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Aktuell Was braucht's für das eigene Webvideo?

Der erste Schweizer Webvideopreis wird demnächst verliehen – wie macht man das gleich selbst, um den nächsten Preis abzuräumen? Wir stellen vor, was für kein, ein mittleres oder unbegrenztes Budget möglich ist.

Neun Bilder von Webvideo-Nominierten, darunter fünf Portraitaufnahmen von Menschen.
Legende: Die Nominierten für den Webvideopreis (und der berühmteste aller Youtube-Stars, Pewdiepie). Collage SRF, Youtube

Für das eigene Web-Video braucht es heute nicht viel: Es reichen ein YouTube-Konto (gratis) und ein Smartphone (haben praktisch alle).

Denken! Dann drehen.

Bevor ihr loslegt, fragt euch als erstes: Was will ich sagen? Wo will ich filmen – drinnen oder draussen? Actionvideo oder Schminktutorial? Solche grundlegenden Überlegungen bestimmen euren Aufwand und vor allem die Werkzeuge, die ihr dazu braucht.

Oft wird auch der Ton unterschätzt. Denkt deshalb auch daran: Welche Rolle spielt Audio in meinem Video? Sind meine gesprochenen Ausführungen zentral? Brauche ich nur Musik (Achtung Urheberrechte!)? Drehe ich einen Stummfilm?

Das Null-bis-fast-kein-Budget-Webvideo

Screenshot der Möglichkeiten, die der Youtube-Videomanager bietet.
Legende: Youtube bietet einige simple Werkzeuge an, um Videos zu editieren. Screenshot SRF

Falls ihr ein Smartphone besitzt, ist das schon eine gute Voraussetzung. Damit lässt sich im Handumdrehen ein Video aufnehmen. Auch mit einem Laptop samt eingebauter Kamera lassen sich Webvideos filmen.

Um die Aufnahmen kurz zu editieren, ist auch keine spezielle Software nötig. Im «Video-Manager» von Youtube könnt ihr einfache Bearbeitungen vornehmen (zu finden unter «Creator Studio»). Damit lässt sich das Bild aufhellen, ein Zeitraffer einfügen oder eine unruhige Aufnahme stabilisieren.

Smartphones verfügen über eine Kamera-App, mit der ihr normalerweise Bilder schiesst oder Videos dreht. Dieser App sind oft Grenzen gesetzt – Abhilfe schaffen Aufnahme-Apps. Mit ihnen könnt ihr beispielsweise den Weissablgeich bestimmen, die Belichtung, Stabilisierung und vieles mehr. Mittlerweile ist es auch möglich, auf den Smartphones direkt Videos zu schneiden. Folgende Apps und Software gibt dazu – ein Dollarzeichen symbolisiert, dass es Geld kostet:

  • iOS-Aufnahme-Apps: ProCam 3 ($), ProShot ($), Filmic Pro ($)
  • iOS-Editier-Apps: Vee for Video ($), Lumify, iMovie ($), Pinnacle Studio Pro ($)
  • Android-Aufnahme-Apps: Cinema FV-5 Lite, Open Camera
  • Android-Editier-Apps: AndroVid, Movie Edit Touch, PowerDirector ($), VideoShow Pro ($), Kinemaster ($)
  • Desktop: Windows Movie Maker, iMovie (Mac, $), Lightworks Free (Windows, Mac, Linux), Avidemux (Windows, Mac, Linux)

Gratis ist gut – doch Achtung: Manche der Apps fügen ein Wasserzeichen ein oder begrenzen die Aufnahmedauer. Das kann zu viel Frust führen, wenn im besten Moment die Aufnahme abbricht.

Lightworks und Avidemux
Legende: Lightworks Free (oben) und Avidemux (unten) sind gratis Schnittprogramme, die auf allen Betriebssystemen laufen. Collage SRF / Avidemux, Lightworks

Die Kamera des Smartphones stösst aber schnell an Grenzen: Oft sind die Aufnahmen unscharf, der Kamerazoom ist begrenzt. Zudem sind Aufnahme-Apps eng mit der Hardware verknüpft – gewisse Funktionen können deshalb eingeschränkt sein.

Auch die Tonqualität ist nicht immer optimal. Wer hier etwas Geld investieren will, hat zwei Möglichkeiten:

  • Externes Mikrofon an den Köpfhörerausgang, den USB- oder Lightning-Anschluss des Smartphones anschliessen.
  • Ein separates Aufnahmegerät verwenden. Die Ton-Aufzeichnung synchronisiert ihr in der Videoschnittsoftware mit dem aufgenommenen Video, das ersetzt so die Tonspur des Smartphones.

Ein weiterer Stolperstein: Videos drehen und schneiden leert die Batterie schneller, als man denkt! Besorgt euch entweder ein Akku-Pack oder nehmt das Aufladegerät mit.

Das Etwas-Budget-Webvideo: 400-600 Franken

Der oben genannte Preis ist primär für eine Fotokamera gedacht, die auch filmen kann: Spiegellose Systemkameras bieten eine bessere Funktionalität als Smartphones. Zudem lassen sich – im Gegensatz zu einer Kompaktkamera oder einem Smartphone – die Objektive austauschen. Trotzdem sind Systemkameras noch so klein, dass sie in jede Tasche passen.

Der Nachteil: Die Kamera ist kompakt und verfügt nur über wenige physische Knöpfe. Viele der Kamera-Einstellungen verbergen sich deshalb hinter einem verschachtelten Menü. Das erschwert die Bedienung der Kamera.

Ein weiterer Nachteil: Wegen Importbestimmungen begrenzen gewisse Hersteller die Aufnahmedauer, egal ob Systemkamera oder digitale Spiegelreflexkamera. Konkret bedeutet das: Wenn die Maximallänge von 30 Minuten erreicht ist, müsst ihr mit einem neuen Clip die Aufnahme erneut starten.

Das Egal-wie-viel-Webvideo

Ein Studio mit Lampen und Greenscreen. In der Mitte stehen drei Menschen.
Legende: Ein Beispiel: Eingerichtetes Studio mit Greenscreen und Lampen. Flickr/Natalie , Link öffnet in einem neuen Fenster

Wer wie ein Profi Webvideos erstellen möchte, hat die Wahl zwischen zwei Geräten: Einer digitalen Spiegelreflexkamera (DSLR) oder einer professionellen Videokamera (Camcorder). Beide bieten die Funktionalitäten und Annehmlichkeiten, die es für professionelle Videos braucht. Das bedeutet aber auch, dass ihr euch zuerst in die komplexen Funktionalitäten einarbeiten müsst – also mit der Kamera üben, üben, üben.

Auch für die Videobearbeitung könnt ihr euch nun bei den professionellen Schnittprogrammen umsehen: Zu den Topshots gehören Final Cut Pro, Adobe Premiere Pro, Lightworks Pro, Avid Media Composer und Pinnacle Studio.

Wenn der Preis keine Rolle mehr spielt, ist ein eigenes Aufnahmestudio möglich. Das kostet aber bald einmal zwischen 2000 bis 5000 Franken:

  • Lampen für das optimale Licht, zum Beispiel ein LED-Dauerlicht mit Dimmer und Stativ.
  • Separates Mikrofon – der Ton kann später mit dem Videomaterial synchronisiert werden.
  • Stativ für die Kamera.
  • Funkmikrofone, die sich an die Kleider anstecken lassen.
  • Greenscreen – ein grünes Tuch samt Stativ. Das erlaubt, während der Nachbearbeitung an der grünen Stelle selber Elemente einzufügen.

Was sind eure Tricks?

Das Angebot an Werkzeugen ist so gross, dass wir sicher etwas vergessen haben! Dazu kommt: Es gibt unzählige Wege, die zum perfekten Webvideo führen. Erzählt uns deshalb eure Tricks und Favoriten in den Kommentaren – wir sind gespannt darauf!

5 Kommentare

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  • Kommentar von Boris S (MostFormal)
    Thema Musik/Soundtrack finde ich sehr spannend. Ich mache mir jeweils die Mühe, einen passenden Open Source Soundtrack zu suchen. Mir ist aber aufgefallen, dass häufig urheberrechtlich geschützte Songs verwendet werden, die z. B. von Youtube toleriert werden. Was habt Ihr für Tipps für die Auswahl von Soundtrack? Gibt es Quellen für Open Source Musik, die Ihr empfehlt? Wann (und in welchen geografischen Regionen) wird geschützte Musik in Youtube geduldet? Danke!
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    1. Antwort von Méline Sieber, SRF Digital
      Allgemein lohnt es sich, Musik zu verwenden, die mit Creative Commons lizenziert wurde - und Creative Commons listet gleich einige Bezugsquellen auf: https://creativecommons.org/about/program-areas/arts-culture/arts-culture-resources/legalmusicforvideos/ Auch Bandcamp hat einen eigenen Creative-Commons-Tag (https://bandcamp.com/tag/creative-commons) - hier lohnt es sich, nach weiteren Tags zu suchen und im Zweifelsfall die Musikerinnen und Macher direkt anzufragen.
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  • Kommentar von Ursin Gaudenz (Urseen)
    Bin vor einigen Monaten von Apple auf ein Android-Tablet umgestiegen. Bin soweit auch sehr zufrieden. Nur: iMovie fehlt!! Kann mir jemand eine App empfehlen, die an iMovie rankommt? Ich habe schon viel ausprobiert. Kinemaster war bis jetzt mein Favorit, lässt jedoch nicht Videos in HD bearbeiten...(GoPro Aufnahmen) Für Tipps bin ich sehr froh!! Es darf ruhig ein Programm sein, das auch ein wenig teurer ist.
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  • Kommentar von Nicolas Nater (Agluegt)
    Ich arbeite mit meiner DSLR (noch) und Sony Vegas (noch). Scharfe Bilder kann jede Kamera machen, aber ich finde, dass die Post-Produktion extrem wichtig ist. Ich kämpfe etwas mit der Bedienbarkeit von Vegas, damit mein Gesicht nicht zu blau oder zu gelb ist. Ich finde, mit einem Smartphone macht man glatte Sachen, aber bildsprachlich und -gestalterisch kommt man kaum um ein anständiges Objektiv rum. Und: Die Ausleuchtung und der Ton sind wahnsinnig wichtig!
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