Shit, unsere Musik ist kaputt!

Einem überwiegenden Anteil der Musik, die wir täglich konsumieren, fehlen Klanginformationen. Unverfälschte, unkomprimierte Musik mit sämtlichen kleinsten Details findet heute nur noch selten den Weg in unser Gehör. Was aber fehlt unserer Musik überhaupt – und wie klingt, was verloren geht?

Binärcode und Audiokurven

Bildlegende: Wird Musik komprimiert, geht Qualität verloren. SRF Virus

Wer einst einen MP3-Player der ersten Generation sein Eigen nennen durften, hat wohl irgendwann die bahnbrechende Entdeckung gemacht, dass der für heutige Verhältnisse lachhafte Speicherplatz von 32 Megabyte mit viel mehr Songs gefüttert werden konnte, wenn man die Files richtig fies herunterkomprimiert hat. Qualität war damals nicht so wichtig, Quantität ging vor.

Auch wenn wir im heutigen Zeitalter bezüglich Anzahl der Songs auf unseren Abspielgeräten kaum noch Kompromisse eingehen müssen, wir konsumieren immer noch fast ausschliesslich komprimierte Musik. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Songs von Spotify, Soundcloud, YouTube und vergleichbaren Services gestreamt oder als kostenpflichtige Downloads, beispielsweise via iTunes oder Google Play Store, gekauft werden.

Unsere Musik ist kaputt, aber..

Es stimmt zwar, dass bei fast allen Songs, die wir über den digitalen Weg hören, gewisse Klanginformationen fehlen – in den allermeisten Fällen merken wir das aber nicht. Grund für das Fehlen dieser Klanginformation ist das zwecks Reduktion der Dateigrösse vorgenommene Komprimieren der Musik. Je nachdem, wie stark die Datenmenge verringert werden soll, werden mehr oder weniger «vernachlässigbare» Informationen gelöscht. Heisst konkret, dass sehr tiefe Bässe oder leisere Klänge, die in lauten Passagen kaum oder gar nicht wahrnehmbar im Hintergrund stattfinden, weggelassen werden. Man spricht bei solchen nicht bewusst hörbaren Informationen oft auch von sogenannter Psychoakustik.

Um das Ganze ein wenig zu veranschaulichen, folgendes Beispiel: Man stelle sich vor, man steht vor einem Haus, das die Sicht auf ein dahinterstehendes Haus verdeckt. Es macht optisch für uns keinen Unterschied, ob das Haus dahinter nun dasteht oder nicht, weil wir es sowieso nicht sehen. Es könnte aus unserer Sicht also weggelassen werden, ohne dass sich für uns merklich etwas verändert.

Welche Informationen dabei in welchem Mass vernachlässigbar sind, haben findige Köpfe in komplizierten und aufwändigen Verfahren erforscht und in komplexe Kompressionsalgorithmen umgesetzt. Ein bereits ziemlich altes, aber immer noch das gängigste komprimierte Audioformat ist MP3. Weitere, mittlerweile zum Teil weit effizientere komprimierte Audioformate sind AAC, WMA, OGG oder auch die mehrkanaligen Formate DTS oder AC-3.

Komprimiert vs. unkomprimiert

Am Ursprung steht dabei aber immer die unkomprimierte, verlustfreie Version der Musik, die aber wie bereits erwähnt aufgrund der grossen Datenmengen nicht (oder noch nicht) wirklich webtauglich ist. Würde man nämlich ein 70-minütiges Album unkomprimiert in CD-Qualität streamen, würden rund 700 Megabyte an Datenvolumen beansprucht, was gerade für die Nutzung unterwegs eher ungeeignet ist. Da heutige digitale Musik aber oft bereits eine bessere Auflösung hat, als der CD-Standard, wäre wohl sogar noch mehr Datenvolumen nötig. Der Vollständigkeit halber auch ein paar Beispiele für unkomprimierte digitale Musikformate: WAV, FLAC, Apple Lossless oder WMA Lossless.

Digitale Klangabfälle

Was aber weggelassen wird, muss ja trotzdem nach etwas klingen, sonst wäre ja nichts weggelassen worden. Diese wegkomprimierten Klänge kann man hörbar machen, wenn man denn die unkomprimierte Version des Songs zur Verfügung hat. Man subtrahiert quasi die komprimierte Version eines Songs vom verlustfreien Original und was übrig bleibt, sind dann die nie mehr gehörten klanglichen Abfälle, der ins Jenseits beförderte akustische Geist des Songs.

Damit das alles etwas anschaulicher wird, zeigen wir dieses Phänomen an ein paar Hörbeispielen. Wir vergleichen drei Songausschnitte, je einmal in hoher Qualität und einmal als MP3 komprimiert. Im dritten Soundfile werden dann all die Informationen hörbar, die während des komprimierens auf der Strecke geblieben sind. Hör dir die kurzen Ausschnitte am besten mit einem guten Kopfhörer an.

Kompression und digitaler Abfall

Achtung: Bevor uns die audiophilen Nerds unter euch nun die Bude «Diese Beispiele sind gar nicht verlustfrei!»-schreiend einrennen, müssen wir zu unserer Schande klarstellen, dass wir leider nicht in der Lage sind, euch auf unserer Webseite wirklich verlustfreie Audiofiles bereitzustellen. Sprich: die Soundbeispiele sind alle komprimiert und allen fehlt im Vergleich zu den wirklich verlustfreien Versionen ein bisschen was an Klanginformation. Bei den Ausschnitten in hoher Qualität sind diese aber vernachlässigbar, während bei den komprimierten Beispielen bereits deutlich Informationen fehlen. Die Files mit dem klanglichen Abfall sind die Unterschiede aus den wirklich verlustfreien und den komprimierten Ausschnitten.

Don’t panic!

Solange einigermassen vernünftig – und vor allem nur einmal(!) – komprimiert wird, gibt es keinen Grund zur Sorge. Denn auch mit einem sehr guten Gehör wirst du keinen weltbewegenden Unterschied zu unkomprimierten Versionen feststellen können.