Russland: Wird aus dem Weg geräumt, was nicht ins Bild passt?

Ein Oppositionspolitiker kritisiert die russische Regierung live im Radio. Vier Stunden später wurde Boris Nemzow ermordet. Wird in Russland weggeräumt, was nicht ins Konzept passt. Der Film «Leviathan» zeichnet genau dieses Bild.

Durch die Ermordung Boris Nemzows ist Russland momentan in den Medien. Mafia ähnliche Methoden, Korruption und Verschwörung wird Russlands Regierung vorgeworfen. Der Film «Leviathan» will mit Vorurteilen und Spekulationen aufräumen und will Russland zeigen, wie es wirklich ist. Ob das gelingt? Unser Filmexperte Jérôme sagt: Kommt drauf an:

«  Je nachdem von welcher Seite man die Geschichte anschaut, sieht es anders aus. Die Filmemacher sagen, dass korrupte Beamte, viel Alkohol und die Verbrüderung von Kirche und Staat sehr russisch sind. Die Regierung hingegen sagt, das sei falsch und es werde zu oft im Film geflucht. »

Jérôme Brunner
Filmexperte

Worum geht's denn in «Leviathan»?

Im Zentrum steht eine arme Familie, die um ihre Existenz kämpft und sich gegen ihren korrupten Bürgermeister behauptet. Der Bürgermeister will das Land der Familie zu einem Spottpreis abkaufen. Die Familie will sich nicht vertreiben lassen und findet sich bald in einem Wirbel aus Gewalt, Geld und Macht wieder.

In russischen Kinos ist der Film nur in zensierter Form gezeigt worden - die Flucherei wurde rausgenommen. Und es wurde ein neues Gesetz erlassen: in Filmen und im Theater darf nicht mehr geflucht werden in Russland.

Oscaranwärter «Leviathan»

International hat der Film grossen Erfolg. Er wurde bei den Oscars nominiert als «Bester fremdsprachiger Film» und erntete durchgehend positive Kritik. Auch unser SRF-Virus Filmkritiker Jérôme Brunner ist begeistert:

«  Ein starker politischer Film und für jeden ein Must-See, der sich auch nur im entferntesten für Russland interessiert. »

Jérôme Brunner
Filmexperte

Out soon

«Leviathan» läuft ab nächstem Donnerstag (12. März) in ausgewählten Kinos bei uns.