Braucht es das B-Sides wirklich?

Die «lauwarme Bier-Dusche» ist der Moment, in dem wir den Schweizer Festival-Bookern die unangenehmen Fragen stellen. Aktuelle Dusch-Opfer sind Marcel Bieri, Booker des B-Sides-Festival und Mediensprecher Urs Arnold.

Stramm stehen vor der Bierdusche: Medeinchef Urs Arnold, Virus-Moderator Dominique Iten und Booker Marcel Bieri

Bildlegende: Stramm stehen vor der Bierdusche: Medienchef Urs Arnold, Virus-Moderator Dominique Iten und Booker Marcel Bieri SRF

Braucht es neben der Bad Bonn Kilbi wirklich ein zusätzliches, ausschliesslich auf Independent-Musik fokussiertes Festival?

Urs Arnold: Ja, natürlich. Eins alleine würde doch nie reichen! Natürlich sind wir Indie-orientiert, aber wir bieten auch ein tolles Gelände und eine wahnsinnig gute, eigene Küche. Als Gesamtpaket gesehen ist das B-Sides einzigartig in der Schweiz.
Marcel Bieri: Und ich glaube es braucht noch mehr Festivals, welche gute Schweizer- und internationale Musik abseits des Mainstreams fördern.

Von den fast 50 Prozent Schweizer Bands, die am B-Sides spielen, sind sehr viele aus dem Raum Luzern. Seid ihr da nicht zu lokalpatriotisch?

Marcel Bieri: Wir erhalten halt ganz viel Geld dafür (lacht). Nein, wir finden, man kann nicht lokalpatriotisch genug sein. Es gibt nach wie vor zu wenige Plattformen für diese Bands. Junge Schweizer Bands brauchen zwingend Live-Routine, vor allem auch vor grösserem Publikum. Darum ist es wichtig, dass Festivals wie das B-Sides oder auch die Bad Bonn Kilbi genau solchen lokalen Talenten die Chance gibt, sich zu präsentieren.

Ist das B-Sides nicht auch wie der Gurten? Ein Festival, an dem den Besuchern das Drumherum wichtiger ist als die Musik?

Urs Arnold: Das gehört sicher dazu. Es gibt viele Menschen, die sich immer wieder da treffen - und es soll ja auch ein Ort der Begegnung sein. Wir sagen niemandem: «Hey, steh' jetzt vor die Bühne und schau dir alle Konzerte an!» Die Besucher sollen eine gute Zeit erleben. Und wenn sie dann noch eine oder zwei Bands mitnehmen, umso besser! Aber wir schreiben niemandem vor, wie er das Festival zu erleben hat.

Aber schliesst ihr mit eurem Line Up, das eher auf ein älteres Publikum zielt, nicht einen grossen Teil junger Menschen aus?

Marcel Bieri: Das kann vielleicht passieren. Wie die junge Generation wirklich funktioniert, weiss ich nicht immer genau. Ich mache das, wovon ich denke, dass es gut ist und funktioniert. Und wenn ich damit jüngere Leute erreiche, freut mich das natürlich enorm. Aber es ist schon eine Tatsache, dass viele jüngere Menschen an die grossen Festivals gehen und dort ihre Musik entdecken und das B-Sides die Leute eher in einem späteren Alter abholt.

Wäre es denn nicht einfacher, sich etwas kommerzieller auszurichten und dafür mehr Geld für einen tollen, grossen Headliner zu haben?

Urs Arnold: Also wir sind ganz zufrieden mit unserer Ausrichtung. Wir sind gar kein Festival, welches riesige Headliner präsentieren will. Und wir wollen auch nicht manisch darauf achten müssen, dass wir ja alle Tickets verkaufen. Wir stehen für ein homogenes Programm und es sollen drei in sich stimmige Tage sein. Wir sind also nicht so scharf auf die grossen Bands, welche in drei bis fünf Jahren dann weltweit völlig durchstarten sollten.