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Festival Delinquent Habits schmeissen mit Weisheiten um sich

Die Tequila-spendierenden West-Coast Raplegenden waren vor der Show (noch) nicht in Vollzahl - aber Ives Irie hatte Bock auf ein Interview, und Lordy Lord kam das anders raus als gedacht. Deepnessattacke.

Lektion eins, nach fünf Jahren Royal Arena Festival: sag nie nein zu einem Interview! Auch wenn du dir denkst, naja, diesen Act spielen wir jetzt wirklich fast nie in unserer Hip-Hop-Sendung Bounce, und einen Hit hatten sie auch schon seit 1842 nicht mehr.

Falsch! In Orpund fliesst wohl eine Mischung aus Wahrheitsserum und Halluzinogenem durchs Wasser, denn immer wieder gibt es an diesem überblickbaren Rapfestival überraschend ehrliche Momente.

Wollt ihr ein Interview mit Delinquent Habits?

Ives Irie posiert mit unserem Pablo Vögtli
Legende: Ives Irie von Delinquent Habits posiert mit unserem Pablo Vögtli. SRF Virus / Simona Vallicotti

«Hmm, ich kenne den Dude vom Teqi-Kampftrinken und von Westcoast-Latino-Bangermusik mit viel Trompeten. Aktuell ist es auch nicht. Brauchen wir das Interview echt?», denke ich – und überwinde mich trotzdem.

Dann kommt alles anders, als gedacht: Ich steppe bewaffnet mit meinen Fragen rein, vergesse sie aber schon nach der Begrüssung wieder. Denn der Rapper geht, schnell zur Sache.

Sometimes I just hurt more than other people do.

Ives ist ein intelligenter Typ, der nach Eigenaussage in jeder Diskussion und zu jedem Thema seine Meinung in einer Arena vertreten und äussern kann – aber: «Manchmal treffen mich Dinge einfach härter als andere Menschen», gibt er zu.

Über den psychischen Gesundheitszustand von Kreativmenschen, über Dämonenvernichtung durch Musik, über unser geteiltes «Leid» des Klassenclowns, den wir beide wären, (ständen wir nicht regelmässig auf Bühnen), ging es in elf intensiven Minuten ungewöhnlich tief zum Wort.

In der Regel gibt es das an einem Festival nicht, also nutze ich die Gunst der Stunde, sehe von meinem vorbereiteten Hip-Hop-Fragen ab und gehe mit dem Fluss des Gesprächs.

Eine Sex-Frage darf trotzdem nicht fehlen

Bei der ganzen Deepness muss ich dann aber dennoch etwas Leichtherziges einwerfen, schliesslich ist man im Medien-Backstagebereich eines Rapfestivals ja umringt von zehn Leuten, wo solche Themengebiete meist gemieden werden wie zugekokste Tourmanager.

Auf die Aufforderung, Essen, Sex und Schlaf in eine Rangordnung zu setzen, meint er prompt: «Essen. Schlafen, dann Sex. Erstens hatte ich sehr viel Sex in meinem Leben und zweitens: Essen und Schlaf ermöglicht es mir, besseren Sex zu haben.» Muahah.

Knackeboul und die Hoden im Gesicht

«Zu guter Schluss dann noch ein Gruss von Knackeboul», sage ich. «Wegen dem ganzen Aufwachen mit deinen Hoden im Gesicht.» Er lacht.

True Story, anno 2009 ging der Langenthaler Rapper Knackeboul (als wohlbemerkt bisher einziger CH-Rapper) auf eine ziemlich anstrengende Tour mit den trinkfesten Habits, Link öffnet in einem neuen Fenster. Und ja, sagen wir mal so: um die Jungs herum sollte man einfach nie als Erster einschlafen, sonst wird man «ge-tea-baggt», aber dazu gerne ein anderes Mal mehr.