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Rehmann Trotz fatalem Unfall: Martina liebt das Töfffahren immer noch!

Martina und ihr Kollege wollten nur eine Runde Motorrad fahren. Doch in einer Kurve fährt ein anderes Motorrad frontal in sie hinein. Wie es ihr heute geht und was ihr Unfall mit ihr gemacht hat, erzählt sie bei Robin Rehmann.

Martina verbringt einen entspannten Tag mit ihrer Familie in Graubünden, wo sie sich ein Velorennen anschauen wollen. Kurz vor dem Apéro wollen Martina und ihr Kollege kurz eine Runde mit dem Motorrad machen. Als sie sich von ihrer Mutter verabschieden, sagt diese noch: «Habe Gott vor Auge, passt auf».

Sie fahren los und es dauert nicht lange, bis ihnen in der Kurve ein Lieferwagen entgegenkommt. Hinter dem Fahrzeug erscheint plötzlich ein Motorradfahrer, der zu einem riskanten Überholmanöver ansetzt. Martina kann dem entgegenkommenden Töff nicht ausweichen und kracht frontal mit ihm zusammen.

Martinas Kollege fährt mit genügend Abstand und kann gerade noch rechtzeitig ausweichen. Er kommt zwar auch zum Sturz, bleibt jedoch im Gegensatz zu Martina unverletzt. Als ihr Kollege nämlich Martinas Helmvisier öffnet, sieht er, dass sie kreideweiss ist.

«Es ist ja nur ein gelähmter Arm.»

Die Diagnose: Das rechte Fussgelenk und beide Sprungelenke sind gebrochen, die Bänder im rechten Bein und die in den Knien sind gerissen. Zudem sind Martinas linker Fuss sowie mehrere Rippen, ihr linker Arm und einige Rückenwirbel mehrfach gebrochen. In ihrer linken Schulter sind alle Nerven und die Arterie gerissen – die Liste scheint endlos.

Nachdem sie mit der Rega im Churer Spital eintrifft, wird sie sofort während zwölf Stunden notoperiert, denn die zahlreichen Verletzungen müssen sofort behandelt werden. Es geht um Leben und Tod.

Nach zwei Tagen im Koma erwacht Martina. Ausser ihren Augen kann sie gar nichts bewegen.

Ich habe gedacht, ich wäre einfach ohnmächtig, würde gleich aufwachen und alles wäre nie passiert.

Man versucht ihr zu erklären, was geschehen ist. Wegen den vielen Medikamenten kann sie die Tragweite der Situation aber nicht richtig verstehen.

Nach zwei Wochen ist Martina bereit für den Transport zum Inselspital in Bern. Die erste Priorität ist, ihren linken Arm zu retten: Die Nerven müssen wieder verbunden werden. Danach muss Martina in eine Reha-Therapie und hofft, das alles wieder gut kommt.

Leider macht jedoch die Kopf-Nerven-Arm-Verbindung nicht mehr mit und ihr linker Arm ist folglich von der Schulter an gelähmt. Doch Martina bleibt optimistisch: «Es hätte viel schlimmer sein können».

Mögliche Amputation

Während Martina sich von den Operationen erholt, fängt sie an, sich langsam Sorgen: Sie fühlt ihr linkes Bein nicht. Die Ärzte beruhigen sie und meinen, das wäre nach so einem schweren Unfall normal.

Martinas Mutter genügt diese Antwort nicht und fordert die Ärzte auf, sich das Bein nochmal genauer anzuschauen. Schlussendlich stellt man fest, dass alle Bänder komplett zerrissen sind, was sofort behandelt werden muss.

Ein Tag später und wir hätten das Bein amputieren müssen.

Zurück in den Alltag

Nach ungefähr drei Monaten in der Rehabilitionsklinik geht Martina zu ihrer Mutter nach Hause. Sie muss wieder lernen, alles einhändig zu erledigen.

Es ist ein beschwerlicher Weg zurück ins Leben.

Heute kann Martina wieder arbeiten und seit August 2018 macht sie eine Ausbildung als Polygrafin. «Man muss natürlich gewisse Vorbereitungen treffen und für manche Sachen brauche ich länger. Aber ich mache lieber das als gar nichts zu tun», erklärt sie.

Wieder auf dem Motorrad – einhändig

Nach ihrer Rückher sucht Martina auf verschiedenen Kanälen Unterstützung für junge Unfallopfer und freundet sich mit einem Deutschen an, der, wie sie, seinen linken Arm seit einem Motorradunfall nicht mehr bewegen kann.

Er lädt sie ein, ihn in Deutschland zu besuchen – und das macht Martina auch. Er hatte nämlich sein Motorrad so umgebaut, dass er einhändig fahren kann. Somit sitzt Martina auch zum ersten Mal seit ihrem Unfall wieder auf einem Töff.

Obwohl ihr Umfeld das mit Vorbehalten annimmt, will Martina nicht länger auf ihre Leidenschaft verzichten.

Nur weil eine Person in mich hinein gefahren ist, will ich auf das, was mir so viel Freude bringt, nicht verzichten. Niemand kann mir das wegnehmen.

Mittlerweile kann Martina selbstständig leben und sie will sich für andere einsetzen. Sie arbeitet momentan an einem Projekt, das anderen jungen Unfallopfern helfen soll.

Mein Projekt wendet sich an diejenigen, die aus der Rehabilitationsklinik kommen und nicht genau wissen, wie sie einen Weg zurück in den Alltag finden können.

S.O.S. – Sick of Silence

S.O.S. – Sick of Silence

Wie sieht das Leben junger Menschen aus, nachdem es durch eine chronische Krankheit ausgebremst wurde? Robin Rehmann leidet selbst an einer chronischen Krankheit und unterhält sich in seiner Sendung mit Betroffenen.

Jeden Dienstag, 18-19 Uhr bei SRF Virus oder hier als Podcast.

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