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Rehmann «Mit 15 wurde ich an einer Party vergewaltigt»

Emma* wird als 15-Jährige an einer Party vergewaltigt. Das traumatische Erlebnis und die psychischen Folgen trieben sie beinahe in den Suizid. Ihre Geschichte wird anonymisiert von einer Schauspielerin wiedergegeben.

Vor fünf Jahren wird Emma, damals 15-jährig, an einer Party vergewaltigt. Als sie nach Hause kommt, kann sie das, was geschehen ist nicht verarbeiten. Sie duscht sich zwei Stunden lang.

An meinen Oberarmen sah ich die Blutergüsse. Dann begann ich zu realisieren, was passiert ist.

Ihren Eltern verheimlicht sie was passiert ist. Sie geht zu ihrer damaligen besten Freundin und erzählt ihr von den Geschehnissen. «Ich habe es etwas verschönert, denn ich konnte mir nicht eingestehen, dass ich vergewaltigt worden bin», sagt Emma. Die Mutter der Kollegin erfährt davon und schickt sie sofort ins Spital, damit sie untersucht werden kann. Gleichzeitig werden Emmas Eltern informiert.

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Von den Mitschülern gemobbt

Emma wird von der Schule krankgeschrieben. Sie fehlt lange im Unterricht, nur noch in den eigenen vier Wänden fühlt sie sich sicher. Sie benutzt, aus Angst, eine Weile auch keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr. «Wenn sich jemand neben mich setzte, habe ich Panik bekommen», sagt sie.

Die Schule wird über die Gründe von Emmas Abwesenheit informiert. Die Schulleitung findet, dass Emma es ihrer Klasse persönlich sagen muss, damit keine Gerüchte und Lästereien entstehen.

So muss sie vor ihre Klasse stehen und sagen, dass sie gegen ihren Willen zum Sex gezwungen wurde. Von ihren gleichaltrigen Schulkameraden gab es aber kaum Verständnis. «Die Situation eskalierte danach völlig», weiss sie heute.

Sie wird von anonymen Anrufen belästigt. Mehrmals muss sie ihre Handynummer wechseln. Ihr wird vorgeworfen, alles erfunden zu haben, um Aufmerksamkeit zu erlangen.

Es folgt ein Suizidversuch

Zu dieser Zeit besucht sie eine Psychiaterin. Aber Emma sträubt sich gegen die Behandlung. «Ich erzählte ihr lediglich, was sie hören wollte und das funktionierte auch ziemlich gut», stellt Emma fest.

Mit der Zeit wird es zu viel für Emma. Die Vergewaltigung, das Mobbing und der Tod ihres Grossvaters ein halbes Jahr zuvor belasten sie enorm. Aus Verzweiflung beschliesst sie sich das Leben zu nehmen.

Lange versucht sie die Selbstmordgedanken zu verdrängen – erfolglos. An einem Mittwoch fasst sie den Entschluss, sich vor einen Zug zu werfen.

Ich dachte mir: Du machst dir diesen Tag komplett schön, dann gehst du am Abend zum Gleis und schliesst es einfach ab.

Emma geht zu einer abgelegenen Stelle, wo die Schienen einer Wiese entlang führen und wartet dort auf den Zug, der immer um 10 nach durchfährt. Zuhause ist die Mutter besorgt. «Meine Mutter hat instinktiv gespürt, dass etwas nicht stimmt», erzählt Emma. Sie verständigt die Polizei, welche Emma bei den Gleisen findet.

Ich baute eine Wand um mich herum, liess niemand mehr an mich heran.

Nach einem kurzen Aufenthalt in einer geschlossenen Klinik beginnt Emma erneut eine Therapie. Wieder lässt sie nichts an sich heran und sagt lediglich das, was sie sagen muss. Emma isoliert sich und schottet sich ab. Obwohl sie mit ihren Eltern reden könnte, verbringt sie ihre Zeit nur noch in ihrem Zimmer.

Doch schliesslich kam die Wende: Bei der Arbeit, als sie bei einer Kaffeemaschine das Milchpulver auswechseln muss, reisst der Behälter und das Milchpulver läuft aus. Dieses Missgeschick fungiert als Auslöser, das in ihr einen emotionalen Zusammenbruch hervorruft.

Emma du kannst nichts, du bist nichts, du kannst nicht einmal eine Kaffeemaschine auffüllen.

Auf dem Weg zur Besserung

Nun willigt sie zum ersten Mal ein, dass sie sich wirklich psychiatrisch behandeln lassen möchte. Dieses Mal ist die Therapie erfolgreich. Sie muss immer weniger zum Psychiater gehen und muss auch keine Medikamente zu sich nehmen.

Emma fühlt sich heute besser und ist bereit, offen über das Geschehene und ihre Probleme zu reden. Mit ihrem Schritt an die Öffentlichkeit möchte sie vor allem anderen helfen, die Ähnliches erlebt haben. Um ihnen zu zeigen, dass sie nicht alleine sind.

*Name von der Redaktion geändert

Sick of Silence

In der Sendung Rehmann S.O.S erzählen junge, kranke Menschen ihre Lebensgeschichte. Nun geben wir Menschen eine Stimme, die anonym von ihrem Schicksal erzählen möchten.

In der Webserie erzählen die Schauspieler Anja Rüegg, Silvio Kretschmer und Giorgina Hämmerli solche Geschichten - genau so, wie uns diese erzählt wurden.

3 Kommentare

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