m4music Festival Wie das tägliche Leben eines Musikers wirklich ist

Musiker. Das sind die mit dem coolen und relaxten Lifestyle, oder? Die, die abends manchmal Konzerte spielen und danach ihre Groupies aufs Hotelzimmer nehmen, richtig?. Stimmt so nicht! Am m4music-Festival in Lausanne haben 3 Acts mit genau diesen Vorurteilen aufgeräumt.

Rat Boy

Bildlegende: Rat Boy Och, diese arme Band. Müssen sie doch tatsächlich unter diesem schönen Baum sitzen. Ein bisschen Mitleid! SRF

1. Tourbus

Vorurteil: Jeder Tourbus ist hochgradig komfortabel und besitzt eine eigene Minibar, aus welcher der Butler einem direkt den besten Vodka der Welt serviert.

Die Wahrheit: Stimmt nicht!

Rat Boy: «Unser Tourbus ist Schrott. Er hat ein Loch auf der Seite. Immerhin kommt da ein wenig Luft rein.»

Sandor: «Wir haben nicht einmal einen Tourbus. Wir sind meist mit Kleinwagen oder TGV unterwegs.»

Rico von SWK: «Nur der kleine Bruchteil derjenigen, die es erfolgstechnisch geschafft haben, können sich Luxus leisten. Manchmal verfälscht sich dadurch das gängige Bild.»

2. Groupies

Vorurteil: Als Musiker hat man oftmals Fans, die so sehr zu einem aufschauen, dass amouröse Avancen gegenüber Musikern keine Seltenheit sind.

Die Wahrheit: Stimmt teilweise!

Rat Boy: «Wir haben keine Groupies. Bei uns schlafen die Bandmitglieder einfach manchmal miteinander.»

Sandor: «Vor dem Konzert sind wir oft so konzentriert, dass wir nicht fähig sind, jeglichen Kontakt zu anderen aufzunehmen. Nach dem Konzert mögen wir jedoch soziale Kontakte und menschliche Begegnungen.»

SWK: «Ich habe keine Groupies. Ich bin zu socially awkward.»

3. Drogen

Vorurteil: Musiker sind immer entweder betrunken, auf Drogen oder häufig auch beides.

Die Wahrheit: Stimmt teilweise!

Rat Boy: «Bei uns trinkt nur jemand. Der trinkt aber für uns alle.»

Rico

Bildlegende: Rico von der SuperWakClique – kurz: SWK. Mit Bier in der Hand, tatsächlich. SRF

Sandor: «Wenn ich mehr Zeit hätte, wäre ich gerne etwas benebelt. Das verträgt sich allerdings nicht mit der harten Arbeit, die professionelles Musikmachen mit sich bringt.»

SWK: «Ich trinke immer. Ich halte jetzt gerade ein Bier in meinen Händen.»

[Anm. der Redaktion: Das Interview fand um 15:00 Uhr am Nachmittag statt. Aber. We don`t judge.]

4. Freizeit

Vorurteil: Da Bands jeweils am Abend ihre Gigs spielen, haben sie tagsüber oft frei; es Schoggiläbe.

Die Wahrheit: Stimmt nicht!

Rat Boy: «Wir sind Perfektionisten. Wir möchten uns eigentlich nie ausruhen.»

Sandor: «Wenn man Musik als Beruf ausüben möchte, muss man so früh aufstehen, wie der klassische Bürogummi.»

SWK: «Als Musiker hat man tagtäglich zu jedem Zeitpunkt mit dem Prozess zu tun, etwas gegen aussen auszudrücken. Ob am Tag im Studio oder am Abend beim Konzert.»

5. Food im Backstage

Vorurteil: Bei Konzerten werden Bands so richtig verwöhnt und verhätschelt. Kaviar, Foie Gras und Whiskey erster Güteklasse gehören auf einen klassischen Rider einer Band.

Die Wahrheit: Stimmt teilweise!

Sandor

Bildlegende: Kommt da die Sängerin von Sandor gerade vom Backstage-Buffet? SRF

Rat Boy: «In England sind viele Buffets im Backstage so richtig mies. Einmal hatten wir jedoch das Glück, Thunfischsteaks zu bekommen. Das war damals, als wir mit The 1975 getourt haben.»

Sandor: «Buffet und Backstage-Bereiche sind stets etwas Tolles. Die Leute bemühen sich so sehr um einen und zeigen einem alles.»

SWK: «Am Royal Arena gabs ein feines Buffet – und uneingeschränkt Bier. Ich mag Bier – wollte ich nur schnell erwähnen.»

ABER: Über allen Vorurteilen steht immer die Musik. ♪♫♪

Nebst den obigen Vorurteilen gegenüber Musikern, die mit deren vermeintlichem Lifestyle oft assoziiert werden, gibt es hier noch als Schlussnote einige Zitate der Bands über Musik selbst.

Rat Boy: «In fünf Jahren werden wir vielleicht tot sein. Wir stecken sehr viel Energie in unsere Musik. Oder wir studieren zusammen. Ein PhD in allem.»

Sandor: «Das schönste am Musikmachen ist die Verbindung zwischen Menschen.»

SWK: «Mein Nummer-1-Musiker ist Prince.»

m4music Festival 2017

m4music Festival 2017

Das m4music geht weiter: am Freitag, dem 31.3., und am Samstag, dem 1.4., machen verdammt viele gute Bands den Zürcher Schiffbau unsicher. Das ganze Line-up gibt's hier.