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Game-Test Ist Virtual Reality ihr Geld überhaupt wert?

Vor zwei Jahren löste die neue Generation VR-Brillen für zu Hause einen riesigen Hype aus. Erfüllen konnten sie die grossen Erwartungen aber nicht: Zu teuer, zu unausgereift und vor allem zu wenig attraktive Spiele. Wo steht die Technologie heute? Wir sind tief in sie eingetaucht.

Verschiedene Menschen tragen VR-Brillen und man sieht was die VR Technologie so im Schilde führt.
Legende: VR-Technologie Einst der Traum vieler Gamer, mittlerweile für viele eine Enttäuschung. Collage SRF Digital

Das Wichtigste:

  • Die VR-Technologie ist noch nicht dort, wo sie die Gamer gerne hätten.
  • Die meisten exklusiven VR-Titel sind ihr Geld nicht wert.
  • Trotzdem gibt es genug Spielspass für unter der Brille.
  • Eine neue Generation von Brillen steht in den Startlöchern.

VR-Verkaufszahlen steigen

Kurz vor Weihnachten wurden zum erstem Mal mehr als eine Million VR-Brillen innerhalb eines Quartals verkauft. Die virtuelle Realität ist also nicht so einfach tot zu kriegen, trotz Startschwierigkeiten. Allen voran liegt Sony mit rund 490'000 verkauften Playstation VR Headsets. Es ist die günstigste Brille unter den drei High-End Produkten, die insgesamt 86% vom ganzen VR-Markt für sich beanspruchen.

Auf Platz zwei liegt die Oculus Rift, die im Ausverkauf zeitweise gleich viel kostete wie eine Playstation VR, sich allerdings nur halb so gut verkauft hat. Am schlechtesten hat das teuerste Produkt abgeschnitten: Die HTC Vive bildet mit 160'000 verkauften VR-Brillen das Schlusslicht unter den drei Grossen bildet.

Die gute Nachricht: Die Branche hat aus den Kinderkrankheiten gelernt. Die Hersteller haben ihre Hardware angepasst, die Preise für VR-Headsets sind gesunken und neue Brillen sind am Start. Auch bei der Software hat sich einiges getan, es gibt heute mehr attraktive Titel als noch vor zwei Jahren: «Doom VFR» oder «Fallout 4 VR» trumpften so richtig auf und kurbelten das Weihnachtsgeschäft mit VR-Brillen ordentlich an.

Vorspiel törnt nicht an

Die weniger gute Nachricht: Kabelsalat. Noch funktioniert keine der Brillen drahtlos, will man zu Hause nicht über die Kabel stolpern, muss man also immer wieder auf-und abbauen. Ausserdem verbringt man viel Zeit in den Software-Einstellungen: Damit das Ergebnis optimal läuft muss immer viel optimiert werden, das ist je nach System ziemlich kompliziert und frustrierend.

Eine weitere Hürde ist der Platzbedarf. Nur die Playstation VR ist zum Sitzen konzipiert und diesbezüglich genügsam. Wer sich aber (mit der HTC Vive oder der Oculus Rift) im Zimmer bewegen will, muss «Room Scale» einrichten, also mindestens 1.5 auf 2 Meter Platz freiräumen.

Diese Vorbereitungen sind nicht wirklich ein anregendes Vorspiel, um sich in VR-Stimmung zu bringen. Immerhin hat man sich den Spielspass danach aber redlich verdient. Oder besser: Hätte ihn sich verdient. Denn wo es nur wenige gute VR-Spiele gibt, gibt es auch wenig Spielspass, den man sich verdienen könnte.

Das ist das Kernproblem der derzeitigen virtuellen Welt begraben. Zum Glück gibt es Ausnahmen. Hier sind sie.

Autorennen in VR ist wie ein Rausch!

Cockpits sind immer gut für ein VR-Spiel, denn sie minimieren die Gefahr von Virtual Reality Sickness ─ zumindest, wenn man im Cockpit nicht kopfüber durchs Weltall fliegt wie beispielsweise in «EVE: Valkyre VR».

Im Autocockpit wird der Gleichgewichtssinn weitaus weniger gefordert, ausser man verliert die Bodenhaftung und schleudert abseits der Strecke herum, was auch in der Realität die Magengegend herausfordern würde.

Gleich zwei ausgewachsene Rennspiele unterstützen VR in ihrem neusten Ableger. Erstens «Project Cars 2», ein Autorennspiel mit der Ambition zur Rennsimulation. Die Macher haben hohe Ansprüche daran das Fahrgefühl möglichst realistisch zu vermitteln, dabei hilft auch die VR-Brille. Für die Playstation VR wird «Project Cars 2» nicht unterstützt, es heisst, man könne keine stabilen 60 FPS garantieren. Für die PC Version ist der VR Modus allerdings für das ganze Spiel uneingeschränkt verfügbar.

Das zweite Rennspiel mit integriertem VR-Modus ist «Gran Turismo Sport». Dort sind zwar weder alle Strecken noch der Online-Modus verfügbar und es gibt auch nur einen Gegner, der auf der Rennstrecke hinter uns her rast. Nichtsdestotrotz macht das Rennen fahren mit VR-Brille richtig viel Spass.

Mit einer leichten Kopfbewegung hat man den perfekten Überblick in jeder Kurve, ausserdem spürt man die Beschleunigung am ganzen Körper. Hier macht der Griff zur VR-Brille wirklich Sinn.

Auflösung und Demos: Schlecht

Gleich mehrere VR-Spiele haben wir in den letzten Wochen und Monaten gespielt. Egal ob HTC Vive, Oculus Rift oder Playstation VR, immer wieder sind wir aufs Neue erstaunt, wie weit die Pixel unter der Brille auseinanderliegen und wie schlecht die Auflösung noch daherkommt.

Was auffällt: Enttäuscht haben vor allem die vielen kleine Spiele, die exklusiv für die VR-Brillen entwickelt wurden. Die Spiele, mit denen wir Spass hatten, kann man (fast) alle auch an einem ganz normalen Bildschirm ohne VR-Brille spielen. Gute Spiele bleiben eben gute Spiele und schlechte VR-Demos fluten derzeit die Regale.

Der VR Horror!

Eine weitere Stärke von VR ist die Immersion, also das Eintauchen in die virtuelle Welt, so dass man sie als real empfindet und das restliche Drumherum vergisst. Genau diese Immersion kann in Horrorspielen perfekt gegen uns verwendet werden – im positiven Sinne.

Das beste Beispiel hierfür ist «Resident Evil 7 Biohazard», der neuste Ableger des Horrorklassikers hat das Gruseln neu erfunden. Nicht nur weil man für die VR-Umsetzung auf First Person gewechselt hat, sondern auch weil man davon abgekommen ist, Horden von Zombies auf uns loszuhetzen. Dafür gibt es eine charakterstarke Zombiefamilie, die es in sich hat.

Die VR Unterstützung gibt es derzeit noch exclusiv für die Playstation VR. Wer sich traut wird dank VR-Brille zum Protagonisten in seinem eigenen Horrorfilm.

Überraschungs-Hits aus dem Indie-Universum

Auch in der Indie-Spiel-Szene sind die Studios fleissig daran, auszuprobieren, was sie mit dieser virtuellen Realität alles anstellen können. Allerdings enttäuschen die meisten VR-Indie-Titel mit wenig Inhalt, der auch noch mangelhaft umgesetzt ist. Wir haben dennoch zwei Titel gefunden, die uns gefallen haben:

Superhot VR

Superhot ist ein Egoshooter, der hält, was er verspricht, denn dieses Spiel ist wirklich Superhot! Die Zeit läuft immer dann weiter, wenn wir uns bewegen. Das funktioniert gerade in der virtuellen Realität ausgesprochen gut und so weichen wir in bester Matrix-Manier vor dem Kugelfeuer unserer Gegner.

Superhot VR kostet rund 25 Franken ist ab 12 Jahren freigegeben und läuft auf Playstation VR, Oculus Rift, HTC Vive und Windows Mixed Reality.

Polybius

Dieser VR-Shooter gleicht einem Rausch. Polybius stammt von einer Koryphäe des Game-Designs, die für sehr abgefahrene Spiele berühmt ist. Auf einem dunklen Hintergrund flitzen uns leuchtende Neon-Linien und Retro-Pixel um die Ohren, dort muht eine Kuh, hier erklingt ein Modem-Rauschen und durch alles pulsiert feinster 90er-Jahre-Retro-Techno à la Underworld.

Polybius kostet rund 20 Franken, ist ab 12 Jahren freigegeben und läuft exklusiv auf Playstation VR.

Gut adaptiert ist halb gewonnen!

Viele Spieler wollen sich mit der virtuellen Realität den Traum erfüllen, in ihre Lieblingsspiele abzutauchen. Darum sind bereits einige Klassiker in einer VR-Version auf dem Markt. Das stellt die Macher allerdings auch vor viele neue Probleme, die sie mal besser, mal schlechter lösen.

Doom VFR

«Doom» ist ein Klassiker im Shooter Genre. Seine Macher wissen ganz genau, wie man für abgefahrene Action sorgt. Die neuste Ausgabe besticht durch ein enormes Tempo, ausserdem ist man immer gezwungen, an vorderster Front zu kämpfen und den Monstern wortwörtlich ins Gesicht zu springen. Dasselbe gilt für die VR-Version, in der man nicht geht, sondern sich selbst teleportiert. Die Steuerung ist anfangs sehr gewöhnungsbedürftig. Doch Übung macht den Meister und so springt man mit etwas Geschick auch virtuell den Zombies mitten ins Gesicht.

Doom VFR kostet rund 30 Franken ist ab 18 Jahren freigegeben und läuft auf Playstation VR und HTC Vive.

Fallout 4 VR

Mit vollem Körpereinsatz stundenlang durchs Ödland streifen ist mit «Fallout 4 VR» endlich möglich. Wie man sich fortbewegt, kann man sich aussuchen. Entweder drückt man den Controller nach vorne, wobei die Virtual Reality Sickness so gut wie vorprogrammiert ist oder man teleportiert sich von Ort zu Ort. Die Steuerung ist so komplex wie in keinem anderen Spiel. Wer sich allerdings beherrscht, findet am linken Arm seinen Pipboy wieder und hält in der rechten Hand eine Pistole. Mehr kann man sich als Fallout Fan fast nicht wünschen.

Fallout 4 VR kostet rund 65 Franken, ist ab 18 Jahren freigegeben und läuft auf Playstation VR und HTC Vive.

Es bleibt noch viel zu tun

Das grosse Problem ist und bleibt der «Brech-Faktor»: Immer wieder beginnt die Magengegend zu rebellieren. Zwar «gewöhnt» man sich ein Stück weit an die virtuelle Realität, das bedeutet dann allerdings auch, dass das «VR-Wow-Gefühl», das man bei den ersten Malen noch empfunden hat, immer schwächer wird.

Natürlich muss auch bei der Hardware noch mehr gehen. Neue Brillen sind angekündigt. Ob sie allerdings den entscheidenden Durchbruch bringen werden, ist fraglich. Wer auf das perfekte VR-Gefühl für zu Hause hofft, ist gut damit beraten, noch ein wenig Geduld aufzubringen.

Wer diese Stärke nicht besitzt, kann in der Zwischenzeit ein echtes «VR-Wow-Erlebnis» bei einem der VR-Anbieter buchen, die sich auf die Nutzung der VR-Technologie ausserhalb der eigenen vier Wände spezialisiert haben.

So sieht es aus, wenn VR-Spiele nicht wirklich funktionieren:

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