Wann du deine Online-Präsenz etwas runterkurbeln solltest

Du fühlst dich oft unter Druck? Kannst nicht genau sagen, warum. Irgendwie fehlt die Zeit für das Wesentliche? Doch in jeder freien Sekunde scrollst du sinnlos durch den Facebook-Feed und herzst Fotos auf Instagram? Wann es ungesund wird und ob Aussteigen die Alternative ist, erfährst du hier.

Schöner Mann

Bildlegende: Dr. Joel Luc Cachelin Macht sich Gedanken über die Folgen der Digitalisierung. Virus

«Jetzt ist genug, ich lösch' Scheiss-Facebook!»

Kennst du es, dieses Gefühl, das dich ab und an beschleicht und dir sagt: «Jetzt lösch' ich das Scheiss-Facebookprofil!» Oft ist es schon am nächsten Tag wieder weg oder zumindest weniger stark. Dann denkst du, offline sein, das geht ja auch nicht, «wie halte ich dann Kontakt mit all meinen Freunden vom Austauschjahr / der Velotour in Südamerika / vom Backpacking in Thailand...?»

Die Online-Präsenz kostet Zeit und Energie

Das eigene Leben mit sympathischen Fotos hier und lustigen Kommentaren da dokumentieren und vor allem das Scrollen durch die endlosen Feeds von Facebook, Instagram - und bei den krass online vernarrten unter uns - Twitter. Dabei wollen wir eigentlich arbeiten, studieren, trainieren, Freunde treffen, den Haushalt schmeissen, fernsehen (ohne gleichzeitig zu Whatsapplen), Bücher lesen.

Wann ist genug?

«Rehmann» ging dem nach und lud Joel Luc Cachelin zum Gespräch. Joel beschäftigt sich beruflich mit den gesellschaftlichen Folgen der (Hyper-) Digitalisierung. Ab wann ist es ungesund, wann sollten wir die Online-Präsenz wirklich runterkurbeln?

«  Wenn du dich krank fühlst. Wenn du merkst, dass du darunter leidest. Wenn dir unwohl ist. Wenn du dich gestresst fühlst und dich nach einem anderen Leben - ohne all die Geräte sehnst. »

Dr. Joel Luc Cachelin

Doch was sind die Alternativen? Einfach alles ausschalten? Wirklich?

Vier alternative Lebensformen

1. Schafhirt David

David arbeitet den ganzen Sommer lang auf einer Alp in Graubünden. Als Schafhirt schaut er für 300 bis 700 Schafe irgendwo in den Bergen auf 2'500 m ü.M. Pro Saison geht er zweimal, manchmal dreimal ins Dorf. Sonst ist er alleine und unterhält sich mit den Schafen. Seine Geschichte gibt's im Video unten ab 35:50 zu hören.

2. Alexander bleibt 10 Tage lang stumm

Alexander hat auf der Suche nach innerer Ruhe eine 10-tägige Schweigekur gemacht. Meistens ging er erst um zwei, drei Uhr morgens ins Bett, fühlte sich rastlos. Deshalb hat er sich ins Vipassana-Meditationszentrum im Jura verabschiedet. Wie 10 Tage Schweigen als Art Reinigung des Geistes funktionieren, erzählt Alexander ab 1:00:04.

3. SAC Hüttenwart Beat

Mit seiner Freundin zusammen bewirtet Beat die SAC Hütte auf dem Malojapass. Mehr als die Hälfte des Jahres verbringt er dort. Gäste beherbergen, putzen, Küche, die Hütte in Schuss halten, 24/7 Job und es macht ihm grossen Spass. Wie es ihm täglich ergeht und, dass ihm das ständige Aufeinander mit seiner Freundin gar nicht stresst, erzählt er ab 1:24:50.

4. Viola und Marco leben auf dem Biohof

Aber nicht als «gewöhnliches Bauernpaar», die zwei führen den Hirschenhof hoch über dem Zugersee mit einer bestimmten Philosophie: Natur kommt an erster Stelle. Auf ihrem Hof mit vielen Tieren bieten sie auch Zimmer an für die Rehabilitation oder für Menschen, die in einer persönlichen Krise stecken und sich eine Auszeit nehmen wollen. Wie ihr Tag aussieht und das Leben mit einer Patchworkfamilie, erfährst du ab 1:38:30.

Muss es gleich so krass sein?

Wahrscheinlich nicht, oder? Vielleicht gibt es auch ein Zwischending, womöglich reichen schon mal zwei Wochen Facebook-Pause? Nicht jedes Happening muss auf Instagram gepostet werden. Vielleicht hilft es sich schon nur mal zu sagen, «Hey, das Fest war auch geil, wenn ich kein Foto davon geteilt habe!»