Vom Thurgau bis nach Flandern

Das Thurgauerlied «O Thurgau, du Heimat» ist eine der bekanntesten Kantonshymnen der Schweiz. Diese beliebte Melodie machte aber nicht Halt an der Landesgrenze. Sogar in flämischen Schulstuben in Flandern ertönte um das Jahr 1870 das Thurgauerlied.

In jener Zeit war es nicht unüblich, dass Volkslieder kopiert und abgeändert wurden. So gibt es von den meisten Volksliedern jener Zeit vielfach ganz unterschiedliche Varianten. Folgerichtig wurde in Flandern dann nicht die Thur besungen, sondern die Schelde und statt dem Thurgau war das Lied dort der ehemaligen Grafschaft Flandern gewidmet.

Historische Fotografie in schwarz-weiss von einem Ehepaar, das Arm in Arm vor der Kamera steht.

Bildlegende: Johannes Wepf und seine Frau Anna Magdalena. Staatsarchiv Frauenfeld

Uraufführung im Mai 1855

Johannes Wepf, der Komponist des Thurgauerliedes, ist vor 125 Jahren verstorben. Sein bekanntestes Lied «O Thurgau, du Heimat» geht zurück auf ein Gedicht von Ulrich Bornhauser, das 1864 erstmals abgedruckt wurde. Etwa zehn Jahre später komponierte Johannes Wepf das Lied dazu. Am 15. Mai 1855 wurde es erstmals aufgeführt anlässlich der Einweihung der Nordostbahnstrecke von Winterthur nach Romanshorn.

Der Text und die Melodie zum Lied «O Thurgau, du Heimat» entspricht eigentlich einem Wanderlied. Nach jeder Strophe folgt jeweils ein jodelähnlicher Teil auf «La-la-la». Das Lied wurde und wird bis heute oft bei offiziellen und feierlichen Anlässen gesungen. Das mag ein Grund sein, dass das Lied meist sehr langsam interpretiert wird, ähnlich einer Hymne.

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