Professionelle «FIFA»-Zocker trainieren hart für den Erfolg

Freistosstraining, Videoanalyse und Spielertransfers: Beim FIFA-E-Sports-Team des FC United Zürich läuft es ähnlich ab wie bei einer echten Fussballmannschaft. Wir haben mit dem Teammanager des ersten E-Sports-Teams eines Schweizer Fussballvereins über ihr Training gesprochen.

Fifa17 Trainingsmodus

Bildlegende: Screenshot SRF SRF

Professionelle Gamer kämpfen nach wie vor mit dem Image, dass sie Tageslicht meiden und sich hauptsächlich von Energydrinks und Pizzas ernähren. Teilweise mag dieses Klischee stimmen, nicht aber beim E-Sports-Team des FC United Zürich.

Thomas Temperli hat in seinem Verein, bei dem er auch aktiv als Verteidiger Fussball spielt, als Erster in der Schweiz ein E-Sports-Team gegründet, welches einem Fussballverein angehängt ist.

Früher war er aktiver E-Sportler, heute coacht er zwei Spieler, die bei ihm unter Vertrag stehen und ist Teammanager.

Der Trainingsaufwand ist mit dem eines echten Fussballers zu vergleichen. Besonders beim Release einer neuen Version wie aktuell «FIFA 17» ist das Training besonders intensiv.

«  Während den ersten zwei Wochen nach einem Release muss man alle Neuerungen verinnerlichen und einfach so viel spielen wie möglich. »

Danach werden Spielsituationen immer und immer wieder simuliert und trainiert. Das geht von spezifischen Abwehr- oder Angriffsituationen über Standards bis zum Elfmetertraining. Zudem setzt Temperli auf die Videoanalyse. Jedes Pflichtspiel wird als Video aufgezeichnet und anschliessend analysiert. Danach gibt er seinen Spielern Tipps, wie sie sich verbessern können.

«Ich verbiete meinen Spielern, 8 Stunden am Stück zu spielen»

Thomas ist davon überzeugt, dass es sinnlos ist, einfach so viel wie möglich zu zocken.

Die zwei Spieler Bruno «Brunisco» Bardelas und Sven «HumGun» Humbel

Bildlegende: Die zwei Spieler Bruno «Brunisco» Bardelas und Sven «HumGun» Humbel werden von Thomas Temperli trainiert und beraten. FC United Zürich

Seine Spieler sollen nicht mehr als drei Stunden pro Tag intensiv spielen, da der Kopf danach nicht mehr aktiv genug ist.

Zudem sei es wichtig, dass sich seine Spieler gut ernähren und genügend schlafen.

Seine beiden Spieler spielen auch aktiv Fussball, bleiben so fit und kennen die Materie. Der grösste Unterschied neben der körperlichen Aktivität ist, dass man als E-Sportler eine ganze Mannschaft steuert und nicht nur eine Position spielt. Taktik und Spielverständnis spielen eine grosse Rolle.

Warum sich ein E-Sports-Team für einen Fussballclub lohnt

Der FC United Zürich folgt mit seinem E-Sports-Team einem Trend, welcher bei grossen Fussballclubs in Europa bereits Einzug gehalten hat: Wolfsburg, Schalke, West Ham oder Valencia betreiben ebenfalls E-Sports-Teams.

Für einen Fussballclub eröffnet ein eigenes E-Sports-Team neue Möglichkeiten, Mitglieder und Sponsoren für den Verein zu gewinnen und diese allenfalls auch für die «richtige» Fussballmannschaft zu begeistern. Zudem muss man das Spiel FIFA niemandem erklären, jeder kennt und versteht es.

Wirklich Geld verdienen kann man mit E-Sports aktuell (noch) nicht in der Schweiz. Das Ganze ist nach wie vor ein Hobby, für Thomas als Coach, aber auch für seine Spieler. Trotzdem gibt es nebst dem Spielspass auch für die Spieler Vorteile:

«  Es gibt viele Live Events auf der ganzen Welt. Dort vor Publikum zu spielen, fühlt sich ähnlich an, wie in ein Stadion einzulaufen. »