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Anime «Neo Yokio»: Die schlechteste Anime-Serie aller Zeiten?

Die Ausgangslage war vielversprechend: Vampire-Weekend-Frontsänger Ezra Koenig, den wir für seine Musik sehr schätzen, macht für Netflix einen Anime und arbeitet dabei mit Hollywood-Grössen und bekannten Anime-Storyboard-Artists zusammen. Das kann ja nur gut werden, oder? Leider nein.

Kaz Kaan beim Exorzieren von Dämonen
Legende: Kaz Kaan beim Exorzieren von Dämonen Netflix

Der Hype war gross, als die Streaming-Plattform Netflix ankündigte, dass Vampire-Weekend-Frontmann Ezra Koenig einen Anime für sie produzieren werde.

Das Setting: Der reiche, verwöhnte Junggeselle Kaz Kaan wohnt in Neo Yokio, das New York darstellen soll, und kann Dämonen exorzieren. Die Ausgangslage ist also schon einmal nicht schlecht.

Dann kam der Trailer zur Serie und die Ernüchterung war gross: Alles sah ziemlich flach aus – ein bisschen nach «Gossip Girl» in schlecht. Und das soll was heissen.

Wer sich dann die ganze Serie zu Gemüte führt, wird am Schluss ebenfalls ziemlich unbefriedigt zurückgelassen – und das trotz Hollywood-Grössen wie Jaden Smith, Jude Law oder Susan Sarandon, welche die Hauptrollen sprechen.

Ein paar Erklärungsversuche, warum die Serie gescheitert ist:

1. JADEN SMITH

Ja, sorry, Caps Lock ist hier wirklich angebracht. Der Jungspund und Sohn des Überstars Will Smith versagt auf ganzer Linie. Seine Figur Kaz Kaan – also die Hauptfigur – ist ständig am Jammern, klingt dabei aber jeweils so unenthusiastisch, dass einem das Gesicht einschläft.

Oft hat man das Gefühl, er liest die Texte einfach ab und hat sich mit dem Inhalt nie auseinandergesetzt. Anstatt Kaz Kaan ist Jaden Smith seine eigene Twitter-Persona, die einem wirklich auf die Nerven gehen kann.

Aha. Danke für die Info, JADEN!

2. Die Story

Gibt es überhaupt eine Story? Wir sind uns nicht sicher. In den sechs Folgen wird einem nicht wirklich klar, um was es hier genau gehen soll. Um einen verzogenen Junggesellen, der sich nur um seine Kleider und sein Ansehen kümmert? Um einen Superhelden, der à la Hancock nicht genau weiss, wie er seine Kräfte einsetzen soll? Um ein paar Rich-Kids, die keine Hobbys haben und ein bisschen zeigen, wie das Leben auf der «bright side» so ist? Um Jaden Smith? Bis zum Schluss weiss man es nicht.

Zudem: Soll die Serie nun eine Satire sein oder ist es ernst gemeint? Du siehst, irgendetwas geht hier ganz und gar nicht auf.

3. Die Details

Die Fashion-Bloggerin Helena
Legende: Die Fashion-Bloggerin Helena Netflix

Das Voice-over ist nicht nur bei Jaden Smith erbärmlich. Auch Jude Law als Kaz Kaans Roboter-Butler Charles überzeugt nicht. Diese Rolle hätte eigentlich viel mehr Potential, das einfach nicht ausgenutzt wird. So wird Charles lediglich zum ziemlich langweiligen Sidekick.

Auch weitere Nebencharaktere bekommen wenig Platz. Lediglich Fashion-Bloggerin Helena, die auf einmal nichts mehr von Mode wissen möchte, wird immer wieder in den Fokus gerückt – für was genau sie aber einsteht, wissen wir nicht.

Nebst dem Voice-over gibt es als Anime-Nerd zu bemängeln, dass die Animation einfach nicht überzeugt. Sieht alles ein bisschen billig aus und die Liebe zum Detail ist nicht vorhanden.

Zum Schluss: Es gibt auch Lichtblicke

Lil Uzi Vert
Legende: Lil Uzi Vert OFFICIAL

1. Susan Sarandon als Tante Agatha: Die Schauspielerin haucht der alten Dame mächtig Leben ein und macht sie so zur authentischsten Person der Serie.

2. Lil Uzi Vert: Scheint es nur so, oder ist die Hauptfigur Kaz ein ebenbürdiges Abbild des amerikanischen Rappers?

3. Der Schluss ist besser: Gegen Ende nimmt die Serie etwas Fahrt auf, wird ein bisschen tiefgründiger und Action-geladener. Dies gibt Hoffnung, dass in einer zweiten Staffel mehr möglich wäre.

4. Der CH-Bonus: Erinnerst du dich an den Taxi-Song «Campari Soda» von 1977? Dieser Song hat es tatsächlich in die Serie geschafft, und zwar in den Abspann der dritten Folge. Und davon sind wir natürlich Fan ♥ PS: Auch die Schweizer Schoggi mit dem Matterhorn drauf nimmt eine ziemlich wichtige Rolle ein.

Ist «Neo Yokio» nun die schlechteste Anime-Serie ever?

Ob es die schlechteste Anime-Serie ist, sei in den Raum gestellt. Jedoch müssen wir leider das Fazit ziehen, dass es sich nicht lohnt, Zeit in diese Serie zu investieren. Denn gerade auch Netflix konnte in der Vergangenheit mit viel besseren Anime wie «AJIN: Demi-Human» oder «Seven Deadly Sins» auftrumpfen.