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#Cypher18 Nimm Dich in Acht, Schweizer Showbiz!

Der Cypher zeigt: Rap aus der Schweiz befindet sich weiter auf einem Höhenflug. Das ist schön und kommt sämtlichen Beteiligten zu Gute. Die Szene wird weiterhin wachsen, doch sie steht dabei auch vor einer ganz grossen Herausforderung: Sie darf sich vom Mainstream nicht schlucken lassen.

Cypher
Legende: SRF Virus / Alan Sahin

Auch der fünfte «Virus Bounce Cypher» zeigt einen ehrlichen Querschnitt der vielfältigen und aktiven Rapszene unseres Landes. Die Veranstaltung wird Jahr für Jahr professioneller und grösser und kein Hobby kriegt soviel Aufmerksamkeit, wie das eines Rappers in der Schweiz. Der Cypher auf SRF Virus befeuert jedes Jahr diese Welle an Zuneigung und Aufmerksamkeit und ist damit Balsam für die kollektive Seele der Szene. Alles zu Recht.

Die Schweizer Rapszene ist in Sachen Styles und Subgenres diverser denn je und inzwischen eine Talentschmiede für den Mainstream und die Musikindustrie. Einige Exponate der Szene sind so stark, lyrisch versiert und sprachlich begabt, dass schon alleine sie die ganze Aufmerksamkeit wert sind. Auch dieses Jahr stachen die Berner Fraktion um Lo und die wohl stärkste Zürcher-Rapgeneration angeführt von Physical Shock, Link öffnet in einem neuen Fenster hervor. Hörenswerte Beiträge lieferten Dawill, Link öffnet in einem neuen Fenster, Ali, Link öffnet in einem neuen Fenster, das No-Basic-Camp, Sulaya, Link öffnet in einem neuen Fenster, Semantik, Link öffnet in einem neuen Fenster, Maurice Polo, Link öffnet in einem neuen Fenster, Ruff & Limmitt, Link öffnet in einem neuen Fenster, Arthi & Jears, Link öffnet in einem neuen Fenster, Chilz, Link öffnet in einem neuen Fenster und La Base, Link öffnet in einem neuen Fenster. Auf ganz gutem Weg in ihrer Entwicklung befinden sich Youngsters wie 24Dias, Link öffnet in einem neuen Fenster, Luuk, Link öffnet in einem neuen Fenster, Monet192, Link öffnet in einem neuen Fenster und Ryler Smith, Link öffnet in einem neuen Fenster, die alle vier eine eigene Ästhetik entwickeln und durch ihre starke Delivery auffallen.

Die Zukunft ist gesichert

Desweiteren gab es zwei ganz grosse Überraschungen: Zum einen das neue No-Basic-Signing Jamal, Link öffnet in einem neuen Fenster, das ein ganz grosses Versprechen für die Zukunft zu sein scheint. Der 19-Jährige meisterte seinen ersten Cypher mit Bravour und liess dabei seine Genialität aufblitzen. Er arbeitet mit Hochdruck an seinen ersten Veröffentlichungen. Die zweite grosse Überraschung für Aussenstehende war KT Gorique, Link öffnet in einem neuen Fenster aus dem Wallis. Innerhalb der Szene machte sie schon letztes Jahr von sich reden. Hoffentlich räumt sie bald alles ab, was ihrem unglaublichen Talent, bescheidenen Auftreten und ihrer sympathischen Energie gerecht wird. Die Big Names Pronto, Nativ, Superwak Clique (die echte) und Mimiks waren leider nicht anwesend, was schade ist. Ihre Abwesenheit erhöht jedoch die Vorfreude auf nächstes Jahr.

Der No Name namens Knackeboul

Und dann gibt's noch diesen einen Dude namens Knackeboul, Link öffnet in einem neuen Fenster. Wegen meiner persönlichen und künstlerischen Nähe zu diesem Menschen, möchte ich mich mit Komplimenten nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber: Knackeboul ist und bleibt einer der intelligentesten, komplettesten und versiertesten Rapper der Schweiz. Er schafft es nun auch, seine Widersprüche zum Inhalt seiner Kunst und zu einer Waffe zu machen. Sein Part ist ein Skill-Feuerwerk und eine Machtdemonstration – No-Comment-Modus auf Euro News.

Der Mainstream lockt mit Zückerli

Das sprachliche und technische Niveau der grossen Aushängeschilder braucht den internationalen Vergleich nicht zu scheuen. Den deutschsprachigen MCs steht dabei leider wohl immer noch die Sprachbarriere für einen internationalen Durchbruch im Wege, für die Speerspitze welscher Acts winkt mit dem internationalen frankophonen Markt eine lukrative Einnahmequelle, um in einem professionellen Umfeld von der Musik zu leben. Einige Schweizer Produzenten, allen voran OZ, arbeiten bereits in der absoluten Champions League des Games. Andere könnten sich in eine ähnliche Richtung entwickeln – oder zumindest in Deutschland bald Fuss fassen.

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Das grösste Plus der Szene ist ihre Unverfälschtheit, ihre Direktheit und ihre kindliche Ehrlichkeit, welche auch am Cypher jedesmal zum Vorschein kommt. Die Symbiose dieser Eigenschaften im Zusammenspiel mit den persönlichen Charakterzügen einzelner, wichtiger Charaktere der Szene, haben ihr Haltung und Identität aufgedrückt: Die Schweizer Rapszene duldet keinen Rassismus und mischt sich immer wieder in politische Debatte ein. Der schweizerische Musik-Mainstream hingegen mag das nicht sonderlich. Die Industrie will glatte und formbare Acts, die sich einfach vermarkten lassen. Wir müssen uns als Szene fragen, ob wir dem Lied dieser Wohlfühloase einstimmen wollen, oder weiterhin kritischer und subversiver Berichterstatter der Hinterhöfe, Seitengassen, Innen- und Vorstädte bleiben möchten.

Dabei ist es wichtig zu präzisieren: Ich bin absolut dafür, dass Rap im Schweizer Mainstream stattfindet. Die Frage ist nur, passt er sich wie bis anhin den Gepflogenheiten des Mainstreams an, oder nutzt er ihn dafür, der Wohlfühloase mit Realness neues Leben einzuhauchen? Die nächste Chance genau dafür bietet sich am 9. Februar 2018 im Hallenstadion. Der Cypher ist Showblock an den Swiss Music Awards. Mit Xen, Link öffnet in einem neuen Fenster, Arthi, Link öffnet in einem neuen Fenster, LCone, Link öffnet in einem neuen Fenster, KT Gorique, Link öffnet in einem neuen Fenster und Ali, Link öffnet in einem neuen Fenster schicken wir eine Delegation an den wichtigsten Musikpreis der Schweiz, die nicht nur für die Vielfältigkeit unserer Szene, sondern auch der unseres Landes steht. Xens Ansage in seiner Instagram-Story schürt grosse Erwartungen und Vorfreude: «Heb di fescht, Schwiizer Showbiz!»

Über den Autor

Über den Autor

Uğur Gültekin ist Journalist und beschäftigt sich in seiner Arbeit intensiv mit Rapmusik und Hip-Hop-Kultur. Am Cypher produzierte er für SRF Virus redaktionelle Inhalte.