Tinder am Festival: Wir machen den Test

Jessi ist jung, hübsch und Single. Sie tindert auch abseits von Festivals, hat aber die Dating-App extra für uns am Openair Frauenfeld genutzt. Was sie erlebte, schockierte und freute – hier ihre Erfahrungen.

Vor dem Tindern am Festival

Unser Lockvogel heisst Jessi. Sie nutzt Tinder zwar auch im «normalen Leben», lehnt sich hier am Openair Frauenfeld aber extra weit aus dem Tinder-Fenster. Sie ist offensiver und schreibt «flirtier» um zu testen, wie weit die Tinder-User an einem Festival gehen.

Fazit nach Tag 1: Fast alles positiv

Ich treffe Jessi spätabends im Dunkeln. Wie war ihr erster Tinder-Tag? Sie lacht mich an. «Hey, ich bin mega positiv überrascht von den Männern am Openair Frauenfeld», sagt sie.

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Bildlegende: Das ist Jessi, 21 Jahre alt SRF

«Sie sind zwar im Durchschnitt extrem jung, aber sehr anständig. Die meisten schreiben herzig, geben sich Mühe und sind nicht direkt auf Sex aus. Sogar wenn ich nach einem Treffen im Zelt gefragt habe, blockten sie ab. Sie wollen einfach mal ein Bier mit mir trinken.

Das ist nicht selbstverständlich, wenn ich ans Tindern sonst denke.»

Auffallend sei, dass die Männer sehr aktiv sind. Egal um welche Zeit man eine Message schreibt, es kommt innert Minuten eine Antwort zurück.

Wie sich das Festival-Tindern vom «normalen» Tindern unterscheidet, möchte ich von Jessi noch wissen. Hier am Openair wird sie häufiger gefragt, ob sie was trinken kommen möchte, sagt sie. Grund dafür sei wohl, dass die Zeit hier begrenzt ist. Die Leute wissen, dass man zwei bis drei Tage auf dem gleichen Platz sei. Diese Zeit kann für einen gemeinsamen Drink und ein Kennenlernen genutzt werden.

Fazit nach Tag 2: Fast alles negativ

Jessi staunt, wie viele Leute an einem Festival auf Tinder sind. Sie findet jederzeit Leute zum Chatten. Drei Punkte sind ihr jedoch negativ aufgefallen:

  1. Tindern ist sehr akkuintensiv. Jessi muss immer eine Powerbank mitschleipfen. Das ist ein bisschen mühsam.
  2. Man kommt sich schon sehr komisch vor, wenn man vor der Bühne steht und eigentlich mit Freunden für ein geiles Konzert da ist, schlussendlich aber einfach am Handy rumhängt.
  3. Ein Date abzumachen ist gar nicht mal so einfach. Mal möchte man selber ein Konzert schauen, dann das Date, dann ist man am essen, dann das Date, etc.

Tindern am Openair: zum Empfehlen oder nicht?

Jessi meint: «Im Grossen und Ganzen: Ja! Die Typen sind beim Tindern am Festival nicht wirklich anders», so Jessi.

Jessi am Tindern

Bildlegende: Jessi am Tindern SRF

«Wenn du den Mann fürs Leben suchst oder auf ein romantisches Date mit gemeinsamem schönen Abendessen hoffst, dann bist du bei Tinder eh falsch. Das weiss man ja. Vor allem als Frau. Aber wenn man einfach eine lustige Zeit haben möchte, neue Leute kennen lernen will, ist Tinder sicher eine tolle Sache», So Jessi weiter.

Gelaufen ist übrigens am ganzen Festival nichts – da Jessi das nicht wollte.