Rosalinde Rothen-Wolf floh mit 20 Mark in der Tasche

Die Kriegszeiten in Deutschland waren hart. Rosalinde Rothen-Wolf und ihre Geschwister waren total unterernährt. Danach kam Rosalinde auf den Bauernhof der Tante. Eigentlich sollte sie sich hier erholen, aber es wurde nur noch schlimmer. Schliesslich blieb ihr nur die Flucht.

Schuften von früh bis spät war angesagt, als Rosalinde Rothen-Wolf nach Ende des zweiten Weltkriegs zu ihrer Tante nach Möckmühl in Baden Würtemberg kam. Um 4 Uhr hiess es aufstehen und die Kühe und Schweine füttern. Die Tante führte gleichzeitig eine Waldgaststätte. Hier musste Rosalinde im Anschluss an die Stallarbeit gleich wieder mit anpacken, bevor es dann am späten Nachmittag zurück in den Stall ging.

«  Ich musste Knechtsarbeit leisten. »

Rosalinde Rothen-Wolf

Oft blieben ihr gerade mal zwei Stunden Zeit zum Schlafen übrig. Nach drei Jahren konnte sie nicht mehr. Sie borgte sich bei einer Freundin 20 Mark, kaufte sich ein Zugticket und floh in einer Nacht- und Nebelaktion zu ihren Grosseltern.

Kriegsjahre bei der Grossmutter

Rosalinde Rothen-Wolf kam 1935 als zweitälteste Tochter von fünf Geschwistern in Heidenheim in Baden Württemberg zur Welt. Sie war also mittendrin, als Deutschland im zweiten Weltkrieg steckte. Während Rosalindes Vater in den Krieg zog, wuchs sie anfangs bei ihrer Mutter auf. Dann kamen sie und ihre Schwester zur Grossmutter.

Erst nach Ende des Kriegs wurde die Familie wieder vereint.

Nach der Währungsreform 1949 gab es endlich wieder mehr zu essen. Rosalinde aber erlitt eine Brustfellentzündung. Ihr Artzt riet ihr sich auf einem Bauernhof auszukurieren. So wurde sie wieder von ihrer Familie losgerissen und kam zur Tante nach Möcking, bei der sie auf dem Bauernhof und in der Waldgaststätte schuften musste, bis sie nicht mehr konnte.

Praktikum in der Schweiz

Nach gelungener Flucht wäre Rosalinde am liebsten Frisörin geworden. Dies wurde ihr aber nicht gestattet. So entschied sie sich für eine Landwirtschaftslehre. Ihr Praktikum durfte sie bei einer Familie Weber in der Schweiz absolvieren. Hier fühlte sich sich wie im Paradies, denn Stallarbeit war für Frauen tabu.

In der Schweiz lernte sie später auch ihren Mann kennen. Dieser arbeitete im Pachthof seines Bruders. Da er nicht viel verdiente, arbeitete auch Rosalinde weiter. Um ihre Familie mit drei Kindern durchzubringen, ergriff sie gleich mehrere Tätigkeiten. So war sie als Bäurin, in einer Bäckerei, als Kleiderverkäuferin, in einer Brockenstube, einer Käserei, einer Zapfenfabrik und über längere Zeit auch in der Migros angestellt.

Die Schweiz ist ihre neue Heimat

Als ihr Schwager den Pachthof aufgab, wollte ihr Mann diesen gerne übernehmen. Wohl aus Stolz und Eifersucht wurde ihm dies aber verweigert.

Als Deutsche fühlte sich Rosalinde in der Schweiz zwar nicht immer willkommen. Mittlerweile sieht sie sich aber voll und ganz als Schweizerin. Nach ihrer Heirat gab sie den Deutschen Pass ohne zu zögern ab.

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