Das erste Album der Schweizer Indie-Supergroup All XS

Surprise, Surprise! Das erste Album der Berner Indie-Supergroup All XS lockt mit XXL-Popsongs. «Soma Fortuna United» erscheint diesen Freitag – einen Tag vorher feiert die Band Live-Premiere bei uns im Studio.

All XS machens wie Radiohead, James Blake, oder Beyoncé: ohne Vorankündigung, ohne grosses Tamtam und ohne viermonatige Newsletter-Kampagne veröffentlichen die vier Musiker mit Hauptsitz Bern diesen Freitag ihr erstes Album «Soma Fortuna United».

Die Köpfe hinter All XS sind jedoch alles andere als unbeschriebene Blätter: Das Brüderpaar Niklas und Moritz Stettler war in der Vergangenheit als Labrador City unterwegs, alle vier All XS-ler haben Beziehungen zum Berner Musikkuchen «Oh, Sister». Jene Pop-Grossfamilie also, die sich seit mehreren Jahren an der Speerspitze der blogfertigen und melodiereichen Schweizer Gitarrenmusik befindet.

Im Herzen Pop, in den Beinen Ibiza

Labrador City, das ehemalige Projekt der Gebrüder Stettler, haben ihre Songs einst in einem Berghüttli aufgenommen. Das Motto für «Soma Fortuna United» schien jetzt aber ein ganz anderes gewesen zu sein: «Vamos a la playa!»

Das Schlagzeug muss den Drumbeats weichen, der Vibe des Albums ist von der ersten Sekunde an klar: Wir legen unsere Yacht vor Ibiza an!

«Soma Fortuna United» klingt nach 2017, ist aber gleichzeitig eine Hommage an jene Zeiten, in denen Musik die beizeiten herrschende Weltuntergangsstimmung nicht unterstreichen, sondern vergessen machen wollte.

All XS springen zwischen den Referenzen und Jahrzehnten hin und her. Mal klingt es wie der beste Song, den New Order seit 15 Jahren geschrieben haben («Don't Play With My Heart»), mal wie ein Happy Mondays- respektive Saint Etienne-mässiges Throwback an die frühen 90er-Jahre («Monotony»).

Und dann, wenn man denkt, dass man die Platte endgültig dechiffriert hat, kommt ein Gastauftritt eines Grime-Rappers («Millennials»).

Letzterwähnter Song ist es dann auch, der das Thema der ganzen Platte in einem einzigen Statement zusammenfasst. «I'm in the company of millennials / having a hard time seeing what's ahead of us», singen All XS.

Dabei sind es doch genau solche Alben wie «Soma Fortuna United», die sich als Soundtrack für jene No-Future-Millennials eignen, die sich auf Teufel komm raus auf keine Langzeitpläne festlegen möchten. «Soma Fortuna United»: den Moment geniessen, alles um sich herum einsaugen und auf keinen Fall an Morgen denken.

Anspieltipps: «The One», «Millennials», «Monotomy», «Selam», «2001»