Udo Jürgens' Grammatik-Spleen

Was seine Lieder anbelangte, war Udo Jürgens äusserst pingelig. Da wurde an jeder Note herumgefeilt, bis der Maestro zufrieden war. Natürlich musste auch der dazugehörige Text bis ins Detail stimmen – auch grammatikalisch. Darin war Udo zwar ebenfalls meisterlich, aber nicht ganz fehlerfrei.

Er brachte mit seinen Liedern ein wenig Schwung ins ehrenwerte Haus, begoss seinen Triumpf mit griechischem Wein und war noch niemals in New York – dafür bestand er auf das gewisse Sahnehäubchen im Leben. Udo Jürgens war ein wahrer Wortakrobat und hob sich dadurch ab vom herkömmlichen Schlagerzirkus.

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«Udo Jürgens' zeitkritische Lieder«, Kulturplatz, 16.1.2008

4:45 min, vom 22.12.2014

Als Perfektionist bestand er auf sprachliche Finessen. Als die bayerische Sängerin Nikki beispielsweise ihren Hit «Wegen Dir» herausbrachte, nahm er fast gleichzeitig seinen Titel «Deinetwegen» auf – was dann eben grammatikalisch korrekt war.

«Mein Baum» wurde zwei Mal aufgenommen

Ein kleiner Fauxpas unterlief ihm allerdings bei seinem Lied «Mein Baum». Darin sang er ursprünglich «Hab‘ drin mein erstes Haus gebaut und auf die Welt herabgeschaut». Das mag umgangssprachlich funktionieren, grammatikalisch gesehen ist es aber falsch. Dies bemerkte auch sein Co-Autor Friedhelm Lehmann, der Udo darauf hinwies, dass man aus einem Haus nur hinabschauen kann. Obschon der Titel bereits im Kasten war, nahm ihn Udo flugs neu auf. Der Umstand, dass ihm das Lied «Mein Baum» sehr wichtig war, trug sicher auch zu dieser Entscheidung bei. Der Titel ist nämlich seinem Vater gewidmet.