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Kompass Von der Bankfiliale ins Fotoatelier

Saskia Widmer hat ihren sicheren Job auf der Bank geschmissen und ihren Traum wahr gemacht: Heute arbeitet sie als Fotografin. Die ersten Schritte in die berufliche Selbständigkeit haben sie beinahe in den Ruin getrieben und ans Ende ihrer Kräfte gebracht – zurück will sie trotzdem nie mehr.

Saskia Widmer mit Dutt, Brille und Lachen im Gesicht
Legende: Saskia Widmer Photography

Der kürzeste Weg zu dir führt dich einmal um die Welt

Oder wie in Saskia Widmers, Link öffnet in einem neuen Fenster Fall nach Südöstasien. Das kann es noch nicht gewesen sein, sagt sie sich kurz vor 30, kündet ihren sicheren Job auf der Bank und geht sieben Monate auf Reisen. Unterwegs fotografiert sie viel und merkt, dass ihr das viel gibt.

Ich hatte schon immer eine kreative Seite. Nur habe ich diese unterdrückt, weil ich dachte, dass mir Karriere und Geld wichtig sind.
Autor: Saskia Widmer

Zurück in der Schweiz bildet sie sich zur Fotografin aus. Dann arbeitet sie wieder bei der Bank. Ihr Plan: Schritt für Schritt ins neue Metier einsteigen. Lange hält sie es nicht aus: Sie schmeisst ihren Job Knall auf Fall hin und macht sich als Fotografin selbständig.

Finanzielles Desaster und Zusammenbruch

Sich selbständig zu machen ist ein Abenteuer - oder weniger romantisch gesagt: Ein Risiko. Es kommt nicht mehr jeden Monat Geld aufs Konto. Dafür fallen Ausgaben an: Atelier mieten. Equipment kaufen. Eine Webseite muss her. Und Werbung muss gemacht werden. Kurz: Viel Arbeit für wenig Geld.

Saskia geht irgendwann das Geld aus. Und sie betreibt Raubbau an sich selber. Nimmt jeden Auftrag an. Mehr, als sie bewältigen kann. Und wer mit seinem Namen zu seinem Werk steht, sieht sich selber mit sehr kritischen Augen an. Sie wird zu ihrer grössten und gnadenlosen Kritikerin.

Irgendwann kam der Punkt, an dem ich nicht mehr Schlafen konnte und grosse Zweifel an mir selbst hatte.

Die Konsequenz: Saskia kann nicht mehr, verliert die Freude am Fotografieren, schmeisst alles hin und fällt ins Loch.

Der Weg zurück

Viele kleine Porträts von Saskia mit Kamera
Legende: Saskia Widmer Photography

Saskia rappelt sich wieder auf. Nimmt einen Nebenjob in einer Bäckerei an. Das gibt ihr und ihrer fotografischen Arbeit wieder Luft. Der finanzielle Druck fällt weg. Und Saskia fängt wieder mit der Fotografie an.

Mittlerweile jobbt die 34-Jährige also in der Bäckerei und kann sich so ohne finanziellen und emotionalen Druck um die Fotografie kümmern. Und sie hat gelernt, auch mal Nein zu sagen zu einem Auftrag.

Saskia lebt ihren Traum. Auch wenn der Weg beschwerlich war: Zurück in ihre altes Leben will sie nicht. Auf keinen Fall.

Wenn man den Schritt einmal gemacht hat, gibt es kein zurück - zumindest nicht für mich. Bei meinen Projekten redet mir niemand rein. Das ist eine Freiheit, die ich extrem geniesse und nicht bereit bin, sie wieder aufzugeben.

3 Kommentare

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  • Kommentar von Christina Ammann, St. Gallen
    Liebe Saskia, ich gratuliere dir zu diesem Schritt und dein Erfahrungsbericht macht mir Mut nicht aufzugeben, Tiefen und Leere auszuhalten und weiter an meine Projekte zu glauben. Alles Liebe und Gute auf dem Weg der Momentaufnahmen.
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  • Kommentar von Pascal Bracher, Luzern
    Die Probleme, Ängste und Sorgen kenne ich als visueller Künstler, jedoch auch das unbeschreibliche Gefühl von Freiheit und Selbstverwirklichung. Wir leben unseren Traum und träumen nicht unser Leben. Auf deinem Weg weiterhin viel Freude.
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  • Kommentar von Laura Kissling, Schöftland
    Gratulation liebe Saskia zu diesem schönen Weg. Auch ich habe meine Arbeit im Marketing aufgegeben und bin heute seit 1 Jahr selbstständige Fotografin und auch wenn die Selbstständigkeit kein Zuckerschlecken ist bin ich unglaublich stolz auf das bisher erreichte. Schön, dass auch Frauen beruflich Mut zeigen und auf ihr Herz hören, schön, dass soviele erfolgreiche selbstständige Frauen die Märkte aufmischen! Weiter so :)
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