Chilbi-Alarm: Darum haben's reine Musik-Festivals verdammt schwer

Autoscooter fahren. Hammerwerfen. Bungee springen. Riesenrad fahren. Tönt nach Chilbi? Falsch. Es geht um Festivals. Die schlechte Nachricht: Es geht noch schlimmer!

Festival 2.0: Musik? Hauptsache Party

Bildlegende: Festival 2.0: Wenn die Leute nur noch wegen Halligalli anreisen SRF

An Festivals reicht Musik allein nicht

So absurd das in meinen Ohren auch tönt: Mit einem guten Musikprogramm allein kommen die Festivalmacher nicht weit. Am Gampel können die Besucher auf dem Gelände Autoscooter fahren. Und ich gebe zu: Ich war am Southside schon Bungeespringen.

Festivals werden immer mehr zu einem Event. Einfach ein paar Bühnen aufbauen und gute Bands buchen war gestern.

Mit Tricks uns Gägs zu mehr Publikum

Das Greenfield Festival in Interlaken hat in den letzten Jahren massiv an Gästen verloren. Darum haben sich die Macher überlegt, wie sie dem Festival noch mehr ein Gesicht geben können. Das Greenfield hat sich für einen Mittelaltermarkt mit Hammerwerfen und Co. entschieden. «Der Markt war ein Erfolg, daran knüpfen wir an», sagt Thomas Dürr vom Festival. Das würde mir im Musikherz weh tun, müsste ich mir Tricks und Gägs überlegen, um Publikum zu locken. Dürr sieht das pragmatischer:

«  Wir stehen in Konkurrenz mit dem Europapark. »

Thomas Dürr
Greenfield Festival

«Ich gang doch nöd do Bands luege!»

Wie dieses Video vom Openair St. Gallen zeigt, geht es vielen Leuten nicht nur um den Sound. Halligalli ist ihnen viel wichtiger:

Festivals, die nur auf Musik setzen, die werden es verdammt schwer haben. Das haben mir verschiedene Macher aus der Szene gesagt.

«  Musik ist und bleibt wichtig. Aber es geht auch immer mehr um das Gesamterlebnis - die Leute wollen in eine andere Welt eintauchen. »

Joachim Bodmer
Openair Frauenfeld

Bedeutet also mehr Action, mehr Halligalli an den Festivals. Weil Festivals eben mehr sein müssen als eine Aneinanderreihung von Bands. Es gehe um das Gesamterlebnis, sagen sie.

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