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Kompass Ist Heiraten (noch) cool?

«Min Maa chunt au grad no, weisch.» – «Was? Din Maa??» Für viele junge Menschen kommt die Ehe heutzutage seltener in Frage als noch vor fünfzig Jahren. Und diejenigen, die heiraten, tun dies lieber später als früher. Die Gründe dafür sind so divers wie die Blumenfarben in einem Brautstrauss.

Legende: Audio Kompass - «Auslaufmodell Ehe?» abspielen. Laufzeit 14:09 Minuten.
14:09 min, aus Virus Kompass vom 02.10.2017.

Wer heiratet wann und in welchem Alter?

Statistisch wird bei der Heirat zwischen Erstheirat und Wiederverheiratung unterschieden. Aus der zusammengefassten Erstheiratsziffer der letzten 50 Jahre ist ersichtlich: Das Durchschnittsalter bei der Erstheirat liegt gemäss dem Bundesamt für Statistik, Link öffnet in einem neuen Fenster auf gesamtschweizerischer Basis bei 32 Jahren bei den Männern und bei knapp 30 Jahren bei den Frauen. Am tiefsten lag das Alter um das Jahr 1970. Dort betrug das durchschnittliche Heiratsalter bei Männern 26 Jahre und bei den Frauen 24 Jahre.

Weiterentwicklungen des klassischen Ehe-Modells: «Ehe Light» und «Ehe für Alle»

«Ehe Light» = Das Modell «Ehe Light» fordert eine gegenseitige finanzielle Absicherung von Paaren, die aus religiösen oder persönlichen Gründen nicht heiraten wollen. In Frankreich gibt es diese Form bereits, Pacte de civil de solidarité, kurz: Pacs, genannt. Auch in der Schweiz wurde dieses Modell bereits diskutiert, Link öffnet in einem neuen Fenster. Bis eine solche vertragliche Absicherung für Konkubinate erfolgen wird, werden wohl noch einige klassische (Hochzeits)-Feste gefeiert.

«Ehe für Alle» = Um zu heiraten, müssen in der Schweiz viele Voraussetzungen, Link öffnet in einem neuen Fenster erfüllt sein (das zeigt auch dieses animierte Video, Link öffnet in einem neuen Fenster; das aber nur als Randbemerkung). Die Ehe ist in der Schweiz beispielsweise ausschliesslich für heterosexuelle Paare vorgesehen. «Ehe für Alle» möchte das ändern. In Deutschland ist die «Ehe für Alle» schon etwas weiter: Ab dem 1. Oktober 2017 tritt die «Ehe für Alle», Link öffnet in einem neuen Fenster dort in Kraft.

Ansonsten ist Heiraten natürlich – nebst den religiösen Gründen – auch heute noch aus vielen soziokulturell verankerten Gründen beliebt. Simon (30) aus Winterthur hat nach acht Jahren Beziehung seine Freundin zur Frau genommen (und sie ihn zum Mann). Die Entscheidung dazu kam auf ganz natürliche Weise.

Es war ein weiterer Schritt aufeinander zu, ein Symbol und eine Sicherheit. Und das Versprechen, zusammen alt zu werden.
Autor: Simon (30)hat im August geheiratet

Michael (27) aus Zürich hingegen kann sich nur schwer vorstellen, dass sich Freunde aus seinem Umfeld trauen und am Altar stehen.

Ich finde die Vorstellung komisch, wenn plötzlich meine Freunde vor dem Altar stünden. Und dann würden sie auch plötzlich gleich heissen... Sehr seltsam.
Autor: MichaelStudent aus Zürich

Wie dem auch sei, ob man heiraten will oder nicht, das bleibt jedem selbst überlassen. Heiraten oder nicht heiraten hat mit Meinung zu tun. Aber nicht nur: Eine Meinung ist nur dann auszuleben, wenn die Rahmenbedingungen auch zeitgemäss sind und dem Lebensmodell der Menschen entsprechen. Die Beliebtheit der Ehe nimmt bei den jungen Menschen (das am stärksten in Städten) auch deswegen ab, da heutzutage beide Beziehungsteile oftmals erwerbstätig sind.

Steuertechnisch lohnt sich eine Heirat nicht, wenn beide Ehepartner erwerbstätig sind. Die Steuerrechnung ist dann höher als wenn sie nicht verheiratet sind.
Autor: Philipp MöhrStatistik Stadt Zürich

Ist die Ehe nun ein Auslaufmodell oder nicht?

Die Ehe im traditionellen Sinn scheint nicht mehr ganz zeitgemäss zu sein. Dies spiegelt sich unter anderem im nationalen und internationalen politischen Prozess.

Neuere Konzepte wie «Ehe für Alle» brächten beispielsweise Änderungen im Betreuungs- und Unterhaltsgesetz mit sich. Solche politischen Debatten zeigen, dass die Ehe kein Auslaufmodell, sondern ein Konstrukt ist, das sich mit der Zeit ändert.
Autor: Philipp MöhrStatistik Stadt Zürich

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