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Gebärdensprache «Netflix» mit den Fingern schreiben

Wie schaffen es digitale und technische Begriffe in die Gebärdensprache – also Begriffe, die schnell entstehen und wieder vergehen?

das Fingeralphabet im Hintergrund, im Vordergrund digitale Begriffe wie "Cyber", "Blockchain", "Meme"
Legende: Collage SRF Digital

Eine Gebärde für «Meme» existiert nicht, auch nicht eine für «Blockchain» – zwei populäre digitale und technische Begriffe. «Wir verwenden sie nicht, es gibt und braucht auch nicht für jedes Wort eine entsprechende Gebärde», erklären Katja Tissi und Sandra Sidler. Beide arbeiten für den Schweizerischen Gehörlosenbund, lehren und forschen zur Gebärdensprache. Ist in der Gemeinschaf also kein Bedarft vorhanden, gibt es auch keine entsprechende Gebärde.

Die Gehörlosengemeinschaft ist eine äusserst lebendige, aber kleine Gruppe: Rund 7000 Menschen drücken sich in der Deutschschweiz mit Gebärden aus. Diese Gemeinschaft ist noch weiter unterteilt in fünf regionale Dialekte, die sich um die jeweiligen Gebärdensprachschulen gruppieren. Neue Begriffe schaffen es in das Lexikon des Schweizerischen Gehörlosenbundes, Link öffnet in einem neuen Fenster, wenn sie genügend Leute verwenden und benötigen: «Hacker», «Cyberkriminalität» und «Netflix» sind etwa schon vorhanden. Doch für andere aktuelle digitale und technische Begriffe gibt es noch keine entsprechende Gebärde.

Von «Fake News» bis «E-Sports»

Buchstabieren oder Paraphrasieren

Muss so ein Begriff doch in die Gebärdensprache übernommen werden, gibt es verschiedene Stufen: Unbekanntes wird häufig zuerst mit dem Fingeralphabet buchstabiert – was mühsam ist – oder mit bekannten Gesten paraphrasiert, wie Tissi und Sidler erklären. «'Fake News' würden wir darum nicht mit 'Fake News' übersetzen, sondern beispielsweise mit 'Das ist nicht richtig, falsch'». Rund einen Monat bis zu einem halben Jahr dauert es, bis sich eine eigene Gebärde in der Gemeinschaft etabliert hat.

Die Übersetzung eines Begriffs erfolgt auch nicht so, wie Hörende sich das von der Lautsprache gewohnt sind. Denn die Gebärdensprache hat eine eigene Grammatik, einen eigenen Satzbau – und den eigenen physischen Raum, in dem sich Gebärden abspielen: Die Sprache ist visuell.

Beim Sprechen bauen also die Hände einen Raum vor der Sprecherin auf: Die Hände gebärden einen Tisch, das Zeichen für eine Katze, platzieren sie an einer Stelle im «Raum» um den Tisch herum, und lassen sie auf den Tisch springen. Fertig ist der Satz «Die Katze springt auf den Tisch».

Zwar existiert für viele digitale Begriffe kein Gebärdenäquivalent, doch «die digitale Welt ist ein grosser Gewinn auch für Gehörlose», bekräftigt Tissi: «Youtube, Instagram, Facebook bieten Zugang zu visuellen Informationen, global». Kein Wunder, sind alle drei Begriffe bereits als Gebärden etabliert.

Von «Instagram» bis «Twitter»

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