Bei Katja Ebstein sind nicht nur die Haare rot

Klar fallen bei der beliebten Schlagersängerin zuerst ihre roten Haare auf. Sie gelten als ihr Markenzeichen. Aber auch politisch tickt Katja Ebstein rot und das nicht zu knapp. Dazu mischt sie noch ein wenig grün und schafft es damit so einige Schlagerfans zu verwirren.

Katja Ebstein, Nahaufnahme ihres Gesichts. stark geschminkt, umfahmt von rotem, wallendem Haar.

Bildlegende: Katja Ebstein setzt sich auch für Greenpeace ein. zvg

Man kennt sie durch ihre grossen Evergreens wie «Theater Theater» oder «Der Stern von Mykonos». Katja Ebstein kann aber auch ganz andere, kämpferische Töne anschlagen:

«  Leitet alles Gift ins Meer, Dreck und Abfall hinterher, macht den Ozean zum Klo, Öl schwimmt da schon sowieso »

Diese Zeilen stammen aus dem Lied «Feste Jungs» von 1980. Das klingt ungewohnt, rüttelt auf, will auch gar nicht ins Bild einer Schlagersängerin mit samtweicher Stimme passen.

Katja Ebstein ist eben mehr als nur eine Interpretin seichter Schnulzen. Sie will bewegen und sieht sich als politische Botschafterin. Dazu fühlt sie sich schon seit ihrer Jugendzeit berufen.

Ein Kind der 68er- Bewegung

Als Katja Ebstein 1945 zur Welt kommt, leidet Deutschland unter Nachkriegswehen.

Sie wächst in Berlin auf und lässt sich vom Strom der 68-er Bewegung mitreissen.

Hier ist es, wo ihr Wunsch wächst, sich gegen das Etablierte aufzulehnen. Für Ebstein ist es ganz logisch, dass sich Jugendliche in ihrer Sturm und Drang-Phase erst einmal politisch links orientieren.

Schlagersängerin zu werden kommt ihr zu diesem Zeitpunkt erst gar nicht in den Sinn. Sie beginnt ein Studium für Archäologie und Romantik. Das Interesse an Gesang und Schauspiel ist aber grösser.

Ihre ersten Gehversuche auf den Brettern, die die Welt bedeuten, finden auf Kabarettbühnen statt. Zuerst ist alles nur Spass an der Freude. Auf einem Jugendcamp für politisch und musisch interessierte Jugendliche wird sie entdeckt und anschliessend gefördert.

So richtig will es anfangs aber nicht funktionieren mit dem grossen Karrieresprung. Es dauert fünf Jahre, bis sie sich, dank ihres Achtungserfolgs mit «Wunder gibt es immer wieder», beim Eurovision Song Contest 1970 als Schlagersängerin wirklich durchsetzen kann.

Katja Ebstein schwarzweisses Foto. Mit Mikrofon in der Hand.

Bildlegende: Mit «Wunder gibt es immer wieder» errreichte Katja Ebstein den dritten Platz beim Eurovision Song Contest 1970. wikipedia/ clausule

Mal oberflächlich, mal tiefgründig

Generell lässt sich sagen, dass Katja Ebstein immer zu dem stehen kann, was sie singt.

Natürlich tauchen da auch einige Ausreisser wie «In Petersburg ist Pferdemarkt» oder «Es war einmal ein Jäger» auf.

Daneben aber besteht ihr Repertoire aus Titeln wie «Ein kleines Lied vom Frieden», «Diese Welt», ja sogar vertonte Gedichte von Heinrich Heine, die ein kritisches Bild auf die Gesellschaft werfen.

Vor allem auf Theaterbühnen fühlt sie sich zuhause. Sie tritt in grossen Rollen auf, macht Kabarett und kann sich auch als Musicalsängerin etablieren. Ebenso grosse Beachtung findet Katja Ebstein durch ihre drei Teilnahmen am Eurovision Song Contest.

Ein grosses Herz für Kinder und Natur

Ihre Popularität im Showbusiness weiss sie aber nach wie vor politisch einzusetzen. Für Greenpeace würde sie jederzeit kostenlos auftreten, betont Ebstein überzeugt.

Katja Ebstein vor dem Plakat ihrer Kinderstiftung. Der Schriftzug sieht aus, als ob er mit Fingerfarben gemalt wurde.

Bildlegende: Für ihre Kinderstiftung «Ene Mene Muh und arm bist Du», erhielt Katja Ebstein das Bundesverdienstkreuz. zvg

2004 ruft sie eine Stiftung ins Leben, die sozial schwache und notleidende Kinder unterstützt. Sie engagiert sich ausserdem für die Welthungerhilfe und diverse andere medizinische und sozialpolitische Hilfsorganisationen.

Katja Ebstein kann am 9. März 2015 ihren runden 70. Geburtstag feiern. Ihren Lebensabend verbringt die Ur-Berlinerin in ihrer neuen Heimat bei München.Sie steckt voller Energie und schlägt manchmal ganze Nächte um die Ohren. Sie geniesst es aber vor allem auch einmal richtig «faul zu sein».

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