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Game Show Zürich «Wuu-Huu»: Ein Treffen mit dem Mann hinter Super Mario

«It’s-a-mazing!» Seit 30 Jahren macht Charles Martinet die «Wuu-Huu»-Sounds von Super Mario. Wir haben die fleischgewordene Videospiellegende getroffen. Eine Achterbahn der Gefühle für unsere Game-Expertin Martina, die am Ende aber strahlend den Raum verlassen konnte.

Charles Martinet und unsere Moderatorin/Redaktorin Martina Gassner.
Legende: Charles Martinet Fleischgewordene Videospiellegende. SRF Virus

Es scheint, als habe Zürich nur auf seine erste grosse Gaming Messe gewartet. Bereits eine halbe Stunde bevor sich die Messe Hallen für die «Zürich Game Show» öffneten, ist die Schlange vor der Tür 100 Meter lang. Ich darf an all den wartenden Gaming-Begeisterten vorbeimarschieren, denn ich habe ein Date: Mit Super Mario höchstpersönlich!

Zwei Nintendo Fans spielen ein neues Spiel an.
Legende: Die Game Show Zürich Lockte nicht nur mit Prominenz, sondern vor allem mit Spieleneuheiten und E-Sport Events. Keystone

Im echten Leben heisst Super Mario Charles Martinet. Er hat vor bald 30 Jahren ein Casting gecrashed, ohne zu wissen, was Nintendo oder Super Mario überhaupt ist.

Dabei ist die Rolle des italienischen Klemptners (angelehnt an Mario Segale, den ehemaligen Nintendo Hausmeister) wie auf Martinets Leib geschneidert: Er hat während des Castings 30 Minuten lang ohne Pause und voller Enthusiasmus von Pizza und Pasta geredet. Mamma Mia! Irgendwann war das Band voll und als Charles wieder weg war, haben die Verantwortlichen Nintendo angerufen, um zu verkünden: «Wir haben Mario!»

Das war vor 27 Jahre und mehr als 100 Videospiel-Rollen. Neben Mario leiht Charles seine Stimme auch Wario, Luigi, Waluigi, Baby Mario, Baby Luigi oder dem Drachen Paarthurnax aus Skyrim. Mit anderen Worten: Martinet ist eine fleischgewordene Videospiellegende. Und die wird in wenigen Minuten vor mir stehen!

Es ist soweit! Der Super-(Mario)-Gau!

Plötzlich geht die Türe auf: Da sitzt Charles alleine und Autogrammkarten unterschreibend in einem sterilen Sitzungszimmer im hintersten Raum der Messe Hallen. Das Privileg, der berühmteste Schnurrbart der Gamingindustrie zu sein, bringt wohl auch eine Menge Pflichttermine wie diesen mit sich.

Seit bald 30 Jahren erzählt Charles, wie er damals dieses Casting gecrashed hat; das muss doch irgendwann mal nerven?! «Niemals», meint Charles später im Interview, «immer, wenn er seine Mario Stimme aufsetzt, werde er von seinem Gegenüber angestrahlt. Das würde auch nach all den Jahren noch Spass machen.»

Unsere Moderatorin gefällt super Mario offensichtlich.
Legende: Ein toller Mann... ...dieser Super Mario. SRF Virus

Doch zum Interview wäre es fast nicht gekommen: Plötzlich sind die Batterien in meinem Aufnahmegerät leer. Während mir gleich mehrere Hände zu Hilfe eilten (ein dickes Danke an dieser Stelle an die Nintendo- und Games Show-Crew), versuche ich schwitzend, Charles Martinet bei Laune zu halten.

Der Versuch endet damit, dass Charles mich bei Laune hält mit einem Gespräch über das aktuelle Zeitgeschehen, fernab von Small Talk, der an solchen Terminen sonst üblich ist. Wie es sein könne, dass er damals noch ohne Geld studieren konnte, während man sich heute in Amerika bis über beide Ohren verschulden muss. Wie schwierig es sei, sich heute noch Kinder «leisten» zu können und wie verrückt sich unsere reale Welt doch entwickelt.

In diesen ersten zehn Minuten ist sehr viel persönliches von Charles Martinet durchgedrungen, sehr viel vom Menschen hinter der Videospielfigur.

Mikrophon an: «It's-a me Mario»

Die Batterien sind da und mit ihnen ist Super Mario zurück. Charles möchte Station IDs für Virus aufnehmen und ist voll und ganz in seiner Rolle.

Ab jetzt ist es nicht einfach, zwischen Charles Martinet und Super Mario eine Linie zu ziehen. Über die Jahre sind die beiden verschmolzen, das sei nicht nur so, wenn das Mikrophon an sei, meinen die zwei. An manchen Tagen würde er mit der Mario-Melodie im Kopf aufwachen, und dann die passenden Geräusche dazu machen.

Charles und Mario sind identisch. Nintendo hat ihm deshalb nie Vorschriften gemacht oder Schranken gesetzt, niemand habe ihm je gesagt, was Mario nicht sagen oder tun darf. Er wisse einfach immer, was Mario tun würde. Mario stehe für Spass, für die Lust etwas Unbekanntes zu entdecken und ganz viel Lebensfreude.

Doch das sehen manche auch anders, gebe ich zu bedenken: Es gebe tatsächlich auch Stimmen, die Mario als das Sinnbild des Patriarchats ansehen. Als den, der immer seine Machtkämpfe mit Bowser austrägt und im Grunde doch nur hinter Peachs Rockzipfel her ist. Was er solchen Leuten entgegne, will ich wissen.

Das bringt den sonst so souveränen Charles Martinet kurz aus der Fassung: Er fände es faszinierend, dass man auch dort eine Kontroverse führen müsse, wo es keine zu führen gäbe. Mario stehe für Liebe, Spass und eine gute Zeit und ganz und gar nicht fürs Patriarchat.

Das ganze Interview mit dem berühmtesten Schnurrbart der Videospielgeschichte (der in Wirklichkeit übrigens gar keinen Schnurrbart trägt) gibt es hier: