Sepp Renggli — zum Sportjournalisten geboren

Leidenschaftlich, charmant, witzig, kritisch: Sepp Renngli prägte die sportliche Berichterstattung in der Schweiz während Jahrzehnten. Radrennen waren sein Steckenpferd. Allein die Tour de Suisse begleitete er als Sportreporter über 40 Mal. Am 1. April wird der gebürtige Krienser 90.

Wenn Sepp Renggli aus seinem Leben als Sportjournalist erzählt, dann kommt er so richtig in Fahrt. Sein reicher Schatz an Erinnerungen ist phänomenal. Als Reporter hat er 16 Olympische Spiele hautnah erlebt, 45 Mal hat er die Tour de Suisse begleitet. Er kennt Sieger und Verlierer, weiss über Bestzeiten, Premieren, Weltrekorde, Ausnahmetalente und Skandale Bescheid. Das Publikum von Radio SRF Musikwelle kommt regelmässig in den Genuss seiner zahlreichen Anekdoten, die er in der Sendung «Sinerzyt» zum Besten gibt.

Mit einer Lüge zur ersten Tour de Suisse

Im Alter von acht Jahre fasst Josef «Sepp» Renggli den Entschluss Sportreporter zu werden. Ausschlaggebend ist, wen wundert’s, die Tour de Suisse. Als Drittklässler «schwänzt» er den Unterricht, indem er angibt, seine Tante sei gestorben. Danach radelt er von Kriens nach Luzern und verfolgt die Zieleinfahrt der zweiten Tour de Suisse-Etappe. Die Etappe wird leider nicht von seinem Idol Paul Egli gewonnen. Auf diese grosse Enttäuschung folgt tags darauf die zweite: Sepps Lehrer hat den Schwindel mit der toten Tante dummerweise entlarvt. Zur Strafe gibt es ein paar Schläge mit dem kantigen Lineal und als Strafaufgabe das Aufsammeln leerer Hülsen beim Schützenhaus Kriens an einem schulfreien Samstag.

Hilfsredaktor beim «Sport»

Trotz dieser Bestrafung verliert Sepp Renggli die Begeisterung für die Tour de Suisse glücklicherweise nicht. Bis zu seiner ersten Berichterstattung dauert es aber noch etliche Jahre. Nach seiner kaufmännischen Ausbildung wird Renggli bei der Zeitung «Sport» als Redaktionssekretär angestellt. In dieser Funktion darf er ab und zu auch kleine Berichte verfassen. Die überzeugen und befördern den Sportkundigen relativ schnell zum Hilfsredaktor.

Sportlicher Einsatz am und fürs Radio

Den Einstieg ins Medium Radio verdankt Sepp Renggli einer Ferienreise. Er fährt mit einem Kollegen auf dem Motorrad nach Nizza und liefert einer Zeitung seinen Erlebnisbericht unter dem Titel «Ein Hirtenknabe in Nizza». Auch Radioreporter Albert Rösler liest den Artikel mit grossem Interesse und will diesen Renggli kennenlernen.

Es folgt eine Anstellung bei Radio Beromünster, und Sepp Renggli wird in den folgenden Jahrzehnten zum unverzichtbaren Wert für die Sportberichterstattung. Dank ihm entstehen populäre Sendungen wie «Café Endspurt», «Sport und Musik», «Auto-Radio Schweiz» oder der Musikwettbewerb «Grand Prix Brunnenhof». Von 1961 bis 1986 verantwortet Sepp Renggli als Leiter das Ressort Sport und Touristik, von 1976 bis 1989 amtet er als Direktor des Radiostudios DRS Zürich. Nebenamtlich betätigt er sich auch als Sportkolumnist für die «Weltwoche» und verfasst mehrere Sportbücher.

«  Wenn ich nochmals von vorne beginnen könnte, dann würde ich nochmals Sportjournalist werden. »

Sepp Renggli

Nun feiert Sepp Renggli den 90. Geburtstag, am 1. April 2014. Das Alter sei auch ein Geschenk, sagte er vor einem Jahr in einem Interview. Man besuche zwar mehr Beerdigungen als Hochzeiten, dafür habe man jede Menge Zeit für schöne Dinge. Dazu zähle das Zusammensein mit der Familie, Kreuzworträtsel ausfüllen, Sportsendungen schauen, Zeitung lesen und Kolumnen schreiben.

Sepp Renggli lebt mit seiner Ehefrau Annemarie (70) in Ebmatingen. Seine beiden Söhne Thomas (41) und Felix (38) sind in Vaters Fussstapfen getreten und ebenfalls als Sportjournalisten tätig.

Eine Auswahl von Sepp Rengglis «Sinerzyt»-Beiträgen

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