Modeindustrie Ein luftiges Sommerkleid aus dem 3D-Drucker

Bald müssen wir nicht mehr ins Geschäft gehen, um Kleidung einzukaufen – wir laden sie aus dem Internet und drucken sie auf dem 3D-Drucker aus. Davon ist die israelische Designerin Danit Peleg überzeugt und beweist es mit ihrer Kollektion. Wir haben sie an den «Textile & Fashion Days» getroffen.

«Für mich fühlt es sich an wie eine Revolution», sagt Danit Peleg, eine junge israelische Modedesignerin über ihren Einstieg in die 3D-gedruckte Fashion-Welt. Für ihre Abschlussarbeit vor zwei Jahren hat sie ein ambitioniertes Projekt ins Auge gefasst: Die erste komplett 3D-gedruckte Kollektion, die sich zu Hause ausdrucken lässt. Von zu Hause aus die eigenen Textilien entwerfen und dann eigenständig ausdrucken – für die frisch diplomierte Designerin eine ganz neue Form der Unabhängigkeit bei ihrer Arbeit.

Ein futuristisches Design, dass ein wenig an Wirbelsäulen oder Tintenfischtentakeln aussieht die sich um das Model schlingen.

Bildlegende: Iris van Herpen mischte schon vor Jahren die Modewelt mit den ersten 3D-gedruckten Kleidern auf. irisvanherpen.com

Danit ist nicht die Erste, die 3D-Drucker in der Modewelt einsetzt. Bereits 2010 schickte die dänische Designerin Iris van Herpen ihre Models mit avantgardistischen 3D-gedruckten Designs über den Laufsteg. Seither zählt auch Lady Gaga zu Iris van Herpens Kundschaft.

Doch täglich frei nach Lust und Laune die eigenen Designs ausdrucken, kann auch eine Lady Gaga noch nicht. Denn die Stücke von van Herpen sind hoch komplex und benötigen grosse und teure industrielle 3D-Drucker. Ausserdem sind sie sehr aufwändig designt und werden noch aus einem sehr harten Material hergestellt.

Genau das hat die Jungdesignerin Danit Peleg ebenso fasziniert wie gestört. Denn 3D-gedruckte Kleidung hat das Potenzial, die ganze Modebranche aus den Fugen zu heben. Ein Paradigmenwechsel der radikalen Art, bei dem man nicht mehr aus einem grossen Stück etwas herausschneidet, sondern das Stück selbst genau so kreiert, wie man es haben möchte.

In nur neun Monaten hat sie die Forschung dabei so weit vorangetrieben, dass es für ihre Abschlussarbeit Bestnoten gab. Seither bereist sie die Welt mit ihrer Vision und hält Vorträge. Ein 3D-gedrucktes Kleid hat Peleg bisher allerdings nicht verkauft. Nicht zuletzt, da für ein Kleid aus ihrer ersten Kollektion gut 300 Stunden Produktionszeit nötig waren.

In diesen Tagen stellt die Designerin bereits ihre zweite Kollektion an den Textile and Fashion Days an der Schweizer Textilfachschule in Zürich aus. Dank einem weiteren Jahr Entwicklungszeit kann Peleg ihre Kleider heute bereits drei Mal so schnell – also ca. 100 Stunden pro Kleid – herstellen.

3D gedruckte Kleider haben viele Vorteile

Die junge israelische Designerin vor zwei Schaufensterpuppen mit ihrer beigefarbenen zweiten Kollektion.

Bildlegende: Danit Peleg Vor ihrer zweiten Kollektion an den «Textile and Fashion Days». SRF

Nicht nur fällt so kein Abfall mehr bei der Produktion an. Auch Ladenhüter werden der Vergangenheit angehören, da nur noch auf Nachfrage selbst produziert wird. Die Liste der Vorteile ist lang, so wird beispielsweise auch kein Wasser mehr benötigt, wie das bei der Baumwollproduktion massenhaft der Fall ist.

Dabei sind die Kleider aus dem 3D-Drucker komplett aus Plastik. Nicht wirklich ein Material das man mit Umweltfreundlichkeit in Verbindung bringt. Doch ähnlich wie PET Flaschen, kann man auch Danits Kleider komplett einschmelzen, um wiederum neue Kleidung auszudrucken.

Als wäre das nicht genug, kann man Danits Kleider bequem in der Geschirrspülmaschine abwaschen; bügeln fällt selbstverständlich auch weg.

Die Tücken der Digitalisierung

Ein gerüst aus Plastik ist die Mode von Morgen.

Bildlegende: Danit Pelegs Kollektion Links die erste Kollektion in Rot. Rechts in Beige die zweite Kollektion. SRF

Schon bald will sie ihre Vision in die Wirklichkeit umsetzen und ihre Designs über das Internet lediglich als CAD-Datei vertreiben. Ein riskantes Unterfangen, von dem die Musik-, Film- oder auch die Gamingbranche heute vielleicht sogar abraten würde. Denn wer ins digitale Onlinebusiness einsteigt, muss damit rechnen, dass die Piraten nicht weit sind.

Wie sie sich vor Piraterie schützen will, darüber hat sich Danit gemeinsam mit einer israelischen Firma bereits Gedanken gemacht. Sie wird ihre Dateien mit einem Code versehen, damit man sich mit einem Kauf nicht gleich unendlich viele Kleider ausdrucken kann.

Wer die vom Code vorgegebene Limitierung überschreitet, dem spuckt der 3D-Drucker nur einen kleinen Plastikroboter als Symbol für einen Error aus. Ob dies jedoch realistisch ist, ist fraglich. Denn auch andere Branchen sind seit Jahren auf der Suche nach effizienten Kopierschutzmethoden, und scheitern daran.

Mehr als nur Zukunftsmusik

In rund einem Monat wird Danit Peleg die ersten einhundert 3D-gedruckten Jacken weltweit verkaufen. Da die meisten Menschen noch über keinen 3D-Drucker verfügen, übernimmt die Israelin vorerst noch die Produktion. Mit einer App wird man an einer virtuellen Fitting-Session die Kleidung mit Danit – ähnlich wie in einem Skype Gespräch – anpassen und individualisieren können.

Eine Dame mit zwei beinprotesen sieht in Danits Kleidung aus wie eine Elfe.

Bildlegende: Amy Purdy Die Snowboarderin eröffnete 2016 die Paralympics in Rio in einem Kleid aus Danits zweiter Kollektion. danitpeleg.com

In Zukunft hofft Danit auf bessere Materialien für 3D-Drucker. Im letzten Jahr ist durch ihre Forschung bereits viel passiert, doch von Seide oder Baumwolle ist man noch weit entfernt. Sie hält es aber durchaus für realistisch, dass wir bis in fünf Jahren aus unterschiedlichen Materialien auswählen können, die nicht mehr komplett aus Plastik bestehen.

Mit anderen Worten will sie schon bald lediglich eine Datei verkaufen. Material, Farbe und eventuelle Änderungen sind dem Kunden frei überlassen. Für eine Träumerin hält sich die Designerin dabei nicht: Vor wenigen Jahren hätte schliesslich auch niemand geglaubt, dass wir unsere Musik nicht mehr im Plattenladen kaufen, sondern digital herunterladen.

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