Rio: Dieser Drummer muss ein Hexer sein

Schüchtern schillernd, spielerisch und extrem gut hörbar: Das Debüt von Mario Hänni aka Rio ist ein sweetes kleines Popalbum. Aus Dutzenden von Songskizzen, die sich über die Jahre gestaut haben, haben sich sieben Songs kristallisiert: ein zeitnaher und ehrlicher Eindruck seines Schaffens.

Es gibt ja so Skills, die man bei anderen beobachtet und von denen man gleichzeitig weiss, dass man sie selber nie haben wird: joggen, laut pfeifen ohne Finger (Hexerei!), jonglieren, etc.

Wenn man irgendwie via Nanotech-Injektion oder Genmanipulation dazu kommen könnte, sich diese Fähigkeiten anzueignen... ich würde mir schneller eine Nadel in den Arm rammen als du «gesunder Menschenverstand» aussprechen könntest.

Auch Mario Hänni alias Rio kann etwas, das ich sehr bewundere: Schlagzeug spielen. An und für sich ja schon eine koordinativ übermenschliche Leistung – wenn er dann aber noch gleichzeitig mit engelshafter Gelassenheit und mathematischer Präzision singt, dann... Sorry, ich komm einfach nicht drüber hinweg, wie das gehen soll.

Pablo Nouvelle, Hanreti, jetzt solo

Meine Obsession zur Seite, zurück zu Mario: Mario ist nämlich nicht nur Schlagzeuger, er lebt auch in der Schweiz. Und wenn man in der Schweiz gut Schlagzeug spielen kann und ein paar andere Eigenschaften wie «guter Teamplayer», «pünktlich» und «kein Mörder» aufweist, dann ist man extrem beliebt und darf zwangsläufig in verschiedenen Bands mitspielen. (Das ist bei den meisten Schweizer Musiker so – aber bei Drummern ganz besonders.)

So drummt Hänni z.B. bei Hanreti oder Pablo Nouvelle – und übernimmt bei beiden Bands stellenweise auch tragende Gesangsrollen. Nun stellt er sich aber auch endlich solo in den Vordergrund. Unter dem Namen Rio droppt er jetzt das Mini-Album «Magnus».

Der Sound von Rio baut auf den übermenschlichen Rythmusskills des Aargauers auf. Dass ein sauguter Drummer ebenso geil Drumcomputer bedienen kann, macht irgendwie Sinn.

Sein Gespür für feine Melodien und seine fistelige, hohe Stimme mit ebenso hohem Wiedererkennungswert geben dem teils experimentellen Pop, den er auf «Magnus» zeigt, einen angenehmen Faden in Rottönen. Besonders das spielerisch verträumte «Milky Way» und der Lagerfeuer-schleppige Titelsong «Magnus» haben es mir angetan.