Mantegazzi war Balsam für die Volksseele

Mitten im krisengeschüttelten Europa stärkte seine Musik den Schweizer Volkswillen. Der Tessiner Dirigent Gian Battista Mantegazzi erblickte vor 125 Jahren das Licht der Welt. Sein Schaffen wirkt bis heute nach.

Mantegassi mit Dirigentenstab im Hintergrund lauschen Kinder und Erwachsene. Das Bild wurde wohl im Zürich der 40-er Jahre aufgenommen.

Bildlegende: Mantegazzi traf mit seinen Märschen den Zeitgeist während der Kriegszeit. zvg

Am 23. Oktober 1889 wurde Mantegazzi in Riva San Vitale geboren. Im Tessin unternahm er seine ersten musikalischen Gehversuche und führte seine Ausbildung später sowohl in der Schweiz als auch in Italien fort. 1924 kehrte er Italien - und dem dort herrschenden faschistischen Regime - den Rücken zu. Er liess sich daraufhin in Zürich nieder, wo er die Arbeitermusik dirigierte. Schnell übernahm er auch für die Stadtmusik Schaffhausen und ab 1928 dann sogar für die Stadtmusik Zürich den Dirigentenstab. Beide Musikgesellschaften steigerten durch seine Leistung ihr musikalisches Niveau.

Beliebte Märsche

Mantegazzi zog für seine Programme vornehmlich französische, italienische aber auch deutsche Märsche vor. Er selber trug als Komponist ebenfalls einen Marsch nach dem anderen dazu bei. Unvergessen bleiben vor allem sein «Munot-Marsch», «Bellinzona-Marsch» und natürlich der «Gandria-Marsch». Insgesamt komponierte Gian Battista über 254 Werke – deren 90 entstanden speziell für Blasmusikformationen. Viele seiner Märsche sind auch heute noch im Repertoire verschiedener Blasmusikvereine verankert.

Mantegazzis Musikcorps steht auf Treppe.

Bildlegende: Mantegazzi und seine Blasmusik während der Landi 1939 zvg

Erfolg an der Landi

Die Finanzkrise der 1930-er Jahre veranlasste Mantegazzi dazu einen weiteren Verein zu dirigieren. Er übernahm 1938 die Leitung des Musikvereins Harmonie Thalwil. Schweizweit bekannt wurde er vor allem durch die Landi 1939, wo er sein Werk «Sacra terra del Ticino» aufführte. In der Krisenzeit waren nationale Werte gefragt, die Mantegazzi damit gekonnt vermittelte.

Filmausschnitt. Der Protagonist mit seiner Frau im Hintergrund schüttelt die Hand eines älteren Mannes.

Bildlegende: 1943 komponiert Mantegazzi die Musik zum Kinoerfolg «Bergführer Lorenz». zvg

1941 stellte er das 140 Mann starke «Armee Symphonie Orchester» auf die Beine. Damit unternahm er eine grosse Tournee durch die italienische und deutsche Schweiz.

Ebenso spielte seine Formation auch beim Rütlirapport und beim grossen Umzug von Luzern auf. Missgunst und Neid führten dazu, dass dieses Orchester wenig später aufgelöst wurde.

Vielbeschäftigter Wahlzürcher

1949 erhielt Mantegazzi für sein erfolgreiches Wirken den Ehrenpreis der Stadt Zürich.

Inzwischen war er auch als Lehrer am Konservatorium tätig, leitete die Dirigentenkurse des Zürcher Musikverbandes und war viel als Referent an Fachtagungen unterwegs. Mantegazzi weilte bis zu seinem Tod am 5. Februar 1958 in der Stadt Zürich.

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