Paul Ackermann wurde die Bezirksschule verwehrt

Mit der Zeit konnte sein Vater nur noch vom Bett auf den Stuhl und vom Stuhl ins Bett, das war alles – er litt an Multipler Sklerose. Für den kleinen Paul Ackermann aus Grenchen hiess das, dass er und seine Familie zurückstecken mussten.

Zum ersten Mal bemerkte Paul, dass mit seinem Vater etwas nicht stimmt, als sie seine Schwester auf den Zug begleiteten. Damals zog dieser seinen Fuss so komisch nach. Nachdem ihm der Arzt schliesslich Multiple Sklerose diagnostiziert hatte, stöhnte der Vater auf: «S’gschidschte wär, ich würd mich grad erschiesse!» Soweit kam es nicht. Seine Arbeit in der Uhrenindustrie musste er aber alsbald aufgeben. Hinzu kam die Wirtschaftskrise, die die Familie zusätzlich belastete. Die Mutter musste fortan arbeiten gehen.

Lehre gelingt doch noch

Die Aufnahmeprüfung für die Bezirksschule konnte sich Paul deshalb abschreiben. Sogar sein Primarlehrer meinte höhnisch: «Dein Vater hat eh kein Geld!» Als Hilfsarbeiter war er vorerst in einer Rohrwerkfabrik angestellt. Der Wunsch den Beruf des Polymechanikers zu erlernen wuchs in ihm. Irgendwie schaffte es die Mutter das nötige Kleingeld zusammen zu kramen und ihm diese Lehre zu ermöglichen. Diesen Beruf sollte er bis zur Pension ausüben und es lag ihm auch viel daran.

Die weitere Station in Paul Ackermanns Leben war der Krieg. Er landete im Gebirgsbataillon 90 und verbrachte dadurch die meiste Zeit im Berner Oberland. Die Aufgabe seines Bataillons war es, Brücken und den Flugplatz zu bewachen. Vor allem im Rückblick an diese Zeit, kann sich Ackermann noch an manche Anekdote erinnern.

Die letzte Laterne verpasst

Ebenso gerne denkt er daran zurück wie er seine Frau kennenlernte. Eigentlich hatten er und sein Cousin sich geschworen niemals mit einem Mädchen aus Lengnau auszugehen. Gerade auf dem Ball in Lengnau verguckten sich beide jeweils in eine Tanzpartnerin. Am nächsten Tag wollten sich Paul Ackermann und sein Schwarm Frieda wieder treffen und verabredeten sich bei der letzten Strassenlaterne. Leider hatten sie vergessen auszumachen, ob auf Grenchner oder Lengnauer Seite. So verpassten sie sich. Aber schon am darauffolgenden Montag trafen sie sich wieder zum Tanz. Vier Jahre später gaben sie sich das Jawort.

Bis zu ihrem Tod waren die beiden glücklich verheiratet. Paul Ackermann ist mittlerweile 95 Jahre alt und verbringt seinen Lebensabend im Alterszentrum Kastels in Grenchen.

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