Paul Gross: «Jede Klippe lässt sich überwinden»

Der 83-jährige Paul Gross blickt auf ein erlebnisreiches Leben zurück. Berufliche Erfahrungen hat er als Holzfäller, Polizist, Verleger, Bergführer, Skilehrer oder Buchhalter gesammelt. Anpacken und umsetzen lautet seine Devise als stets lösungsorientierter Mensch.

Paul Gross wird im Oktober 1931 in der Gemeinde Illau, dem heutigen Illnau-Effretikon geboren. Er wächst in einem echten Zürcher Landhaus auf. Seine Familie wohnt in einem Teil des Hauses. Im anderen Teil lebt der Hausbesitzer.

«  Sobald wir laufen konnten, mussten wir bei der Arbeit zu Hause mithelfen. »

Schon als kleiner Bub muss Paul Gross in Haus und Garten mithelfen. Er hilft die Hasen füttern, lässt die Ziegen aus dem Stall, sammelt die Hühnereier ein. Schuhe putzen und Geschirr trocknen gehören ebenfalls zu seinen Aufgaben. Ausschlafen ist für ihn ein Fremdwort. Frühmorgens um sechs Uhr muss er aus den Federn, denn sein Schulweg ist lang, ein Fussmarsch von einer Stunde.

Die Familie Gross kann sich keinen Luxus leisten. Sogar an Schuhen fehlt es. Von März bis November sind die Kinder deshalb barfuss unterwegs. Die guten Halbschuhe werden nur an Sonntagen getragen.

Gemüse und Früchte aus Eigenanbau

Als Selbstversorger kommt die Kleinbauernfamilie einigermassen gut über die Runden. Das Gemüse kommt vom eigenen Garten auf den Tisch: Kartoffeln, Bohnen, Karotten, Kohl, Wirz oder Tomaten. Als Vorrat für den Winter wird das Gemüse in einer speziell errichteten Grube gelagert. Sie ist ungefähr acht Quadratmeter gross und rund 60 cm tief. Auf eine Lage Sand folgt eine Lage Nussblätter, dann das Gemüse, das wiederum mit Nussblättern abgedeckt wird. So ist es gut gegen Kälte und Mäuse geschützt.

Das Feuerholz kauft Pauls Vater beim Förster in Form von alten Baumstämmen. Ausserdem berechtigt eine sogenannte Holzkarte die Familie, im Wald dürres Holz zusammenzutragen.

Im Zweiten Weltkrieg landen Bomber in Dübendorf

Paul Gross ist acht Jahre alt als der Zweite Weltkrieg ausbricht. In Illnau ist das Schweizer Militär sehr präsent, weil sich das Dorf als guter Stützpunkt für die Landesverteidigung erweist.

Paul Gross erinnert sich an seine Beobachtungen als Sekundarschüler: «Das eigene Überwachungsgeschwader ist aufgestiegen und hat fremde Flieger zur Landung in Dübendorf gezwungen». Er und seine Kollegen seien dann jeweils hinunter nach Dübendorf gegangen, um die Bomber landen zu sehen. «Das war schon sehr eindrücklich», meint der heute 83-Jährige.

Auch an die sogenannte «Anbauschlacht» erinnert sich Paul Gross. «Mitten in der Stadt Zürich wurde der Sechseläuteplatz für den Anbau von Kartoffeln umgegraben».

Lehr- und Wanderjahre

Mit 14 Jahren kehrt Paul Gross seinem Elternhaus den Rücken. Sein Vater will, dass er als Hilfsarbeiter in der Maggi-Fabrik arbeitet. Doch Paul Gross will lieber Bauer werden. Er packt seinen Koffer, reist ins Welschland. Er findet eine Anstellung auf einem Bauernhof am Jura-Südfuss und absolviert die Landwirtschaftliche Schule. Dann arbeitet er einen Sommer lang bei einem Rebbauern und im Jahr darauf einen Sommer lang auf einer Alp. Anschliessend kehrt er zurück in die Deutschschweiz.

«  So geht es nicht mehr weiter. Ich will nicht mein Leben lang Knecht sein. »

In Zürich beginnt er eine Lehre als kaufmännischer Angestellter. Als der Betrieb schliessen muss, findet er eine Anstellung bei der PTT. Nach der Rekruten- und Unteroffiziersschule lässt sich Paul Gross zum Kantonspolizisten ausbilden. Später arbeitet er während mehrerer Jahre für einen wissenschaftlichen Verlag.

Heute lebt der 83-Jährige zusammen mit seiner Ehefrau Elfi in Uors im Val Lumnezia. Für Sendung «Sinerzyt» von SRF Musikwelle lässt er sein Leben Revue passieren.

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