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Schweizer Geschichten «Schweizer Geschichten» mit Hans Steffen

Der 88-jährige Hans Steffen hat praktisch die ganze Welt bereits. Er wollte möglichst viele fremde Länder und Völker kennenlernen. Doch die Heimat war und ist ihm am liebsten. «So gut wie uns Schweizern, geht es niemandem sonst auf dieser Welt», erklärt er seine Verbundenheit zur Schweiz.

Hans Steffens Kindheit war von den Folgen der Weltwirtschaftskrise geprägt. «Du, die hei wieder zwe, drei entlah», hörte er abends manchmal den Vater zur Mutter sagen. In der Aussage schwang die Angst mit, der nächste zu sein, der seine Arbeit verliert.

Trotz Wirtschaftskrise ging es der Familie Steffen verhältnismässig gut. Sie lebte im Dreifamilienhaus von Hans Steffens Grossvater, der als Steinhauer fürs Berner Münster gut verdiente. Der Wohlstand wurde mit Menschen geteilt, denen es weniger gut ging. Die Mutter hat Obst und Früchte an Bedürftige verteilt und ihnen auf dem eigenen Land einen Pflanzblätz angeboten.

Hut ab vor der deutschen Armee

Im Alter von ca. 16 Jahren teilte Hans Steffen die Begeisterung seines damaligen Lehrers für die deutsche Armee. Verglichen mit der Schweizer Armee sei die deutsche viel besser organisiert und ausgerüstet gewesen, erklärt Hans Steffen. Das fand er beeindruckend, nicht etwa den Nationalsozialismus. Denn zu Adolf Hitler meint er: «Ein Gefreiter in der österreichischen Armee, der keinen Schimmer hatte und trotzdem meinte, er sei der Gescheiteste. Deshalb hat er einen Schlamassel nach dem anderen angerichtet.»

Lehr- und Wanderjahre im Welschland und Tessin

«Du muesch frömds Brot verdiene» sagte Mutter Steffen während dem Zweiten Weltkrieg zu ihrem Sohn Hans und schickte ihn fürs Französisch lernen ins Welschland. «Bürschtli, due muesch italienisch lehre», waren die Worte für die nächste Weichenstellung. Hans Steffen begab sich ins Tessin und arbeitete als Postbote.

Vom Kellner zum Kondukteur

Später bei der Lehrstellensuche war Mutter Steffen einmal mehr die treibende Kraft. Die einfache Frau aus Ostermundigen ging nach Bern und sprach mit Erfolg im Hotel Bellevue Palace vor. Hans Steffen wurde neu eingekleidet und trat seine Lehrstelle als Kellner in einem der renommiertesten Hotels an.

Früher haben wir bei der Bahn den service public noch gelebt.

Später entschied sich Hans Steffen für eine andere berufliche Richtung. Er wurde Kondukteur bei der SBB. Mit seiner Uniform – roter Hut, rote Tasche, steifer Kragen – galt er als Respektperson. «Früher haben wir den service public noch gelebt», sagt er rückblickend. Sie hätten während der Arbeit noch Zeit für die Passagiere gehabt, konnten ihnen beim Aussteigen behilflich sein oder einen älteren Dame beim Anziehen des Mantels. Unterwegs im Zug hätten sie noch Zeit gehabt die Landschaft zu geniessen oder herrliche Sonnenuntergänge am Zugersee.

2 Kommentare

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  • Kommentar von rolf stalder, zürich
    Supersache! Erinnerungen werden wach an eine Kindheit die nicht immer einfach war. Ganz grosses Kompliment ich bin sehr berührt.
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  • Kommentar von Kurt Kunz, 8255 Schlattingen
    Genau so war es. allerdings begeistern für die deutsche Armee, an so etwas kann ich mich, im Zürcher Oberland, nicht erinnern. vielleicht gab es einige. Militär bis ins hohe Alter, Luftschutz (auch Frauen) Luftüberwachung auch für die noch nicht Dienstpflichtigen. Ein Bild welches ich nicht vergesse: Ortswehr, allte Männer in ihren Anzügen, Kittel, Hut, roter Armbinde und Langgewhr, standen in Reih und Glied. Der Kommandant war mein Lehrer, noch nie war er im Militär.
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