Kitty, Daisy & Lewis im Interview: Mehr als einfach nur «Retro»

Nicht zuletzt dank einer 20-minütigen Zugabe, hat das Londoner Rock'n'Roll-Trio Kitty, Daisy & Lewis den ausverkauften Zürcher Plaza Klub zum Ausrasten gebracht. Wir haben die Geschwister Durham vor dem Konzert zum Interview getroffen und mit ihnen unter anderem über das Wort «Retro» geplaudert.

Seit Kindesalter musiziert das Geschwistertrio Kitty, Daisy & Lewis Durham unter dem Namen Kitty, Daisy & Lewis. Drei Alben voll von herzerwärmendem Rock'n'Roll mit Soul-, Ska- und Blues-Einschlägen sind in der Zwischenzeit entstanden. «Kitty, Daisy & Lewis The Third» heisst das aktuellste Werk der Band, das seit Kurzem erhältlich ist - und der wohl bislang grösste Wurf des Trios ist.

Aus dem Interview mit Sänger (und Drummer - und Gitarrist) Lewis Durham nehmen wir die folgenden vier Fakten mit:

1. Das neue Album «Kitty, Daisy & Lewis The Third» ist das erste Werk, das die Band ausserhalb der eigenen vier Wände aufgenommen hat.

Lewis Durham: «Wir haben ein altes indisches Restaurant, welches etwa 15 Jahre lang brach lag, von Grund auf renoviert und zu einem Studio umfunktioniert. Das Restaurant war total heruntergekommen. Es hatte eigentlich nur Tauben, Kakerlaken und längst abgelaufene Lebensmittel drin, als wir das Restaurant zum ersten Mal betreten haben.

Wir haben für unser Studio sehr viel altes Equipment verwendet, aber zum ersten Mal mit einem 16-Spurrekorder gearbeitet. Für unsere letzten beiden Alben haben wir 8-Spurrekorder verwendet. Mit dem 16-Spurgerät konnten wir unseren Sound erweitern.»

Kitty, Daisy & Lewis Live im Plaza Klub Zürich

2. Kitty, Daisy & Lewis lassen sich nur ungern in die Retro-Schublade stecken

Niemand bestreitet, dass Kitty, Daisy & Lewis von der Musik der 1960er-Jahre inspiriert wird. Trotzdem nervt sich Lewis über den ständigen Retro-Vergleich, mit dem sich die Band überall konfrontiert sieht.

«Nehmen wir mal Soul-Künstler als Beispiel: Wenn heutzutage jemand Soulmusik macht, dann wird er nicht automatisch als "Retro" abgestempelt. Dann heisst es einfach "er macht sein eigenes Ding." Sobald du aber Gitarrenmusik mit Blues-Einschlag machst, wirst du sofort in die Retro-Schublade gesteckt. Ich habe keine Ahnung warum und versuche das so gut wie möglich zu ignorieren.»

Die alten Pressefotos der Band, auf denen das Trio Retro-Klamotten trägt, helfen da natürlich nicht weiter...

«Naja, wenn du jünger bist, dann ziehst du dich halt auf eine gewisse Art und Weise an. Dumm nur, dass die Leute dann automatisch denken, dass du genauso für immer sein wirst und du dich nie verändern wirst. Hey, Leute verändern sich!»

3. Kitty, Daisy & Lewis stehen nicht in Konkurrenz mit anderen Geschwisterbands

Haim, First Aid Kit, The Staves: Bands, bei denen alle Mitglieder Geschwister sind, liegen momentan voll im Trend. Wir wollen von Lewis Durham wissen: Sind Kitty, Daisy & Lewis die zurzeit coolste Geschwisterband?

«Um so etwas kümmern wir uns gar nicht. Wir haben keinen Anspruch darauf, uns mit anderen Bands zu messen. Wir sind einfach froh, dass wir Musik spielen können - und würden das übrigens auch dann tun, wenn wir nicht berühmt wären und auf grossen Konzertbühnen spielen könnten.

Ehrlich gesagt wusste ich gar nicht, dass es momentan so viele Geschwisterbands gibt. Wir sehen uns ja sowieso nicht als Familienband - sondern viel mehr als Freunde, die zusammen Musik machen.»

4. Lewis steht auf den Sound von Michael Kiwanuka

«Michael Kiwanuka wohnt bei uns in der Nähe. Ein Singer/Songwriter mit seeehr viel Soul in der Stimme. Spielt ausserdem sehr gut Gitarre. Ich mag ihn sehr - und wir spielen sehr gerne Musik zusammen.»