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Let’s Play «No More Heroes 3»: Wahnsinn mit Punk-Attitüde

Gegen zehn Bösewichte kämpfen, dazwischen grümschelen: Der wilde Mix aus Anime und Retro-Game sticht und fordert heraus.

Guido spielt «No More Heroes 3» (Let’s Play)

Wir spielen zum letzten Mal Travis Touchdown, «the passing assassin», Hauptfigur der erfolgreichen Indie-Game-Serie. In dieser Ausgabe will der Ausserirdische Lord Fu die Erde erobern – und organisiert ein Turnier, in dem die zehn besten Kämpfer der Galaxie besiegt werden müssen, um den Untergang unseres Planeten abzuwenden.

Um an einem Kampf teilzunehmen und einen Rang aufzusteigen, muss Travis allerdings zuerst eine Wettkampfgebühr bezahlen – er verdient sie sich mit kleineren Scharmützeln oder dem Erledigen allerlei Hausarbeiten. Dort will Gras gemäht, hier Abfall eingesammelt werden, einer kauft Sammelkarten auf, ein anderer verwertet seltene Skorpione in seinem Kochtopf.

Das ist der Loop des Games: In einer beschränkt offenen Welt grümschelen – dann einen Boss-Kampf gewinnen – von vorn.

Das Kampfsystem ist simpel gehalten: Einfache und schwere Angriffe mit dem Lichtschwert, ein Wrestling-Wurf, eine Handvoll Spezial-Fähigkeiten auf Cooldown, schön choreografierte Finisher. Reizvoll ist es, weil jeder der zehn Bosse ganz anders kämpft und wir in mehreren Versuchen lernen müssen, welche Taktik funktioniert. Diese Kämpfe sind spektakulär und zeigen, dass die Game-Designer schon können, wenn sie wollen.

Was man optisch nämlich nicht immer vermuten würde: Das Game wirkt schludrig, abgewetzt, mit Holzleim zusammengeklebt. Der Humor ist ebenso krud: Wir speichern das Game auf Toiletten, die wir zunächst entstopfen müssen. Nach jedem gewonnen Boss-Kampf hat Travis einen tiefsinnigen Spruch auf Lager, in den Kämpfen schreit er gern und oft «Fuckheads» oder zählt diverse Beeren auf. Vor und nach einem Kapitel laufen Vor- und Abspänne, das Game ist strukturiert wie eine zehnteilige Anime-Serie.

Auch sonst ist es vollgepackt mit popkulturellen Anspielungen: Games der 80er- und 90er-Jahre werden ebenso zitiert wie Anarcho-Filmemacher Takashi Miike.

Der wilde Mix aus Anime und Retro-Games ändert ständig abrupt den visuellen Stil, der Übergang von ernst gemeint zur Persiflage ist fliessend. Das ist genau das, was die Fans der Serie lieben. Nicht-Eingeweihte sind zu Beginn des Games aber ziemlich verwirrt.

Es ist eine Punk-Ästhetik, der sich das Team um Goichi Suda von Grasshopper Manufacture verschreibt. Damit tun sie etwas, was Games fast nie wagen: Sie wollen nicht allen gefallen. Sie pfeifen auf technische Perfektion. Mehr Stil als Substanz wird nicht negativ verstanden, denn Attitüde ist alles. Das lässt das Game erfrischend aus der Masse herausstechen, fordert uns als Publikum aber auch, den Horizont zu erweitern.

«No More Heroes 3» ist für die Nintendo Switch. Es ist ab 18.

Radio SRF Virus, 7.9.2021, 15:20 Uhr.

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