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Kompass Die Loverboymasche: Wenn der Freund zum Zuhälter wird

«Loverboymasche» klingt harmlos. Doch dahinter stecken brutale Geschichten. Geschichten von jungen Mädchen, die sich in ihren vermeintlichen Freund - meistens den ersten Freund überhaupt - verlieben und dann von ihm in die Prostitution gezwungen werden.

Frau in Unterwäsche im Auto, Blick und Gesicht abgewandt
Legende: Colourbox

Barbara* ist in der Lehre. Daheim hat sie Zoff mit den Eltern. Soweit, so normal. Alltag eben.

Dann lernt sie ihn kennen. Barbara verliebt sich unsterblich. Er gibt ihr Zuneigung, Aufmerksamkeit, Geschenke. Für sie ist es die erste grosse Liebe, der erste Sex. Für ihn ist das Ganze etwas völlig anderes. Aber das wird sie erst später merken.

Von daheim, wo sowieso schon alles schwierig ist, wendet sich Barbara ab. Sie braucht nur noch ihn. Mit ihm ist sie glücklich. Auch von ihren Freundinnen entfremdet sie sich immer mehr. Diese erkennen sie nicht mehr wieder. Sie wird im teuren Auto abgeholt. Trägt teure Kleider, die er ihr geschenkt hat. Sie ist nicht mehr die, die sie mal war.

Wenn die Falle zuschnappt

Einige Zeit später erzählt er ihr, dass er Schulden habe und bedroht werde. Dass er dringend Geld brauche, um die Schulden zurückzuzahlen und in grossen Schwierigkeiten steckt.

Sie liebt ihn und will ihm helfen. Um schnell an Geld zu kommen, geht sie mit fremden Männern ins Bett und lässt sich dafür bezahlen. Im Nachhinein sagt sie:

Er war nicht mehr mein Freund, sondern mein Zuhälter.

Seelisch gefesselt

Die folgenden Jahre hat Barbara keinen Tag mehr frei: Sie wird von Bordell zu Bordell gekarrt. Bricht ihre Lehre ab. Hat keinen Kontakt mehr zu Freunden und Familie und ist vollständig abhängig von ihrem Loverboy. Später bemerkt sie auch, dass er noch mehr Frauen wie sie hat und sie nicht die einzige ist. Trotzdem macht sie weiter.

Barbara braucht sechs bis sieben Jahre, bis sie merkt, was wirklich läuft. Er brauchte sie nicht in einen Keller zu sperren, sie anzuketten. Sie ist nie weggelaufen, weil sie emotional an ihn gebunden war. Weil es für sie Liebe war.

Die Flucht

Als sich Barbara endlich eingestehen kann, wo sie hineingeraten ist, wagt sie den Absprung. Sie flüchtet in ein anderes Land. Später lernt sie dort einen anderen Mann kennen und heiratet. Erst dann kommen die seelischen Narben ans Licht. Die Folgen: Angstträume, Panikattacken. Körperliche Schmerzen.

Der Zufall will es, dass sich Barbaras Nachbarin gegen sexuelle Ausbeutung einsetzt, mit Prostituierten arbeitet und diese unterstützt. Die beiden lernen sich kennen. Barbara macht verschiedene Therapien und findet Schritt für Schritt heraus aus ihrem Trauma.

*Diese Geschichte ist zum Schutz der Betroffenen anonymisiert. Erzählt hat mir diese Geschichte Irene Hirzel vom Verein ACT212, Link öffnet in einem neuen Fenster, der sich gegen Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung einsetzt. Sie hat Barbara begleitet. Wie man sich gegen Loverboys wehrt, wie man Betroffenen helfen kann, das sagt sie hier.

10 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe, Gwatt
    Dass solches meist im Ausland oder aber auch bei uns in ausländischen Familien geschieht, wissen alle. Leider wird überall von den "Sozialen" versucht, diese Tatsache zu verheimlichen.Das Ergebnis davon ist, dass die Schweizer Bevölkerung durch solche Meldungen in ein immer schlechteres Licht gerät +immer verruchter +krimineller erscheint. Solche Vorkommen sollten vermehrt veröffentlicht werden, +zwar mit der Nationalität der Opfer +Täter, auch der Name (auch bei CH) muss bekannt gegeben werden!
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    1. Antwort von Alex Bauert, Gwatt
      Migrationshintergrund ist nicht nötig. Bei uns in Langnau a.A. (ZH) gab's Anfang 80er ne «Familie» mit Tochter, deren Freund auch ihr Zuhälter und Heroindealer war mit CH-Pass UND Abstammung. Ihr Bruder kam von einem 1-jährigen Entzug zurück und erhielt als Willkommensgeschenk einen Gratisschuss. Dafür braucht es keine bestimmte Nationalität. CH geht auch prima.
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    2. Antwort von Henri Jendly, Gwatt
      Liebe Frau Roe, Sie reden wie ein Mensch, der in seiner heilen Welt glaubt die grosse Welt kommentieren zu müssen. Sie haben gelinde gesagt keine Ahnung was abgeht. Bitte nutzen Sie doch Ihren persönlichen Rassismus nicht für Kommentare in Bereichen, die Sie nicht ansatzweise kennen noch begreifen. Das Thema ist zu ernst und kein Thema für xenophobe Weltfremde. Diese Probleme gab's schon immer und sind unabhängig von Nationalitäten. Wer schon im Milieu gearbeitet hat weiss wovon ich spreche!
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  • Kommentar von M. Roe, Gwatt
    Selbstverständlich ist diese Geschichte tragisch. Man muss aber auf die Ursachen gucken. Viele junge Eltern haben durch die "Lari-Fari-Politik" der Linken schon heute nicht mehr die Unterstützung der Gesellschaft, Lehrer, Psychologen +"Gutmenschen", ihre Kinder streng (nicht verachtend) zu erziehen. Ihre Eltern hatten vielleicht noch versucht, sie auf die Gefahren vorzubereiten +zu zeigen, was Gut + Böse ist, +dass verheissungsvolle Angebote immer Fallen sind. Leider wird dies heute verachtet!
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    1. Antwort von Henri Jendly, Gwatt
      Das Problem ist keine Frage Ihres links-rechts-Denkmusters sondern ein Problem der letzten 60 Jahre (Alleinerziehende, berufliche Doppelbelastung, Zunahme des Drogenproblems, Verarmung des Mittelstandes etc.). Das sind Dimensionen, für die eine kleinbürgerliche Wahrnehmung nicht ausreicht. Oder wussten Sie, dass Bern lange Zeit die Drehscheibe der europäischen Prostitution und Drogenhandels war? Wo Kleinbürger wegschauen lässt sich gut arbeiten (O-Ton einer Prostituiertenbetreuerin in Bern!)
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  • Kommentar von Urs Müller, Zürich
    Das sind doch klarerweise Leute aus kriminellen Subkulturen, die ihr Netztwerk über das von Alltoleranz und Apathie gelämten europa legen. Wiederlich!
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