Sie sind neu und sie sind verdammt gut: Die 7 besten Bücher 2016

Du liest nicht gerne Bücher? Dann liest du die falschen! Ja, schlechte Bücher gibt es wie Sand am Meer – aber es gibt eben auch die richtig guten, die selbst den grössten Lesemuffel packen. Diese sieben Bücher haben mindestens so viel Suchtpotential wie die neusten abgehypten Serien:

Bücher

Bildlegende: Unsere Auswahl der besten Bücher 2016 SRF

Platz 7: Michelle Steinbeck «Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch»

Eine ernsthafte Störung habe diese junge Autorin, schimpft Elke Heidenreich im Literaturclub. Und jetzt ist Michelle Steinbeck auch noch für den Schweizer Buchpreis nominiert.

Vor lauter Aufregung und Kritik vergessen alle über die Geschichte zu sprechen. Die Hauptfigur Loribeth erschlägt aus Versehen ein Kind mit einem Bügeleisen. Das Kind packt sie in einen Koffer und haut ab. Eine abgefahrene Geschichte mit irren Bildern. Und jetzt: Lesen und Mund halten.

Platz 6: Thomas Melle «Die Welt im Rücken»

Er hatte Sex mit Madonna. Im Berghain trifft er Picasso, dem er Rotwein über die Hose kippt. Klingt nach Wahnsinn und grosser Unterhaltung. Schnell ist klar, wir haben es mit einem manisch-depressiven Menschen zu tun.

Was habe ich mich geschämt beim Lesen dieses literarischen Wurfs. Ich schäme mich für den Zwiespalt der sich in mir auftut, weil ich mich überrannt fühle oder niedergetrampelt und gleichzeitig lache ich so viel, weil gerade die Aktionen während der Manie urkomisch sind. Aber verdammt tragisch, rückblickend. Gebt Thomas Melle bitte den Deutschen Buchpreis!

Platz 5: Kate Tempest «Worauf Du dich verlassen kannst»

Worauf du dich verlassen kannst

Bildlegende: «Worauf du dich verlassen kannst» Rowohlt

Ich habe noch nie eine Frau gehört, die derart schnell rappen kann wie Kate Tempest. Ich habe ihr Album «Everybody Down» im Loop gehört und als ihr erster Roman erschienen ist, habe ich mich gefreut.

Schauplatz: London. Becky verliebt sich in Harry (eine homoerotische Geschichte ganz ohne Klischees!). Becky tanzt in Musikvideos mit, Harry vertickt Koks.

Drogen, Freundschaft und Begehren. Alles mit dabei.

Platz 4: Daniel Puntas Bernet & Daniel Weber «Die besten Schweizer Reportagen»

Die besten Schweizer Reportagen

Bildlegende: «Die besten Schweizer Reportagen» Nagel & Kimche

Sie sind die besten 21 Reportagen der letzten fünfzehn Jahre. Wer meint, dass die journalistische Königsdisziplin vom Aussterben bedroht sei, irrt gewaltig.

Die Geschichte über Sarah, ein 17-jähriges Mädchen aus Luzern, die an Leukämie stirbt, ist so eindringlich und intim geschrieben, dass man beim Lesen denkt, man erfahre Dinge, die man gar nicht wissen darf.

Leichter liest sich die Geschichte über Dulliken, wo keiner wohnen will. Nach dem Lesen ist man aber sicher, ich war da, auch wenn man wieder nur im Zug daran vorbei fährt. Sie ist unverwüstlich, die Reportage. Und das ist auch gut so.

Platz 3: Åsne Seierstad «Einer von Uns»

Einer von uns

Bildlegende: «Einer von Uns» Kein & Aber

Will ich das Innenleben eines Massenmörders kennen? Nein, schreien viele. Unbedingt, finde ich. Dieses Buch ist eine psychologische Studie und ein literarischer True Crime vom Feinsten.

Was in Anders Breivik abging, als er los zog um Kinder zu töten ist perfide und furchtbar. Das Unfassbare, das Furchtbare und das Wahre werden in einer so kühlen Sprache erzählt, dass einem das Blut in den Adern gefriert. Den Schuss ins Herz spürt man erst Tage später, wenn man das Buch fertig gelesen hat.

Platz 2: Andrea Fischer-Schulthess «Motel Terminal»

Motel Terminal

Bildlegende: «Hotel Terminal» Salisverlag

Meret, knapp 13 Jahre alt, kennt nichts als ihr kleines Zimmer. Weil die Welt böse ist, wie ihre Mutter Nora sagt, sperrt sie ihr Kind ein. Quält es und tötet es am Ende. Aus Liebe.

Andrea Fischer-Schulthess legt einen Erstling hin, bei dem ich mich frage, wo war diese Autorin bis jetzt? Gut, ist sie jetzt da, die brave Schweizer Literatur braucht ihre Stimme. Ich bin noch nie einer so eindringlichen Sprache begegnet. Das Unheimliche, das Absurde, das Abgründige und das Widerliche brennt sie mir mit grossartigen Bildern ein. Ich will diese Geschichte im Kino sehen bitte.

Platz 1: Benjamin von Stuckrad-Barre «Panikherz»

Panikherz

Bildlegende: «Panikherz» Kiepenheuer & Witsch

Koksen. Kotzen. Koksen. Kotzen. Und eine Liebeserklärung an Udo Lindenberg. Benjamin von Stuckrad-Barre war der coole und eloquente Typ der 90er-Jahre. Dann kam die Sucht. Bulimie. Kokain. Heute ist er clean, aber versehrt. Ein Leben als wäre es schlecht erfunden. Eine krasse Suchtbilanz die sich liest wie eine verdammt gute Line.

Funfact: Nach Zürich kam er, um clean zu werden. Rivella blau trinken und in den See springen, dachte er. Leider nein. Nach Zürich kommt er nie mehr. Er schulde zu vielen Dealern noch Geld. Er hat es sich nun doch anders überlegt und kommt nach Zürich, um am 19. November im Schauspielhaus in Zürich zu lesen. Das müsst ihr euch anschauen!

Nora Zukker

Nora Zukker

Nora steht auf gute Geschichten. Sie ist sprachvernarrt und ins Lesen eigentlich einfach so reingerutscht.

Jeden Donnerstag versorgt sie das Volk bei SRF 3 mit Stoff. An den übrigen Tagen schreibt sie an ihrem Buch, das wahrscheinlich nie fertig wird, weil sie auch schon wieder lesen muss.