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Aktuell Luca B.: «Mumford & Sons: Die mieseste Band der letzten 10 Jahre»

Läuft ihre Musik im Radio, wechsle ich den Sender. Entdecke ich ihre Tracks in Playlists von Freunden, kündige ich ihnen die Freundschaft. Die britische Popband Mumford & Sons verursacht bei mir grauenhafte Ohrenschmerzen. Aber warum eigentlich? Ein Erklärungsversuch.

Mumford & Sons
Legende: Wenigstens haben Mumford-and-Sons-Sänger Marcus und ich den gleichen Gesichtsausdruck, wenn wir seine Band hören.. Reuters

Das mit der Frage nach «Authentizität» in der Musik ist ja so eine Sache. Kleines Beispiel: Kaum jemand würde mir widersprechen, wenn ich die Sex Pistols, Link öffnet in einem neuen Fenster als eine der punkigsten Punkbands, die je gepunkt haben, bezeichnen würde. In Wirklichkeit war die Band allerdings ein Konstrukt ihres Managers. Nur: Solange die Musik stimmt, verzeiht man einer Band so einiges.

Somit wären wir auch schon bei der Krux: Die britische Folk-Band Mumford and Sons, Link öffnet in einem neuen Fenster ist furchtbar. Und zwar nicht, weil sie «inauthentisch» oder «fake» ist (dazu später mehr). Mumford and Sons sind in erster Linie furchtbar, weil ihre Musik ziemlich mies ist.

Zusammengeklaut und gekünstelt

Da wäre zuerst einmal die Form von «Folk»-Rock, welche Mumford and Sons praktizieren. Die ist zusammengeklaut von Bands, welche den gleichen Musikstil in jüngerer (Fleet Foxes, Link öffnet in einem neuen Fenster, Grizzly Bear, Link öffnet in einem neuen Fenster, Noah & The Whale, Link öffnet in einem neuen Fenster) oder vor längerer Zeit (Crosby, Stills, Nash & Young, Link öffnet in einem neuen Fenster, The Band, Link öffnet in einem neuen Fenster) tausend Mal besser gemacht haben.

Dazu kommen Lyrics auf Kindergarten-Niveau und tonnenweise gekünstelte Momente, die einem Emotionen vorgaukeln möchten. Und selbstverständlich verwenden Mumford and Sons dabei auch jedes Mal die exakt gleichen Tricks, Link öffnet in einem neuen Fenster.

So spassig wie ein aromaloses Lo-Fat-Greek-Yogurt

Mumford and Sons verkaufen Millionen von Platten und belegen weltweit die oberen Ränge in den Charts. Eigentlich könnte man dadurch annehmen, dass eine solch «gute» *hust* Band haufenweise Nachahmer mit sich ziehen müsste. Ausser einer, Link öffnet in einem neuen Fenster handvoll, Link öffnet in einem neuen Fenster Clowns, die uns mit ähnlich verwässertem Fake-«Folk» belästigen, sind wir davon aber bislang verschont worden. Zum Glück.

Mumford and Sons
Legende: Vorsicht, Dude! Man sieht deine Calvin-Klein-Boxershorts. Das ist denn aber so gar nicht «Folk», imfall! Reuters

(Kurzer Einschub: Ich bin die letzte Person, die behaupten würde, dass man traditionsreiche und ältere Genres nicht in einem modernen Kontext neu aufbereiten könnte. Stichwort: Alabama Shakes. Oder Leon Bridges. Mumford and Sons dagegen geben sich mit der musikgewordenen Einfallslosigkeit zufrieden. Etwa so spassig wie ein aromaloses Lo-Fat-Greek-Yogurt im Kühlregal.)

Und damit könnten wir jetzt eigentlich auch einen Schlussstrich ziehen. Schliesslich ist das alles ja gar nicht so schlimm. Miese Band macht miese Musik. So what?

Leider treffe ich aber immer wieder Leute, die mir ernsthaft weismachen wollen, dass es sich bei diesem Mist tatsächlich um eine ernsthaft! gute! Band! handelt. Darum gehen wir jetzt noch eine Ebene tiefer.

Die massgeschneiderte Gimmick-Band

Mumford and Sons sind die fleischgewordene «Gimmick»-Band. Da wäre beispielsweise das «Wir sind das Volk»/«Wir sind imfall so wie ihr!»-Image, welche die Band in ihren Interviews pflegt. So voll «daun tu Örf» eben.

Leider wirkt das Produkt «Mumford and Sons» dadurch aber so anbiedernd und kalkuliert, dass man meinen könnte, die Band sei von einem Marketingteam crowdgesourct worden. Ein massgeschneidertes Produkt für Leute, die auf YouTube unter Rap- oder Justin-Bieber-Videos "I MISS REAL MUSIC! RAP IST CRAP!!! I'M 14 AND LISTEN TO AC/DC UND LED ZEP!!!!1" posten.

Mumford and Sons
Legende: Kleider aus dem Second-Hand-Shop. Die müssen ja einfach cool sein! Reuters

Mumford and Sons sind das musikalische Äquivalent zur Werbung eines Telekommunikationsanbieters.

Dort, wo uns mit «Du bist das Leben» / «Leb was du machst» / «Sei mehr als du lebst»-Nonsens-Phrasen ein falsches Lebensgefühl vermittelt wird, um Handyabos zu verkaufen.

Nur verwenden Mumford and Sons anstatt billigen Technobeats halt «richtige» Musik mit «richtigen» Instrumenten - und das scheint für gewisse Personen schon zu reichen, um als «gute» Band durchzugehen. (Seitenfrage: Was ist eigentlich «falsche» Musik?)

Und dann wären da noch ihre altmodischen Bühnenoutfits. Ja, die Band ist sich ob deren Lächerlichkeit vollständig bewusst und macht sich sogar in den eigenen Videos, Link öffnet in einem neuen Fenster darüber lustig. Nur: Macht es das wirklich besser? Schliesslich ist ein schlechter Comedian, der absichtlich schlechte Witze reisst und sich darüber im vollen Bewusstsein ist, am Ende trotz allem nur eines: Ein schlechter Comedian.

Die Diebestour nimmt kein Ende

Jaja, ich weiss, eigentlich bin ich mit meiner Tirade ein paar Jahre, Link öffnet in einem neuen Fenster zu spät. Schliesslich schien das neuste Mumford and Sons-Album nicht einmal mehr ihren eigenen Fans zu gefallen. Ausserdem war ihr Konzert im Hallenstadion letzte Woche nicht ausverkauft. Geht es mit der Popularität der Band also endlich zu Ende? Ist der Folk-Schwindel entlarvt?

Schön wärs. Vor kurzem haben Mumford & Sons eine neue EP angekündigt - und setzen darauf ihre dreiste Diebestour fort. Die Opportunistenbande plündert ab sofort, Link öffnet in einem neuen Fenster auch noch in der traditionsreichen afrikanischen Musik. Gott bewahre.

Anhören auf eigene Gefahr:

17 Kommentare

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