Tiefer Euro: Auswirkungen für Festivals?

Seit dem Eurosturz ist Einkaufen im Euroland so billig wie noch nie. Was heisst das für die Schweizer Festivals? Gibt's dickere Line-ups für weniger Geld oder bleiben die ausländischen Besucher aus? Wir sprechen mit den Veranstaltern vom Gurten, St. Gallen, Frauenfeld und weiteren Festivals.

Wie wirkt sich der tiefe Euro für Openair Frauenfeld und co. aus?

Bildlegende: OAF 2014 Wie wirkt sich der tiefe Euro für Openair Frauenfeld und co. aus? Facebook

Der Entscheid der Schweizer Nationalbank kam überraschend. Am Donnerstag verkündete sie, den Mindestkurs für den Euro aufzuheben. Für einen Euro musste man so nur noch 98 Rappen bezahlen - Anleger am Aktienmarkt waren bestürzt. Einkaufswütige stürzten hingegen an die Bankomaten.

Doch welche Auswirkungen hat der tiefe Euro auf die Musik- und Festivalbranche?

Kommen nun weniger Besucher aus dem Ausland?

Bei diesem Eurokurs kommt keiner aus dem Ausland bei uns Shoppen. Bleiben die Besucher aus dem Euroraum auch an den Festivals aus? Beim Gurten Festival, den Winterthurer Musikfestwochen und dem Openair St. Gallen bleibt man gelassen. Sie haben eh nie viele ausländische Gäste, tönt es unisono von den Veranstaltern.

Doch bei Festivals nahe der Grenze liegt die Vermutung nahe, dass die Besucher aus dem Ausland ausbleiben. Zum Beispiel beim grenznahen Openair Frauenfeld. Aber von Panik ist auch dort keine Spur.

«  Der Ticketverkauf läuft gut. Wir haben nach wie vor hauptsächlich Schweizer Gäste, deshalb fällt der tiefe Euro nicht ins Gewicht.  »

Joachim Bodmer
Openair Frauenfeld

Beim Paléo Festival in Nyon ist die Sorge um ausbleibende französische Besucher etwas grösser. Der Rückblick auf die vergangenen Jahre lässt trotzdem keine Panik aufkommen.

«  Für Besucher aus Frankreich ist der 1:1-Eurokurs nicht sehr positiv. Aber wir hatten vor einigen Jahren eine ähnliche Situation. Der Euro fiel damals von 1.60 Fr. auf 1.40 Fr. und wir merkten keinen Unterschied. Wir hoffen, dass es diesmal genauso sein wird. »

Michèle Müller
Paléo Festival

Gibt's jetzt fettere Festival-Lineups?

Der tiefe Euro (und Dollar übrigens auch) verspricht eine Erleichterung im Budget. Die meisten Gagen werden in Euro oder Dollar ausbezahlt. Deshalb können die Festivalbetreiber Geld sparen, falls sich der Kurs bis zur Auszahlung der Gagen nicht wieder erholt.

Grössere Acts holen sich die Festivals dashalb aber wahrscheinlich nicht an Land, da die meisten Bookings schon gemacht sind.

«  Wegen den steigenden Gagen können wir uns gewisse Bands, die wir gerne hätten, eh nicht leisten. Aber die Kurskorrektur tut unserem Budget dennoch gut. »

Phibe Cornu
Gurten Festival

Gewonnen haben die, die den Braten früh genug gerochen haben und sich vorsorglich mit Euros eingedeckt haben.

«  Unser Buchhalter hatte auf dem Schirm, dass wir in der nächsten Zeit Euros brauchen werden und dass wir schon mal ein kleines Depot anlegen sollten.  »

Matthias Schlemmermeyer
Winterthurer Musikfestwochen

Alles in allem sieht's für die Veranstalter gar nicht so schlimm aus. Panik schiebt man wegen ausbleibender Gäste nirgends. Vielmehr herrscht Erleichterung über tiefere Bookingpreise.