Schliessung der Spinnerei
  • 1979 Stadt Bern kauft das Areal und gründet einen Gewerbepark
  • 1985 Baurecht der ehemaligen Arbeiterhäuser geht an die Mieter über

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