Was die Personalisierung im Web mit uns anstellt

Google, Facebook, Twitter - und bald auch Instagram. Unsere Lieblings-Webdienste personalisieren Inhalte, damit das Angezeigte auch wirklich unseren Interessen entspricht. Wir haben mit Ökonom Joël Luc Cachelin über Vor- und Nachteile dieses Trends gesprochen.

Mehr und mehr verknüpft sich unsere digitale Gegenwart mit unserem Offline-Leben. Internetdienste wie Facebook und Google passen ihre Inhalte unseren Interessen an.

Heisst im Klartext: «Like» ich auf Facebook wiederholt Posts meiner Lieblingsband, wird mir irgendwann bald jeder noch so kleine Post dieser Band auf meiner Wall angezeigt. «Like» ich nichts von meinem Arbeitskollegen, verschwindet dieser komplett aus meinem Newsfeed.

Kürzlich kündigte Instagram an, den Newsfeed in naher Zukunft ebenfalls personalisieren zu wollen. Wir haben mit Joël Luc Cachelin über Vor- und Nachteile dieser Personalisierung gesprochen.

Das intensive Leben

«Wir bekommen genau das, was uns interessiert», sagt Joël. Die Personalisierung ermöglicht ein intensiveres Leben und wir entdecken so beispielsweise Serien, die uns interessieren.

Zwei unterschiedliche Suchverläufe auf Google

Bildlegende: Google nicht gleich Google Je nachdem, wer googelt, kann das Ergebnis ganz anders ausfallen. SRF Virus

Die Personalisierung wird mittels Algorithmen, also Computerberechnungen, gesteuert. Wie die Algorithmen arbeiten, ist ein wohlgehütetes Geheimnis, vergleichbar mit dem Coca-Cola-Rezept.

Doch die Personalisierung hat auch Nachteile: «Die sogenannte Filter Bubble ist ein Problem.»

Dank der «Filter Bubble» entwickeln sich soziale Netzwerke zu einem persönlich optimierten, digitalen Raum, der genau deinen Interessen und Vorlieben entspricht. Aber eben wirklich nur DEINEN Interessen und Vorlieben. Soll heissen: Alles, was ausserhalb ist, bekommst du nicht mit.

Werden wir manipuliert?

«Es ist nicht ganz klar, wer bestimmt, was schlussendlich zu uns vordringt», sagt Joël. Zum einen sind das sicherlich wir selbst: Was wir anklicken, wird für uns als interessant eingestuft. Siehe Zalando: Einmal auf ein Hemd geklickt, verfolgt es dich auf ewig. «Die Schwierigkeit ist, zu erkennen, wofür man selber verantwortlich ist und welche Posts vom Unternehmen eingespeist werden.»

«  Die Schwierigkeit ist, zu erkennen, wofür man selber verantwortlich ist... »

Eine weitere Folge: Allzuschnell befindet man sich in einem «Spiegelsaal». «Man wird nur mit dem eigenen Weltbild konfrontiert», so Joël. Beispiel Abstimmungen: Nur selten sieht man Posts anderer Meinungen - die eigene Meinung herrscht stets vor.

Vielfalt als Lösung

Für Joël sind die Nachteile und Vorteile nah beisammen. Als einfaches Mittel gegen die negativen Aspekte der Personalisierung nennt er die Vielfalt: «Das Verwenden mehrerer (sozialen) Medien gleichzeitig ist eine Möglichkeit.» Weiter soll man das zufällige Element des menschlichen Lebens fördern.

«  Man wird nur mit dem eigenen Weltbild konfrontiert. »

«Man sollte wieder mehr offline unterwegs sein und etwas mit Menschen unternehmen, die man zufällig im Ausgang kennengelernt hat», so Joël. Serien-Tipps oder ähnliches auch wieder einmal offline einholen. Denn im Gegensatz zum Offline-Leben gibt es online keinen Zufall. Dort wird alles genau auf deine jetzigen Interessen angepasst – dank der Personalisierung.

Gegen die Einführung eines personalisierten Feeds bei Instagram gibt es eine Petition. Hier findest du sie.

Dr. Joël Luc Cachelin

Dr. Joël Luc Cachelin studierte an der Universität St. Gallen Ökonomie und machte dort seinen Doktor. Seit 2009 leitet er den Think Tank «Wissensfabrik» und ist Autor mehrerer Sachbücher zum Thema Gesellschaft im digitalen Zeitalter.

«Filter Bubble»

Die «Filter Bubble» (Filterblase) ist ein von Eli Pariser geprägter Begriff. Pariser stellt die These auf, dass durch die Personalisierung Menschen in eine Blase geraten. In dieser Blase wird nur die eigene Weltsicht bedient, andere Ansichten werden ignoriert. Hier findest du einen Ted-Talk von Pariser.